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optimale Temperatur / Sommerhitze

 
   Degupedia-Forum » Tierhaltung artgerecht » optimale Temperatur / Sommerhitze Alle Zeiten sind GMT + 2 Stunden
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davX
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Anmeldungsdatum: 08.06.2004
Beiträge: 8511
Wohnort: Schweiz

BeitragVerfasst am: 23.05.2014 19:02    Titel: optimale Temperatur / Sommerhitze Antworten mit Zitat

Huhu,

was tun gegen die Sommerhitze und was ist die optimale Temperatur?

Diese Fragen stellen sich viele Tierhalter und natürlich kann man sie nicht für alle Arten gleich beantworten. Aber im Deguforum ist es zur Zeit ein Thema, weshalb ich hier auch mal kurz darauf hinweisen will:

http://www.degus-online.de/phpbb/viewtopic.php?f=3&t=41914&p=388111#p388111

Interessant zu wissen ist, dass Chinchillas offenbar empfindlicher gegenüber hohe Temperaturen reagieren als zum Beispiel Degus oder Meerschweinchen und vermutlich auch Kaninchen. Das erstaunt auch daher, weil Chinchillas unter anderem in der Region Coquimbo in Chile vorkommen und nicht gerade in den kühleren Hochlagen sondern durchaus in den Gebieten, die eher ein mediterranes und fast schon steppenartiges Klima aufweisen. Es könnte natürlich sein, dass sie dort kühle Rückzugsmöglichkeiten aufsuchen, die den Tag durch kühl genug sind und erst in der Nacht, wenn es ordentlich kalt wird, aktiv werden.

Siehe auch:
Umgebungstemperatur
Was tut ihr gegen die Hitze?
Kühlhaus für den Sommer
Hitzeempfindlichkeit von Degus (Luftfeuchte und Temperatur nach Tremblay 2005)
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Andreas
Kaninchen würden Wiese kaufen


Anmeldungsdatum: 27.02.2009
Beiträge: 1228

BeitragVerfasst am: 23.05.2014 22:23    Titel: Re: optimale Temperatur / Sommerhitze Antworten mit Zitat

davX hat Folgendes geschrieben:

was tun gegen die Sommerhitze und was ist die optimale Temperatur?

Für Kaninchen kann ich die Fragen beantworten Wink

1. Baue graben lassen oder schattige Plätze auf natürlichem Boden (Erde als Untergrund) gewährleisten (ich habe mit einem Einstech-Thermometer (kalibriert) Bodentemperaturen an verschiedenen Plätzen und in verschiedenen Tiefen auf unserem Grundstück im Hochsommer gemessen - sowohl an bevorzugten Ruheplätzen als auch an denen, wo die Sonne hinschien und sich nie ein Tier aufhielt. Als Vergleich Wohnungstemperaturen... Resultat -> ich bin gegen Wohnungshaltung von Kaninchen)

2. die "optimale" Temperatur beträgt für Oryctolagus cuniculus ca. 15°C

freundliche Grüße,
Andreas
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Schlappohr
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Anmeldungsdatum: 15.02.2013
Beiträge: 360

BeitragVerfasst am: 24.05.2014 18:21    Titel: Antworten mit Zitat

Mein Weibchen verträgt hohe Temperaturen sehr schlecht. Sie achtet penibel daruf, dass sie nicht in die Sonne geht und sie hechelt immer sehr stark. Dies liegt vermutlich aber auch an ihrem Herzfehler. Bei Temparaturen über 30°C bekommt sie teilweise Luftnot und eine pumpende Atmung. Sie mag es dann gerne, wenn ich ihr Kühlakkus auf die Ohren lege.
Mein Männchen mag es sehr gerne auch mal etwas wärmer. Bei Temperaturen bis 15°C liegt er immer in der Sonne. Letztens hat er für eine Stunde auch bei 25°C in der prallen Sonne auf einem schwarzen Untergrung gelegen und er hat es genossen, wärend das Weibchen hecheld an der Regentonne im Schatten lag.
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Noraja
Freak


Anmeldungsdatum: 25.04.2010
Beiträge: 665
Wohnort: Schweiz

BeitragVerfasst am: 25.05.2014 22:24    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo zusammen,

ich kann die Beobachtungen mit der Hitzeempfindlichkeit der Kaninchen teilen. Sobald die Temperaturen in der Sonne 20°C übersteigen, ziehen sich die Kaninchen an kühle Liegeplätze zurück (meine legen sich bevorzugt in Erdmulden im Schatten) und dösen da solange, bis es wieder kühler wird.

Zitat:
1. Baue graben lassen oder schattige Plätze auf natürlichem Boden (Erde als Untergrund) gewährleisten (ich habe mit einem Einstech-Thermometer (kalibriert) Bodentemperaturen an verschiedenen Plätzen und in verschiedenen Tiefen auf unserem Grundstück im Hochsommer gemessen - sowohl an bevorzugten Ruheplätzen als auch an denen, wo die Sonne hinschien und sich nie ein Tier aufhielt. Als Vergleich Wohnungstemperaturen... Resultat -> ich bin gegen Wohnungshaltung von Kaninchen)

Ich finde Aussenhaltung auch viel besser. Mein Kaninchen in vorüberghenden Innenhaltung hat es im Moment aber eindeutig kühler als die beiden anderen. Er war der einzige von den dreien, der sich am Nachmittag bewegte. Gut, es ist auch langweilig in so einem Kellerzimmerchen. Er würd ganz bestimmt viel lieber wieder raus, auch wenn es draussen heisser ist.

Das es drinnen wärmer ist als draussen, deckt sich nicht mit meiner Erfahrung. Klar, es kommt natürlich immer drauf an, wie gut das Haus isoliert ist. Aber selbst im nicht so super isolierten, 60 jähjrigen Elternhaus schien es - ausser in der Dachetage - im Hochsommer drinnen merklich kühler als draussen an den Kaninchenschattenplätzen.

Vorausgesetzt, die Bewohner des Hauses geben sich etwas Mühe beim Kühlhalten des Wohnbereichs. Bei offenen Fenstern wird es natürlich sehr schnell mal heiss. Wenn man hingegen Nachts lüftet und man tagsüber die Fensterladen und Fenster geschlossen hält, kann man erfahrungsgemäss die nächtliche Kühle fast den ganzen Tag erhalten.

Kann aber sein, dass das nur so ist, da wir an einem Ort leben, der schon ab späten Nachmittag von einem Hügel beschattet wird.




Bei den Wellensittichen war die Hitze kaum ein Thema. Nur an Rekordhitzetagen merkte man an ihrer Flügelhaltung, dass es ihnen warm ist. Bei 20°C - 25°C, bei denen es den Kaninchen langsam zu warm wurde, fühlten sie sich sichtlich wohl.
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Andreas
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Anmeldungsdatum: 27.02.2009
Beiträge: 1228

BeitragVerfasst am: 26.05.2014 08:47    Titel: Antworten mit Zitat

Noraja hat Folgendes geschrieben:
Das es drinnen wärmer ist als draussen, deckt sich nicht mit meiner Erfahrung. Klar, es kommt natürlich immer drauf an, wie gut das Haus isoliert ist.

Es muss nicht wärmer sein, es reicht schon, wenn es genauso warm wie draußen ist. Sicher kann man mit Jalousien/Sonnenschirmen einiges erreichen, aber es fehlt oft auch an Luftbewegungen.

Das sind Temperaturen, die ich gemessen habe:


In der Tiefe, in der Kaninchen Baue anlegen, liegt die Temperatur immer im Bereich ihrer Wohlfühltemperatur. Das kann man im Haus nur mit Klimaanlage erreichen. Dann muss man sich aber nicht über Schnupfen wundern.

Wir hatten auf dem Grundstück Plätze mit Sand, die immer im Schatten lagen. Die dortigen Erdtemperaturen waren im Haus nicht zu erreichen, außerdem mögen Kaninchen Sand... Wink

freundliche Grüße,
Andreas
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Una
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Anmeldungsdatum: 24.10.2011
Beiträge: 119

BeitragVerfasst am: 26.05.2014 10:13    Titel: Re: optimale Temperatur / Sommerhitze Antworten mit Zitat

Ich kann auch nicht bestätigen, dass es drinnen wärmer bzw. genauso warm ist wie draussen - das kommt sicherlich auch auf die Situation an.

Als es vor etlichen Jahren über fast 2 Wochen täglich knappe 40 Grad hatte, habe ich die Kaninchen am späten vormittag nach drinnen geholt, denn drinnen hatte es "nur" ca. 28-30 Grad. Dort lagen sie den ganzen Tag auf den kühlen Fliesen im Treppenhaus. Das Problem war in dieser Zeit, dass die Luft draussen "gestanden" ist und kein Lüftchen ging, das war damals enorm. Man konnte selbst als Mensch in dieser Zeit nicht nach draussen, weil das nicht zum Aushalten war. Unser Hund musste bzw. wollte damals tagsüber auch drinnen bleiben und war nur am Hecheln.
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LG Una
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davX
Team


Anmeldungsdatum: 08.06.2004
Beiträge: 8511
Wohnort: Schweiz

BeitragVerfasst am: 26.05.2014 14:16    Titel: Re: optimale Temperatur / Sommerhitze Antworten mit Zitat

Ganz allgemein, draussen ist die Temperatur abhängig vom Standort, aber in der Regel mangels Isolation extremeren Schwankungen ausgesetzt. Drin bleibt es meistens länger kühl und wenn der Sommer länger heiss ist, kann die Hitze aber auch in der Wohnung bleiben und da kann es selbst unangenehm warm noch sein, wenn es draussen längst wieder regnete und abkühlte, die Temperatur sinkt dann nur langsam wieder.
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Andreas
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Anmeldungsdatum: 27.02.2009
Beiträge: 1228

BeitragVerfasst am: 26.05.2014 20:42    Titel: Antworten mit Zitat

Wenn wir von Standorten reden, meinen wir immer ein bestimmtes Mikroklima, also Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftbewegung etc. auf kleinstem Raum. Man kann eine Wohnung recht kühl halten, wenn man die Sonneneinstrahlung schon vor dem Fenster verhindert, geflieste Böden vorhanden sind, Kellerräume genutzt werden und so weiter. Viele Wohnräume verfügen aber auch über Laminat-, Parkett-, oder Kunststoffböden. Die abgestrahlte Körperwärme wird auf solchen Böden nicht abgeleitet, sondern gespeichert, auch auf Fliesen. Die sind zur Mauer hin gut isoliert, haben also nur einen kurzen Kühleffekt. Die Liegefläche erwärmt sich also mit der Zeit. Noch schlimmer ist es auf textilen Böden. Viele Wohnungsbesitzer versuchen durch raffinierte Lüftungstechniken die Wärme draußen zu halten. Wer sich mal auf einen Boden legt, merkt, wie es da teilweise "zieht".

Das ist alles nicht mit einem natürlichen Boden im Schatten vergleichbar. Dort wird die Wärme abgeführt und aus der Tiefe wird der Boden ständig nachgekühlt. Wenn etwas Wind weht, ist das nicht mit Zugluft vergleichbar, sondern eher angenehm, weil die Luft immer leicht verwirbelt wird. Außerdem geht von schattigen Böden immer eine gewisse Feuchtigkeit aus.

Was häufig geschildert wird, sind subjektive Empfindungen des Menschen, die aber nicht unbedingt etwas mit der Realität zu tun haben. Ich will da niemanden zu nahe treten, schließen müssen ja viele ihre Wohnungshaltung "verteidigen". Ist mir aber egal, ich bin eher an Fakten interessiert.

Wenn die Wohnungstemperatur "nur" 28-30°C bei einer Außentemperatur von 40°C hat, ist das für Tiere mit Fell und wenig Schweißdrüsen enorm viel. Deshalb ziehen sie sich in der Natur auch an schattige, kühle Orte (im Wald) oder in Baue zurück. In Australien oder Südeuropa wären Kaninchen in bestimmten Gebieten sonst gar nicht überlebensfähig. Orte, die immer im Schatten liegen bzw. die Böden dort heizen sich nicht so auf, wie Wohnräume. Selbst unsere Katzen verschwanden im Sommer irgendwo in der Umgebung, obwohl auch unsere Wohnung (für unser Empfinden) kühl war.

Als Landmensch ist es für mich z. B. immer erstaunlich, wenn ich im Sommer abends in eine Stadt komme - die Temperaturunterschiede sind zum Teil echt krass, weil sich die Gebäude tagsüber extrem aufheizen.

freundliche Grüße,
Andreas
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Andreas
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Anmeldungsdatum: 27.02.2009
Beiträge: 1228

BeitragVerfasst am: 26.05.2014 21:30    Titel: Antworten mit Zitat

Da fällt mir ein: Lina hat doch auch Ingenieurswissenschaften studiert - vielleicht kann sie noch was zu Wärmeleitzahlen von Materialien oder Verbundstoffen beitragen, so tief stecke ich da nicht im Thema Smile

Aber:

Die immer wieder erwähnten Fliesen bestehen aus gebranntem Ton und sind glasiert. Je nach Qualtität ist der poröse (enthält also Luft -> guter Isolator). Sie werden gelegt, indem eine Ausgleichs- und/oder Klebemasse zwischen Beton und Fliese aufgebracht wird. Die wirkt wie eine Sperrschicht, die die Wärmeleitfähigkeit negativ beeinträchtigt. Das führt dazu, das in der Fliese bis zu einem gewissen Grad die Wärme gespeichert wird.

Das ist der Unterschied zu einem natürlichen Boden, der außerdem noch Sand enthält. Dort ist die Schicht bis in die Tiefe homogen, also von gleichmäßiger Wärmeleitfähigkeit. Das bedeutet, dass Wärme schnell und gut abgeleitet wird, die Kontaktfläche also kühl bleibt. Man kann das auch berechnen, aber dafür fehlt mir schlicht die Zeit...

freundliche Grüße,
Andreas
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davX
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Anmeldungsdatum: 08.06.2004
Beiträge: 8511
Wohnort: Schweiz

BeitragVerfasst am: 27.05.2014 10:31    Titel: Re: optimale Temperatur / Sommerhitze Antworten mit Zitat

Maschinenbau Wink.

Mikroklima ist ein gutes Stichwort.
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Noraja
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Anmeldungsdatum: 25.04.2010
Beiträge: 665
Wohnort: Schweiz

BeitragVerfasst am: 27.05.2014 21:11    Titel: Antworten mit Zitat

Maschineningenieurwissenschaften hiess das Very Happy Wink


das Thema ist aus meiner Sicht nicht auf Wärmeleitung reduzierbar. Ich schätze es so ein, dass die Kühlung und Aufheizung über die Luft (Konvektion) und das Abkühlen der Umgebung durch verdunstendes Wasser eine wesentliche Rolle spielen. Und der Wärmeeintrag durch Strahlung könnte auch eine Rolle spielen.

Mein Bauchgefühl ist da etwas überfordert, ich kann so spontan gar nicht sagen, ob es drinnen oder draussen besser ist. Ich vermute stark, dass es keinen klaren Sieger gibt und es sowohl drinnen als auch draussen angenehmer sein kann für das Tier, je nach dem, was man für Randbedingungen hat (Wärmeleitungszahlen, Temperatur, Luftgeschwindigkeit, Grösse der Oberflächen, Tierart, ....). Aber da es mich auch interessiert, was rechnerisch herauskommt, werde ich vielleicht doch mal Zahlen zu beosrgen und zu schauen, was rechnerisch dabei herauskommt.




Voerst mal einige allgemeine Gedanken zum Thema mit Beispieltier Kaninchen, da ich zuwenig über Meerscheinchen, Hamster, Degu und Co. weiss.

- Die Windgeschwindigkeit spielt eine nennenswerte Rolle. Je schneller die Luft einem umstörmt, desto stäker wird der Wärmeübergang.
Im Normalfall - wenn die Luft kühler ist als der Körper - fühlt sich die Umgebung mit Wind kühler an als ohne, da die Körperwärme/Bodenwärme schneller an die Luft abgegeben wird.
Umgekehrt hat man das Phänomen auch, wenn die Luft sehr warm ist, überträgt sie ihre Wärme bei höheren Luftgeschwindigkeiten auch besser auf den Körper.

- Die Feuchtigkeit der Umgebung ist wichtig. Wasser, das verdampft, entzieht der Umgebung Wärme und das nicht wenig. solange etwas Feucht ist, kann einiges an Wärmeenergie durch dieses Phänomen abgeführt werden.

- Die Tierart ist ebenfalls wichtig. Wir Menschen nutzen zu einem rechten Teil die Verdunstungskühlung (wenn Schweiss auf der Haut verdampft, entzieht er der Umgebung einiges an Wärme) um uns kühlzuhalten.
Hunde nutzen den Effekt an der Zunge.
Kaninchen lassen in ihrer Nase bestimmt auch Feuchtigkeit verdampfen, das dürfte allerdings nicht wesentlich zur Abkühlung beitragen. Durch das Verdampfen können wir Menschen unsere Körpertemperatur auch halten, wenn die Umgebung wärmer ist als der Körper. Ich vermute, dass dass Kaninchen nicht könnten.

Für ein Kaninchen ist eine windstille, feuchtwarme Umgebung wahrscheinlich auch unangenehmer als eine weniger feuchte Umgebung, schon weil sich die Umgebung weniger rasch abkühlt, wahrscheinlich ist der "es-ist-so-schwül"-Effekt für ein Kaninchen deutlich kleiner als für einen Menschen.

Ich hab mich bisher noch nie mit Literatur damit befasst, wie Kaninchen genau ihre Körpertemperatur regulieren. Aufgrund der Beobachtungen an meinen Tieren vermute ich, dass sie zum einen die Stoffwechslebedingte Wärmeproduktion minimieren, in dem sie sich zurückziehen und möglichst nicht mehr bewegen und zum anderen, werden die Ohren bei Hitze besonders gut durchblutet. Durch die Ohren fliesst das Blut sehr oberflächennah. Meine Kaninchen sassen im Sommer höchst selten im selbst gegrabenen Bau, sondern lieber ausserhalb in einer schattigen Erdkuhle. Ich habe die Vermutung, dass sie versuchen, sich an schattige, feuchte Stellen mit Wind setzen, denn dort bläst ihnen verdunstungsgekühlte Luft um die Ohren und kühlt das Blut darin. In einem Bau mit nur einer Öffnung, wie es derjenige war, den meine Kaninchen anlegten, weht ja kaum ein Luft.

Zudem sind sind Kaninchen durch ihr Fell nicht nur vor Kälte, sondern auch vor Hitze isoliert. Zwischen der Umgebungsluft und der Haut wird sich im Fell eine isoliernede Luftschicht ausbilden, die in hautnahen Regionen beinahme Hauttemperatur hat, wodurch sich Kaninchen nur langsam auheizen.


- Ob Fliessen kühlen oder Warmhalten hängt davon ab, wie gross die freie Oberfläche des Bodens in der Nähe ist wie kühl und bewegt die Luft in dem Raum ist, ob eine Bodenheizung eingebaut ist, was an Trittschalldämpfung und Isolation drunter gebaut wurde, ect.
Wenn der Raum einigermassen Kühl ist, kann die Wärme vom Tier weg, in die Fliessen fliessen und vo da via Wärmeleitung in die weitere Umgebung, via Konvektion an die Luft und überallhin in den Raum, da dürften sie schon kühlen. Zumindest ein bisschen, denn Kaninchen haben ja doch einiges an Fell.

Wenn die Fliessentemperatur unter dem Kaninchen gegen 40°C geht, weil die Wärme kaum wegkommt (z.B. weil es ungewöhnlich warm ist, oder die Fliessen solceh sind, die die Wärme schlecht leiten) funktioniert das nicht mehr. Dann spielt es keine Rolle, ob sich das Tier auf eine Decke legt oder auf die Fliessen.
Und wenn die Fliessen wärmer sein sollten, als das Kaninchen (durch die Köerpwäre eines Kaninchen ist der Zustand nicht erreichbar...da muss schon die Sonne nachhelfen und draufbrennen), dann wärmen diese sogar.

Wenn die Masse entsprechend gross ist, dann noch viele Stunden nach der Bestrahlung. Die sehr beliebten Gehwegplatten in Kaninchengehege kühlen am Vormittag und halten die Kaninchen dafür abends lange warm.
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BeitragVerfasst am: 30.05.2014 11:57    Titel: Re: optimale Temperatur / Sommerhitze Antworten mit Zitat

Einige der hier erwähnten Aspekte habe ich auch schon gedanklich mir überlegt.

Allerdings denke ich nicht, dass man die Frage ob drin oder draussen besser sein von den Temperaturen, dass man das so allgemein beantworten kann. Gerade in der Wohnung kann man sehr ungünstige Konstellationen haben, welche die Haltungsbedingungen verschlechtern, man kann aber auch auch ein deutlich ausgeglicheneres Klima haben, was einerseits vorteilhafter erscheinen mag, andererseits kann man sich aber auch fragen, ist es nicht auch gut für das Tier, wenn es frische Luft, Wind, Regen usw. spüren kann und vor allem auch die Sonnenstrahlung (UVB)? Ist es nicht die Kombination aus dem Wetter draussen und einer guten Rückzugsmöglichkeit, welche ein vorteilhaftes Mikroklima schafft, ähnlich wie in einer guten Wohnung in Innenhaltung aber trotzdem die Möglichkeit offen hält, dass das Tier raus kann und zwischendurch auch muss, z.B. zum Fressen und so der Kreislauf im Schwung bleibt, das Immunsystem sich stärkt usw.?

Die systematische Näherung jetzt auch mit den physikalischen Überlegungen finde ich aber dennoch ein sehr interessanter und durchaus auch fruchtbarer Ansatz, um das Thema nicht so einseitig zu behandeln... es sind da viele neue und anregende Überlegungen dabei.

Zum Beispiel die Sache mit den Gartenplatten/Fliesen gefällt mir auch sehr gut. Das Konzept, dass Steine Wärme speichern und dann während der kühlen Nachtzeit an die Umgebung wieder abgeben.

Ein Aspekt könnte man aber noch ergänzen, den ich letzthin bei Karl von Frisch fand. Die Ameisen bauen unter anderem auch wegen der Wärmenutzung Ameisenhügel, weil sie so die Fläche besser nutzen. Ein flacher Bau würde nur sehr wenig Sonnenstrahlung einfangen. Mit dem Hügel nehmen sie noch all die Strahlung der Fläche, die hinter ihrem Hügel einen Schatten wirft, je länger der Schatten (sprich je tiefer die Sonne), desto besser die Sonnennutzung! Eigentlich ganz simpel die Sache, aber ohne den Augenöffner von von Frisch wäre ich da nie darauf gekommen. Das Prinzip haben wir auch beim Anbau von Pflanzen in den Bergen, sonnige Hänge bekommen mehr Sonne als im Flachland und die Pflanzen können ein intensiveres Aroma entwickeln (z.B. Bergkräuter). Und ich könnte mir vorstellen dass auch der Nährwert besser ist. dazu kommt, dass die höhere Lage es auch ermöglicht, wenn Nebel das Tiefland bedeckt, dass immer noch die Sonne scheint.

Für das Aussengehege sind diese Überlegungen insofern interessant und womöglich auch von Bedeutung, dass ein Gehege mit ausgeprägterer Hügellandschaft vielseitigere Mikroklimata ermöglicht und die Tiere somit mehr Wahl haben bei der Suche nach einem Plätzchen, das ihnen passt. Der Nachteil ist, dass gerade Laufwege bei knappem Platz schwieriger werden und man da einen sinnvollen Kompromiss suchen muss, der beides berücksichtigen kann.

edit:
Noch etwas, auch beim Tier ist die Grösse von Bedeutung, je grösser das Tier desto länger bis es warm/überhitzt wird und je länger bis es kühl hat oder unterkühlt... sprich kleine Tiere müssen mehr Energie aufwenden für ihre Thermoregulation.

es gibt ferner auch einige Studien zum Thema Thermoregulation z.B. von Degus oder Kurzschwanzchinchillas:

Bozinovic et al. 2000: Time and energy use under thermoregulatory constraints in a diurnal rodent
ftp://146.83.237.38/eng/focus/people_focus5/pdf/Bozinovic_et_al_2000_JThermalBiol.pdf

Cortés et al. 2003: Energy metabolism and thermoregulation in Chinchilla brevicaudata. Journal of Thermal Biology 28(6-7): 489–495.
http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0306456503000494
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BeitragVerfasst am: 04.07.2015 12:56    Titel: Antworten mit Zitat

Ich will kurz berichten, wie es meinen Kaninchen heute bei der Bullenhitze geht...

Es geht ihnen sehr gut, denn ich habe ihnen vorhin, nachdem ich panisch nach Lösungen für heute gesucht hab, zwei ca 10-15cm tiefe Erdkuhlen im Garten ausgehoben, jeweils Platz für zwei Hasies. Darüber nur so ein Holzdach.

Ich kann nur bestätigen, was Andreas schrieb. Darin werden sie gut gekühlt und es weht immer irgendein Lüftchen. Sie fressen gut und atmen völlig normal. Die letzten Tage hatte ich sie meistens im Zimmer. Aber gestern war das schon nicht mehr so prickelnd für sie, und heute mußte ich mir was einfallen lassen. Hatte dann nochmal diesen Thread gelesen und daraufhin hab ich mir den Spaten geschnappt...

Ich bin so beruhigt, es funktioniert wunderbar. Hier und da wird noch was gebuddelt und ausgebessert, und wenn ich Hasenkontrollgang mache, dann schauen sie mich richtig frech aus der Kuhle an. So soll´s sein...

Einfach, aber effektiv!
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Hasilein
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Anmeldungsdatum: 12.01.2012
Beiträge: 158

BeitragVerfasst am: 04.07.2015 12:57    Titel: Antworten mit Zitat

Ich will kurz berichten, wie es meinen Kaninchen heute bei der Bullenhitze geht...

Es geht ihnen sehr gut, denn ich habe ihnen vorhin, nachdem ich panisch nach Lösungen für heute gesucht hab, zwei ca 10-15cm tiefe Erdkuhlen im Garten ausgehoben, jeweils Platz für zwei Hasies. Darüber nur so ein Holzdach.
(Darüber spenden Thujas bis Vormittag Schatten, und gegen die Sonneneinstrahlung hab ich Schirme aufgestellt.)

Ich kann nur bestätigen, was Andreas schrieb. Darin werden sie gut gekühlt und es weht immer irgendein Lüftchen. Sie fressen gut und atmen völlig normal. Die letzten Tage hatte ich sie meistens im Zimmer. Aber gestern war das schon nicht mehr so prickelnd für sie, und heute mußte ich mir was einfallen lassen. Hatte dann nochmal diesen Thread gelesen und daraufhin hab ich mir den Spaten geschnappt...

Ich bin so beruhigt, es funktioniert wunderbar. Hier und da wird noch was gebuddelt und ausgebessert, und wenn ich Hasenkontrollgang mache, dann schauen sie mich richtig frech aus der Kuhle an. So soll´s sein...

Einfach, aber effektiv!
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Andreas
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Anmeldungsdatum: 27.02.2009
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BeitragVerfasst am: 04.07.2015 18:31    Titel: Antworten mit Zitat

Hasilein hat Folgendes geschrieben:
...daraufhin hab ich mir den Spaten geschnappt...

So muss Kaninchenhaltung...!!! Smile

freundliche Grüße,
Andreas
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