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Piratenpartei und Tierschutz
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davX
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Anmeldungsdatum: 08.06.2004
Beiträge: 8528
Wohnort: Schweiz

BeitragVerfasst am: 28.04.2015 01:28    Titel: Re: Piratenpartei und Tierschutz Antworten mit Zitat

Nur kurz:
Zitat:

David, Du würdest den Typen wahrscheinlich einen Immobilienhai nennen. Wie hat der das noch mal gemacht?:

Nö. Das Wort Immobilienhai verwende ich kaum und wenn ich lese, dass das Bankenwesen offenbar nicht der richtige Ort für ihn war, sagt das doch auch was über seinen Charakter aus... mir gefällt dass er in Branchen sich engagierte, bei denen man noch weiss was Arbeit ist (Automobilbranche und je nach dem wenn man es seriös macht so bringt auch das Immobiliengeschäft viel Arbeit mit, mit der ganzen Instandhaltung).

Zitat:

Zitat:

Der Erfolg der Büyükarslans zeigt, dass Integration gelingt, wenn die Leistungsbereitschaft groß ist.

Leistungsbereitschaft? Hä? Scheiße, wat is dat denn? Wo man Geld vom Amt holen tut?

Natürlich muss jeder von uns was leisten. Wer in ein fremdes Land zieht muss natürlich entsprechend einen deutlich höheren Aufwand erbringen für eine erfolgreiche Integration. Für die Alteingesessenen ist die Integration (zwar nicht immer aber oft) einfacher, auch wenn es solche gibt, die sich auch nach 20 oder 40 Jahren immer noch nicht damit abfinden können, dass die Einwanderer, die wir als Arbeitskräfte geholt haben, letztlich auch unsere Kultur mit beeinflussen und prägen, bis in ein paar Generationen ihre Nachkommen so gut in die Gesellschaft integriert haben, dass niemand mehr sie als Ausländer ansehen würde (dafür gibt es wiederum neue Immigranten, die zu kämpfen haben mit der Akzeptanz der Bevölkerung).
Und nur schon eine fremde Sprache zu lernen ist eine grosse Leistungsbereitschaft und ein wichtiger Schritt in der Integration. Beruflicher Erfolg ist natürlich ein weiterer wichtiger Aspekt, denn ohne Arbeit gibt es in der Regel auch keine Aufenthaltsbewilligung.
Ich finde beim Thema Einwanderung auch das Beispiel der Deutschen in Chile interessant, weil es vermittelt den Eindruck von der anderen Seite oder etwas weniger extrem, die Deutschen, die in Spanien sich niedergelassen haben. Wer herumreist, der weiss vielleicht was ich meine. Ich war mich jedenfalls jeweils froh, dass es Leute gab, die Deutsch können und das Knüpfen von Kontakten vereinfachen. Wer aber erfolgreich sein will, der muss die Sprache können, muss zur einheimischen Bevölkerung Kontakte knüpfen können und muss auch im Beruf Erfolg haben...

Zitat:

Geht schon in der Schule los: der Druck darf nicht zu groß sein, die lieben Kleinen erleiden sonst einen Schaden oder gar einen Burn out. Keine Zensuren, weil unmenschlich und keine Hausaufgaben, weil ja noch Zeit fürs Spielen sein soll. Kein Wunder, dass die Firmen klagen, sie bekämen teilweise Azubis, die nicht mal richtig rechnen können. Wenn der Lehrer schimpft, rückt die gesamte Familie nebst Anwalt an und stellt klar, dass das liebe kleine Arschloch gefälligst gut zu bewerten sei.

Da hätte man sich aber früher überlegen sollen, wohin die Reise geht. Man hat freizügig Werte geopfert und wundert sich nun, dass da nichts mehr rauskommt. Und nicht zu unterschätzen der ganze Einfluss der Medien auf die heutigen Kinder. Wir hatten keinen Fernseher, sondern spielten noch draussen, im Wald auf den Wiesen, am Bach usw.
Viele Eltern jedoch glauben, dass sie nicht genug Zeit für ihre Kinder haben und ihnen nicht gut genug sind und überhäufen sie dann mit Unmengen an Spielsachen, setzen ihnen kaum Grenzen, usw. tun ihnen aber damit letztlich keinen Gefallen. Was rauskommt sind kleine Prinzessinnen und Haustyrannen, die alles bekommen, wenn sie lange genug trotzen und keinen Finger krümmen müssen. Diese Mentalität führen sie dann in der Schule fort mit den entsprechenden Folgen... Muss man sich da noch über irgendwas wundern?

Zitat:

Wenn das kleine Arschloch schließlich groß und erfolgreich Hartzer geworden ist, wird dann die Kluft zwischen Arm und Reich bejammert. Deutschland ist schuld, nie man selbst.

Darum gehts doch gar nicht. Natürlich gibt es solche Menschen auch, wie es Leute gibt, die meinen dass die Tierhaltung eine der grössten Todsünden der Menscheit wäre und dass man Tiere nicht nutzen dürfte... und dann gibt es noch solche und andere Menschen. Man kann ihnen Aufmerksamkeit schenken, muss aber nicht.
Das soll aber nicht davon ablenken, dass in letzter Zeit in unserer Gesellschaft die Probleme sich zuspitzen. Die oben beschriebenen "Arschlöcher" gab es immer, man nannte sie nur anders, Taugenichtse, Versager, Träumer, Vatersöhnchen (Beruf Sohn), "Künstler"...

Zitat:

Es sind immer die anderen und die Umstände für das eigene Scheitern verantwortlich. Vor allem ist es natürlich die mangelnde Solidarität der Gesellschaft, die Deutschland zur Armutshölle macht.

Es geht hier jedoch nicht um das eigene Scheitern, sondern darum, dass für die Mehrheit immer weniger bleibt und der Aufstieg schwieriger wird.

Zitat:

Außerdem die Krise, die Banker, die Immobilienhaie, die Globalisierung, Gentrifizierung, Klimaänderung, Sarrazin ...

Und wenn man genauer hinschaut, dann ist das meiste direkt oder indirekt miteinander verbunden.
Es hat letztlich damit zu tun, um auf mein Beispiel im vorherigen Posting zurückzukommen, dass der Bürgermeister immer mehr haben wollte, bzw. die Gesellschaft sich in eine Richtung entwickelte, dass er immer mehr fordern konnte, bis er von seinem einen Fisch auf die Tausend kam. Oder anders ausgedrückt, durch die Entfremdung der Naturalien und der Tauschwirtschaft, welcher unsere moderne Wirtschaft eigentlich zugrundeliegt, ist es erst zu den heute vorhandenen Perversionen gekommen.
Und wenn man es unter diesem Blickwinkel betrachtet, dann ist einer, der in einer ausgeglichenen Gesellschaft sich besonders eifrig verhält und viel mehr tut als die Anderen, statt einem Fisch 50 Fische aufs Mal fängt, in seinem Verhalten vielleicht nicht unbedingt besser. Die natürliche Tauschwirtschaft korrigiert aber sowas, so wie das eben auch die Natur tut: die vielen Fische, die er nicht essen kann, werden schlecht, er müsste sie also konservieren und bräuchte dafür Platz zum Lagern und wenn er viel zu viel hat, wäre der Aufwand umso grösser die Vorräte gegen Vorratsschädlinge und vielleicht auch durch Plünderung von rivalisierenden Clans zu schützen usw. es gibt da letztlich ein Kosten-Nutzen-Verhältnis, das sich in so einem naturnahen System von selbst auf einem sinnvollen Niveau regulliert. Der Mensch gehörte eigentlich auch in die Natur und sollte sich von den Regulierungsmechanismen der Natur sich leiten lassen... aber eben seit der ganzen Entfremdung von der Natur durch den technischen Fortschritt kümmert ihn das wenig und wird ihn vielleicht erst dann zu kümmern haben, wenn es schon fast zu spät ist und er sich seine eigene Lebensgrundlage nachhaltig zerstört hat... die Natur muss sicher nicht ihretwegen geschützt werden, die kommt mit dem Menschen zurecht, erholt sich wieder, aber das was wir Umweltschutz nennen, das ist in Tat und Wahrheit Selbstschutz, der Versuch, dass wir uns nicht direkt ins Verderben stürzen mit unserem kopflosen und kurzsichtigen Handeln.
Ein grosses Problem, das viele auch verleugnen ist das enorme Bevölkerungswachstum der letzten Jahrunderte. Es ist ein Tabuthema, aber doch wenn man sich mit grossen Biologen, Zoologen und Ökologen beschäftigt, die etwas von der Materie zwangsläufig verstehen, dann zieht es sich wie ein roter Faden durch diese Reihen, dass sehr viele vor dem Problem der Überbevölkerung warnen. Und auch hier haben wir wieder die Leistungsbereitschaft, wenn auch in einem Bereich der heute eher negativ behaftet ist: der menschlichen Reproduktion (viele Kinder zu haben ist heutzutage glücklicherweise verpönt).

edit:
Zitat:

Als ich bei meinen Eltern auszog, hatte ich keine Waschmaschine (zählt heute zur Erstausstattung/Ersatzbeschaffung vom Amt!), lediglich eine geerbte Schleuder, die immer durchs Bad hüpfte, wenn ich sie falsch vollgepackt hatte. Kaffee habe ich mit der Hand gemahlen und türkisch getrunken. Zur Arbeit gings mit dem Radl. Erst nach und nach kamen die Annehmlichkeiten, die für viele "Bedürftigte" heute zum bezahlten Lebensstandard gehören. Ihr dürft nicht nur das glauben, was andere wie Claudia Roth ständig herbeten. Die Realität ist schon etwas anders.

Wo ist da jetzt das Problem? Ich kenne das durchkommen müssen mit sehr wenig Geld. Ich musste mir lange Zeit selbst das Geld von den Fingern absparen, gönnte mir kaum Luxus... aber ich sehe das jetzt nicht als etwas Negatives, im Gegenteil, sowas prägt fürs Leben, solange man nicht bei Gesundheit oder so sparen müsste.
Wenn man jung ist kann man sowas machen und ich denke, wenn Kinder lernen mit wenig Geld auszukommen, dann ist das gut. Wenn aber eine junge Familie nicht weiss, wie sie über die Runden kommen soll, dann ist das was anderes. In einem Punkt gebe ich dir aber recht, es muss nicht immer unbedingt finanzielle Hilfe sein, oft fehlt es nur schon daran zu erkennen, dass es auch andere Möglichkeiten gibt, gerade wenn die finanzielle Not noch nicht so gross ist. Da hat zum Beispiel der Lebensstil eine wichtige Bedeutung. An Essen kommt man beispielsweise mit den richtigen Kontakten für wenig Geld. In Deutschland gibt es Organisationen wie Foodsharing oder dann auch Initiativen von Leuten, die Containern gehen. Da kommt eine Menge zusammen, was einfach weggeworfen wird, aber noch gut wäre. Und auch in anderen Bereichen gibt es eine Reihe von Möglichkeiten. Bibliotheken sind beispielsweise da zum Teil auch ein wichtiger Faktor, indem sie kostengünstig Zugang zu Wissen schaffen... usw.
Und selbst beim Reisen kann man recht Geld sparen, wenn man es geschickt macht... gewisse Dinge bleiben aber da dennoch Luxus, Langstreckenflüge sind teuer und so manche Luxusdestination erfordert halt auch ein relativ üppiges Finanzbudget.

Was bei der Armut oft noch stärker wiegt als das fehlende Geld, das sind psychische Probleme und oft hängt das zusammen, sprich wenn jemand wieder einen guten Job hat und das Gefühl hat, dass er gebraucht wird, geht es wieder aufwärts mit der Psyche. Gerade in Westeuropa definieren wir uns stark über unsere Arbeit und da kann eine gute Arbeit viel zum Wohlbefinden und zur Leistungsbereitschaft beitragen.

PS: Notiz an mich selbst, gewisse Themen scheinen sich zu wiederholen: Kommunismus und Medien
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Anmeldungsdatum: 27.02.2009
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BeitragVerfasst am: 30.04.2015 20:28    Titel: Re: Piratenpartei und Tierschutz Antworten mit Zitat

davX hat Folgendes geschrieben:
Natürlich muss jeder von uns was leisten.

So, und da könenn wir es jetzt auf den Punkt bringen Smile :

Nein - in Deutschland muss man nichts leisten. Das ist ja das, was ich mit (zu) vielen Worten versucht habe, zu erklären.

Es sind keine Leistungen nötig, um in Deutschland eine Grundversorgung zu erhalten, und diese Grundversorgung hat ganz sicher nichts mit Armut zu tun. Das weiß man mittlerweile sogar weltweit...

Edit um 21:37 Uhr
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davX
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Anmeldungsdatum: 08.06.2004
Beiträge: 8528
Wohnort: Schweiz

BeitragVerfasst am: 30.04.2015 21:51    Titel: Re: Piratenpartei und Tierschutz Antworten mit Zitat

Zitat:

Nein - in Deutschland muss man nichts leisten.

Also dann zäumen wir die Sache nochmals auf:
- Du hast geschrieben von einem Beispiel von einem Ausländer der es über Banking und andere Tätigkeiten ins Immobilienbusiness geschafft hat.
- Ich habe darauf hin geschrieben, dass für eine erfolgreiche Integration eine hohe Leistungsbereitschaft da sein muss.
- Daraufhin dein Einwand was denn Leistungsbereitschaft sei.
- Ich habe daraufhin nochmals bekräftigt, dass eben die Integration mit Leistung verbunden ist. Und ich bleibe dabei, auch in Deutschland. Integration heisst Akzeptanz, heisst eine fremde Sprache zu lernen (=Aufwand), heisst sich an das neue Umfeld anzupassen und Kontakte zu knüpfen etc.

Natürlich kannst du jetzt mit dem Einwand kommen, dass es Leute gibt, die passen sich nicht an etc. und die leben vielleicht auch in einer Umgebung, in der alle nicht angepasst sind. Aber dann ist das ein Problem vom Staat und bis zu einem gewissen Grad auch von der Gesellschaft. Wenn es extrem kommt, dann hat man irgendwann ähnliche Zustände wie in den französischen Banlieues. Aber da hat die Integration versagt, die Gesellschaft und der Staat. Dass eine ganze Generation vom "Hartzen" lebt hat zudem nicht nur was damit zu tun, dass man zu faul ist, sondern auch mit Perspektivelosigkeit und Gewohnheit. Wenn die Eltern schon rumgammeln und nichts tun, was haben die Kinder für andere Vorbilder, die es ihnen besser vorleben könnten? Im Normalfall kennen sie nichts anderes. Wenn sie Glück haben, dann haben sie vielleicht Bekannte, die einen geregelten Alltag und einen Job haben und die sie als Vorbild nehmen. Es braucht aber viel Selbstdisziplin und Motivation, um aus sowas rauszukommen. Es ist machbar ja, da gibt es genug Beispiele zum Beispiel von Rapper, die in der Banlieue aufgewachsen sind, in einer trostlosen Umgebung ohne Perspektive, in der Diebstahl und Betrügereien und Drogendelikte lohnender und mehr angesehen sind als eine anständige Arbeit. Aber es gibt immer wieder Leute, die schaffen es, da rauszukommen, gerade die Musik scheint einigen Halt zu geben und eine grosse Hilfe für den Ausstieg. Dazu kommt eben auch der finanzielle Erfolg, wenn sie es vom Underground mal schaffen zu einem grossen Major Label, eröffnet es ihnen ganz neue Perspektiven.
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Anmeldungsdatum: 27.02.2009
Beiträge: 1228

BeitragVerfasst am: 01.05.2015 13:12    Titel: Antworten mit Zitat

davX hat Folgendes geschrieben:
Aber da hat die Integration versagt, die Gesellschaft und der Staat. Dass eine ganze Generation vom "Hartzen" lebt hat zudem nicht nur was damit zu tun, dass man zu faul ist, sondern auch mit Perspektivelosigkeit und Gewohnheit.

Ja, sag ich doch: die anderen sind schuld, nie man selbst. Es sind die Gesellschaft und der Staat, die einem das Leben versauen. Schulpflicht, ein (noch) funktionierendes Sozialsystem, Ämter, in denen Mitarbeiter teilweise unter Lebensgefahr versuchen, Jobs zu vermitteln - alles Scheiße. No future. Die Gesellschaft? Ganz, ganz schlimm - nur mit Beseballschlägern unterwegs, keine helfende Hand, nichts... (ist Sarkasmus pur, ich weiß, aber was anderes fällt mir nicht ein)

Als ein Beispiel nehme ich mal die Stadt, in der ich arbeite. Rastatt liegt südlich von Karlsruhe und grenzt direkt an den Elsass:
"Am Jahresende 2012 hatten insgesamt 19.458 Rastatter Einwohner einen Migrationshintergrund. Das entspricht 41,02 % der Gesamtbevölkerung von 47.437. Nur über eine ausländische Staatsbürgerschaft (Ausländer) verfügten 6.332 Personen (13,3 % aller Einwohner). Die Zahl der Bewohner mit Migrationshintergrund ist damit seit 2008 um 1.954 Personen (+11,2 % ) angestiegen. Auch in den kommenden Jahren ist mit einem weiteren Anstieg des Migrantenanteils an der Gesamtbevölkerung zu rechnen. Dieser wird einerseits aus einem weiteren Zuzug resultieren, der vor allem im Hinblick auf den Bevölkerungsrückgang im Zuge des demografischen Wandels auch gewünscht ist. Außerdem weisen die Geburtenstatistiken darauf hin, dass der Anteil der Geburten von Migranten ihren Anteil an der Bevölkerung übersteigt.[...] Im Rahmen der Grundsicherung erhalten erwerbsfähige Leistungsberechtigte Arbeitslosengeld II. Die mit ihnen in einer Bedarfsgemeinschaft lebenden nicht erwerbsfähigen Haushaltsangehörigen –vor allem Kinder- erhalten Sozialgeld. Zur Vermeidung von Ausgrenzung und Benachteiligung haben Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene unter 25 Jahren daneben noch Anspruch auf Leistungen für Bildung und Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben in der Gemeinschaft, bspw. für Mittagsverpflegung in Kindertageseinrichtungen und Schulen, Klassenfahrten, Nachhilfe, Musikunterricht.
[...]
Im Dezember 2012 lebten in Rastatt 3.183 Personen in 1.678 Bedarfsgemeinschaften von Leistungen nach dem SGB II, d.h. 6,8 % der Rastatter Bevölkerung stellte ihren Lebensunterhalt ganz oder teilweise mit Hilfe dieser staatlichen Transferleistung sicher. In Baden-Württemberg betrug die Hilfequote in diesem Zeitraum lediglich 4,8 %, im gesamten Landkreis Rastatt 3,35 %.[...]Die Leistungsbezieher unterteilen sich zu 70 % in erwerbsfähige Leistungsberechtigte mit Bezug von Arbeitslosengeld II und zu 30 % in nicht erwerbsfähige Hilfebedürftige, die Sozialgeld bezogen.
Quelle: http://www.rastatt.de/fileadmin/Stadt_Rastatt/Inhalte/Bildung_und_Soziales/Sozialbericht_2014_Layout.pdf [/quote]

Die Zahlen stammen aus 2012, das heißt, heute dürften wir bei einem Anteil von ca. 50% von Personen mit Migrationshintergrund in Rastatt reden (Anstieg zwischen 2008-2012 um 11%).
Wer hier von Integrationsunwilligkeit der deutschen Bevölkerung und einem Versagen der deutschen Gesellschaft und des Staates reden will, lebt auf einem anderen Stern. Die Kriminalitätsstatistik ist aus Gründen der Political Corectness und artiger, deutscher Selbstzensur geschönt. Auswertungen gibt es nur noch auf der Basis "deutsch" und "nichtdeutsch". Das heißt, Personen mit Migrationshintergrund und deutschem Pass werden unter "deutsch" erfasst Smile . Der Anteil der "nichtdeutscher Tatverdächtigen" liegt in Rastatt trotzdem immer noch bei 32,3% (bereinigt um die Straftaten, die nur von Ausländern begangen werden können). Krass.
(Quelle: http://www.polizei-bw.de/Dienststellen/PPOffenburg/Statistiken/2014-02-19%20PKS%20PP%20Offenburg.pdf )

Nur mal so als Vergleich der Anzahl von Migranten in Berlin:
"Die Anzahl der Einwohnerinnen und Einwohner mit Migrationshintergrund (Deutsche mit Migrationshintergrund, Ausländerinnen und Ausländer) stieg in diesem Zeitraum um 40 995 auf 949 183 Personen. Damit lag der Anteil der Einwohnerinnen und Einwohner mit Migrationshintergrund an allen Einwohnern Berlins bei 27,4 Prozent."
http://www.in-berlin-brandenburg.com/Berliner/auslaender.html

Für Deutschland lasse ich das Unwort "Perspektivlosigkeit" nicht gelten. Die verschiedensten Beispiele aus Politk und Wirtschaft strafen das Wort Lügen. Egal welcher Abstammung, wer will, der kann auch. Weiteres Beispiel: Bilkay Öney, Integrationsministerin von Deutschland. Man lese und staune, was Öney für eine Meinung vertritt:
http://www.focus.de/politik/deutschland/spd-politikerin-bilkay-oeney-integrationsministerin-fuer-grenzkontrollen-gegen-fluechtlinge_id_4649076.html

Ich behaupte nicht, dass es bestimmte Personengruppen einfach haben, aber wer wirklich will, schafft auch etwas. Wer nicht will, stürzt deswegen aber nicht in bittere Armut ab, sondern kann sich nur weniger Luxus leisten.
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davX
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Anmeldungsdatum: 08.06.2004
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BeitragVerfasst am: 03.05.2015 01:24    Titel: Re: Piratenpartei und Tierschutz Antworten mit Zitat

Zitat:

Die mit ihnen in einer Bedarfsgemeinschaft lebenden nicht erwerbsfähigen Haushaltsangehörigen –vor allem Kinder- erhalten Sozialgeld. Zur Vermeidung von Ausgrenzung und Benachteiligung haben Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene unter 25 Jahren daneben noch Anspruch auf Leistungen für Bildung und Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben in der Gemeinschaft, bspw. für Mittagsverpflegung in Kindertageseinrichtungen und Schulen, Klassenfahrten, Nachhilfe, Musikunterricht.

Das ist ja schön und gut, nur bezweifle ich, dass das mehr bewirkt, als blosse Symptompolitik. Gerade wenn die Eltern Bildung gering schätzen und das familiäre Umfeld, in dem die Kinder aufwachsen für sie nicht förderlich ist (was oft im Kontext mit Arbeitslosigkeit und Hartz IV noch gefördert wird), da kann man lange noch versuchen diese Defizite über finanzielle Anreize zu verbessern. In der Mehrheit der Fälle wird es wohl genau gar nichts bringen. Alternativen? Man könnte die Kinder von den Eltern wegnehmen, in ein Heim stecken. Wobei auch da kann man Probleme sich einhandeln. Problemkinder unter sich, Drogenhandel, Delikte und Erziehungspersonal, das mit solchen Kindern stark gefordert wird, ist sicher auch keine einfache Mischung. In manchen Fällen aber hilft es. Pflegefamilie ist da unter Umständen die bessere Lösung... ich kenne selbst einen Fall aus meiner nahen Verwandtschaft, bei dem durch die Verwandtschaft eingegriffen und auf die Kinder geschaut wurde. Dabei kam längst nicht alles gut heraus. Ohne die Gesellschaft wäre es aber wohl noch schlimmer herausgekommen (und um es vorwegzunehmen, es ging hierbei nicht um Personen mit MIgrationshintergrund, lediglich um Eltern, die mit der Kindererziehung und teilweise mit ihrem eigenen Leben überfordert waren).
Eine andere Möglichkeit wäre das Internatsleben, wobei man sich da natürlich fragen muss, ob der Kompromiss sinnvoll ist, denn für Kinder aus einem guten familiären Umfeld denke ich ist ein Internat eher ein Rückschritt, für Kinder aus schwierigen familiären Verhältnissen könnte es eine Chance sein, solange die Klassen eine gesunde Mischung haben und Kinder aus problematischem Umfeld nicht dominieren können. Ich sehe das daher eher skeptisch...

Zitat:

Ich behaupte nicht, dass es bestimmte Personengruppen einfach haben, aber wer wirklich will, schafft auch etwas. Wer nicht will, stürzt deswegen aber nicht in bittere Armut ab, sondern kann sich nur weniger Luxus leisten.

Meine Meinung ist halt immer noch, wer aus einem demotivierenden Umfeld kommt, für den ist der Ausstieg ungleich schwerer. Die Motivation muss erst geweckt werden, erstens durch die Erkenntnis, dass man etwas ändern kann, ja dass vielleicht nur kleine Veränderungen mit nicht so viel Aufwand möglich sind. Letztlich geht es aber dann immer auch um Vorbilder, die inspirieren das eigene Leben in die Hand zu nehmen und auch etwas aus dem eigenen Leben zu machen. Dabei spielt der familiäre Hintergrund, inden man geboren wurde, eine wesentliche Rolle.

Zitat:

Die Leistungsbezieher unterteilen sich zu 70 % in erwerbsfähige Leistungsberechtigte mit Bezug von Arbeitslosengeld II und zu 30 % in nicht erwerbsfähige Hilfebedürftige, die Sozialgeld bezogen.

Meine Frage, wenn ich sowas lese, ist halt doch, wieso sind so viele erwerbsfähige Leute da und beziehen Arbeitslosengeld II? Wenn die Wirtschaft dringend Leute bräuchte, müsste sie eigentlich entsprechend sich um diese bemühen und der Staat müsste eigentlich auch ein Interesse haben, dass Arbeitslose unkompliziert in der Wirtschaft wieder Arbeit finden. In der Realität ist das Ganze natürlich nicht so einfach, klar, aber wenn die Löhne niedrig sind und der Staat gute Sozialleistungen bietet für Arbeitslose, dann spielt da in gewisser Weise halt auch ein Wettbewerb. Wenn ich mit der Schweiz vergleiche, da wurde in den vergangenen Jahre die Stellschraube bei den Arbeitslosen angezogen, nicht nur dass die Hürden erhöht wurden für den Bezug von Arbeitslosengeld, auch wurden die Leistungen gekürzt (was ich nicht sinnvoll finde, gerade für Fälle, bei denen die Vermittlung halt länger geht als ein halbes Jahr). Wer dann etwas wenig finanzielle Reserven hat, landet schnell in der Sozialhilfe. Und auch bei der Sozialhilfe gab es Diskussionen, dass man Beiträge kürzt, wobei es auch noch stark abhängig ist von Gemeinden und Kantonen. Schlupflöcher gibt es auch in der Schweiz für die, die nicht arbeiten wollen. Bei uns findet man solche Leute häufig bei den Invaliden, die sich eine Rente erschleichen, indem sie vorgeben, dass sie psychisch krank seien oder Schmerzen vortäuschen, die man schwer überprüfen kann. Gerade bei Bauerabeitern beispielsweise kommt es häufiger zu Schmerzen, die man nur schwer nachweisen kann. Dabei wird es schwierig diejenigen, die berechtigterweise eine Invalidenrente benatragen (und in der Regel auch jahrelang schwer gearbeitet haben) von denen zu unterscheiden, die sich eine Leistung erschleichen wollen, weil sie festgestellt haben, dass das System da eine Schwachstelle hat, die sie ausnutzen können.

Zitat:

Der Anteil der "nichtdeutscher Tatverdächtigen" liegt in Rastatt trotzdem immer noch bei 32,3% (bereinigt um die Straftaten, die nur von Ausländern begangen werden können). Krass.

Mich erstaunt das ehrlich gesagt nicht gross. Es gibt offenbar in jedem Land Regionen oder Städte, die weisen einen hohen Anteil auf an problematischen Leuten mit Migrationshintergrund bzw. die aus dem Ausland kommen. Ich wohne selbst in so einer Stadt und ich schätze bei uns sieht die Kriminalitätsstatistik nicht gross anders aus, während der Durchschnitt vermutlich deutlich tiefer liegen dürfte fur den Kanton Zürich und die umliegenden Gemeinden (die meisten von ihnen sind ziemlich das Gegenteil: ländlich, ruhig, eher konservativ und weisen wahrscheinlich auch einen ziemlich geringen Ausländeranteil auf). Bei uns am Bahnhof treiben sich bunte und teilweise auch komische Gestalten herum, die teilweise laut im Zeug rumfluchen, junge Secondos, die ihre Sportwagen spazierenfahren oder rumhängen, dann invalide Altrocker, die in ihren Rollstühlen das Quariter unsicher machen. Es wird bei Tag rumgehangen und Alkohol getrunken, geraucht... ein guter Teil des sozialen Lebens spielt auf der Strasse bzw. der Fussgängerzone nahe des Bahnhofs statt. Unangepasste Schweizer wie auch Ausländer sind es vorallem. Das Positive ist, es hat ein bisschen was vom Leben, das man von spanischen Städten kennt, bei denen von Jung bis Alt tagsüber und gerade auch am Abend auf den öffentlichen Plätzen und Strassen verbringt und den Städten Leben einhacht. Das Negative ist, dass im Gegensatz dazu hier eher eine etwas runtergekommene, verruchte Bevölkerungsschicht zumindest zeitweise dominiert. Manche Leute stören sich daran, es ist aber letztlich ein leben und leben lassen.

Zitat:

Für Deutschland lasse ich das Unwort "Perspektivlosigkeit" nicht gelten. Die verschiedensten Beispiele aus Politk und Wirtschaft strafen das Wort Lügen. Egal welcher Abstammung, wer will, der kann auch.

Kommt doch immer auf den Kontext an. Generell auf ganz Deutschland und auf alle Bevölkerungsgruppen gemünzt halte ich es für ein Blödsinn. Aber es gibt halt schon strukturell schwache Regionen und es gibt Bevölkerungsgruppen die recht bildungsfern sind, aber bei denen es sich jetzt nicht zwingend um Ausländer handeln muss, da herrscht schon eine gewisse Perspektivlosigkeit. Das heisst aber nicht, dass es absolut keine Perspektive gäbe, aber wenn sie im Alltag nicht wahrgenommen werden, kommt es einer Situation nahe, in der es tatschlich keine Perspektiven gibt. Und Politik und Gesellschaft haben da nun mal eine Mitverantwortung, indem sie erlauben, dass es überhaupt so ein Klima und Umfeld geben kann oder indem sie sich eben dagegen wehren. Dazu kommt, dass in städtischen Gebieten es einfach schwieriger wird die ganze soziale Eigendynamik und die wirtschaftliche Entwicklung zu kontrollieren. Städte haben in der Regel deutlich höhere Probleme als man auf dem Land hat und die deutlich höhere Bevölkerungsdichte führt zu deutlich mehr Konflikten, da die Leute enger aufeinander leben und die Freiheiten deutlich kleiner sind. Ein paar unfähige Politiker können eine erfolgreiche Städteplanung in wenigen Jahrzehnten zerstören. Meist ist es aber nicht so extrem, weder im guten Sinne noch im Negativen. Dazu kommt, dass die wirtschaftliche Eigendynamik teilweise schwierig zu lenken ist, zum Beispiel der Wohnungsbau hat grossen Einfluss auf die Struktur einer Stadt. Mängel im Wohnungsbau führen schnell zu Problemen. Wir haben beispielsweise sehr viele überteuerte Luxuswohnungen und der Platz an bezahlbarem Wohnraum ist ein grosses Problem. Bei den wenigen bezahlbaren Wohnungen herrscht dabei ein riesiger Ansturm, oft gehen Wohnungen unter der Hand weg und werden gar nicht erst ausgeschrieben oder in manchen Fällen zahlen die zukünftigen Mieter sogar um eine Wohnung zu bekommen (so eine Art Vermittlungsprovision). Selbst Genossenschaftswohnungen, bei denen man Kapital beisteuern muss, sind recht beliebt. Auf der anderen Seite kann man mit vielen Billigwohnungen, die man gerade früher jeweils gerne etwas ausserhalb der Städte baute, sich auch Ärger einhandeln, gerade wenn diese Quartiere dann noch etwas vernachlässigt werden. Gute Beispiele dafür findet man gerade in Frankreich, aber auch in den USA und die Unruhen dort kommen nicht von ungefähr... das ist verfehlte Raumplanung und verfehlte Sicherheits-, Präventiv- und Sozialpolitik. Und ich denke diesbezüglich können sowohl Deutschland als auch die Schweiz von sich sagen, dass sie in diesem Aspekt das gar nicht so schlecht gemeistert haben. Die Integration verläuft in den seltensten Fällen perfekt, aber wenn wir mit anderen Ländern vergleichen, so habe zumindest ich den Eindruck, dass es bei uns recht vorbildlich ist. Ja sogar die skandinavischen Länder, die einst so gerühmt wurden, dass alles so toll wäre, allen voran Schweden, da sieht es heute ja auch nicht mehr so rosig aus. Daher habe ich eine gewisse Skepsis, denn die Stimmung in einem Land kann auch schnell kippen, aber wir haben andere Probleme, die uns mehr beschäftigen, während sowohl Frankreich wie auch die USA immer wieder von heftigen gewaltvollen Zwischenfällen heimgesucht werden, welche für Schlagzeilen sorgen.

Zitat:

Weiteres Beispiel: Bilkay Öney, Integrationsministerin von Deutschland. Man lese und staune, was Öney für eine Meinung vertritt:

Das liest sich jetzt vielleicht schön und scheint auch schön provokativ (ist gut fürs Geschäft, denn über das Provokative spricht man), aber ich frage mich dann schon, wieviel bringt das dann effektiv? Beim Flüchtlingsproblem liegt das Hauptproblem heute beim Mittelmeer und offenbar hat man das, nachem soviele Leute ertrunken sind endlich erkannt. Ob man daraus lernt, da habe ich Zweifel. Was traurig an der ganzen Sache ist, ein guter Teil davon müsste nicht nach Europa flüchten, wäre Nordafrika und der nahe Osten politisch stabiler. Mehrere Länder wurden ins Chaos gestürzt aus Opportunismus und fallen nun als Puffer und Stütze weg, um Druck vom Flüchtlingsstrom Richtung Europa wegzunehmen.
Was mich aber überraschte, dass Deutschland offenbar deutlich fortschrittlicher ist, was den Umgang mit Flüchtlingen und Arbeit angeht. Bei uns dürfen sie nicht arbeiten, Fähigkeiten und Qualifizierungen werden oft kaum berücksichtigt. Ausgebildete Fachkräfte dürfen bei uns oft nur Hilfsarbeit verrichten, einfach weil ihre Papiere nicht anerkannt werden. Auch dürfen sie nicht arbeiten, solange sie keine Aufenthaltsbewilligung haben und ihr Status noch geprüft werden muss, was sich oft über längere Zeit erstreckt. Positiv ist jedoch, dass es ernsthafte Anstrengungen gibt, die Verfahren zur Prüfung von Asylgesuche deutlich schneller abzuwickeln.
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Anmeldungsdatum: 27.02.2009
Beiträge: 1228

BeitragVerfasst am: 03.05.2015 12:05    Titel: Antworten mit Zitat

davX hat Folgendes geschrieben:
Meine Frage, wenn ich sowas lese, ist halt doch, wieso sind so viele erwerbsfähige Leute da und beziehen Arbeitslosengeld II?


Ist Dir schon mal in den Sinn gekommen, dass es viele gibt, die gar nicht arbeiten wollen? Auf Basis der Leistungen des Wohlfahrtstaates lässt es sich doch auch so ganz gut leben. Damit komme ich wieder zu den Piraten zurück:
http://www.sueddeutsche.de/politik/geschaeftsfuehrer-der-piratenpartei-ponader-provoziert-mit-spendenaufruf-1.1446928

In Deutschland kriegt ja noch der letzte Depp ein öffentliches Podium, aber an Ponader war so schön, dass er das, was die Linken in Deutschland immer abstreiten, mal so ganz nebenbei in schönster Vollendung offen gelegt hat. Nix da mit bildungsfern und benachteiligt, sondern einfach nur faul und überheblich. Aber die Welt verändern wollen. Während der sich noch früh im Bett wälzt, stehen andere schon zwei Stunden am Band. Von deren Steuern ließ sich Ponader sein schönes Leben finanzieren. Auch schön war zu sehen, dass er das völlig normal fand. Der war ja ehrlich überrascht von den Reaktionen, der kleine Einser-Abi-Held und Künstler Smile

davX hat Folgendes geschrieben:
Unangepasste Schweizer wie auch Ausländer sind es vorallem. Das Positive ist, es hat ein bisschen was vom Leben, das man von spanischen Städten kennt, bei denen von Jung bis Alt tagsüber und gerade auch am Abend auf den öffentlichen Plätzen und Strassen verbringt und den Städten Leben einhacht. Das Negative ist, dass im Gegensatz dazu hier eher eine etwas runtergekommene, verruchte Bevölkerungsschicht zumindest zeitweise dominiert. Manche Leute stören sich daran, es ist aber letztlich ein leben und leben lassen.

Mmmh. Und wer bezahlt bei Euch den Verruchten dieses Dolce Vita? Die Zigaretten, den Alkohol?

davX hat Folgendes geschrieben:
Kommt doch immer auf den Kontext an. Generell auf ganz Deutschland und auf alle Bevölkerungsgruppen gemünzt halte ich es für ein Blödsinn. Aber es gibt halt schon strukturell schwache Regionen und es gibt Bevölkerungsgruppen die recht bildungsfern sind, aber bei denen es sich jetzt nicht zwingend um Ausländer handeln muss, da herrscht schon eine gewisse Perspektivlosigkeit. Das heisst aber nicht, dass es absolut keine Perspektive gäbe, aber wenn sie im Alltag nicht wahrgenommen werden, kommt es einer Situation nahe, in der es tatschlich keine Perspektiven gibt. Und Politik und Gesellschaft haben da nun mal eine Mitverantwortung, indem sie erlauben, dass es überhaupt so ein Klima und Umfeld geben kann oder indem sie sich eben dagegen wehren.

Das klingt für mich schon wieder so, als wären erst einmal Politik und Gesellschaft als Schuldige dran, erst dann der einzelne selbst.

In Deutschland hat sich ein System entwickelt, welches für jeden die Möglichkeit bietet, etwas aus seinem Leben zu machen. Man kann es auch bleiben lassen und auf den Staat und die Gesellschaft schimpfen. In aller Regel gilt, dass man sich bewegen muss, wenn man etwas erreichen will. Man kann es aber auch bleiben lassen. Ist ja nicht schlimm, weil Geld gibt es ja trotzdem. Nämlich vom Staat, den man für alles Übel verantwortlich macht. Trotzdem kann man ja die Hand aufhalten. Manchmal ist es nötig, dass man sogar den Wohnort wechseln muss (müsste), wenn man vorwärts kommen will. Man kann aber auch da bleiben, wo alles Sch... ist und jammern. Geld gibt es ja trotzdem. Viele wollen da bleiben, wo Oma, Opa und Eltern wohnen, wo die Stadtbahn quasi vor der Haustür hält und Aldi und Co. gleich um die Ecke liegen. Theater und Kino natürlich, ist ein absolutes Muss wegen der Teilhabe und so. Das ist alles ganz, ganz wichtig. Zwar gäbe es 100 km weiter Arbeit, aber sich dort hinbewegen? Das wäre Veränderung und um den Preis der Verlustes des Gewohnten völlig ausgeschlossen. Geld gibt es ja trotzdem.

davX hat Folgendes geschrieben:
Meine Meinung ist halt immer noch, wer aus einem demotivierenden Umfeld kommt, für den ist der Ausstieg ungleich schwerer.

Ja, sicher - darüber sind wir uns einig. Es liegt dann an einem selbst. Man muss nicht auf den Staat warten, der einen an die Hand nimmt. Perspektivlosigkeit bedeutet aber, dass es gottgegegeben ist, dass man nichts tun kann (oder halt staatgegeben).

freundliche Grüße,
Andreas
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Noraja
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BeitragVerfasst am: 03.05.2015 16:24    Titel: Antworten mit Zitat

Andreas hat Folgendes geschrieben:

davX hat Folgendes geschrieben:
Unangepasste Schweizer wie auch Ausländer sind es vorallem. Das Positive ist, es hat ein bisschen was vom Leben, das man von spanischen Städten kennt, bei denen von Jung bis Alt tagsüber und gerade auch am Abend auf den öffentlichen Plätzen und Strassen verbringt und den Städten Leben einhacht. Das Negative ist, dass im Gegensatz dazu hier eher eine etwas runtergekommene, verruchte Bevölkerungsschicht zumindest zeitweise dominiert. Manche Leute stören sich daran, es ist aber letztlich ein leben und leben lassen.

Mmmh. Und wer bezahlt bei Euch den Verruchten dieses Dolce Vita? Die Zigaretten, den Alkohol?

Das ist ganz verschieden.
Die Invalidenrente hat David ja schon erwähnt, dann gibts natülich auch Arbeitslosengeld, wer arbeitet und seine Stelle verliert, bekommt eine Zeitlang 80% des Lohns ausgezahlt.

Wer aus egal welchem Grund nicht genug Geld einnimmt um das Existenzminium zu erreichen, hat in der Schweiz Anrecht auf Sozialhilfe.
Hungern muss man mit Sozialhilfe nicht, man muss aber schon sehr sparsam leben um mit diesen Beiträgen über die Runden zu kommen. Der Ansatz der Sozialhilfe orientiert sich am Lebensstandard der einkommensschwächsten zehn Prozent der Bevölkerung. Man kann leben, braucht nicht zu hungern und könnte auch selten mal in ein Cafe. Aber Dolce Vita ist anders. Sollte es ja auch sein, das erklärte Ziel ist das jene, die arbeiten, mehr Geld zum Leben haben als die Sozialhilfebezüger.



Etwa 3 % der Bevölkerung bekommen Sozialhilfe ausbezahlt (mind. 1x pro Jahr). Das sind aber keineswegs alles Menschen, die nicht arbeiten.
Ein Teil der Sozialhilfeempfänder sind in der Ausbildung, andere/wenige sind bereits Pensioniert und rund ein Drittel der Fälle wird die Sozialhilfe als Ergänzung zu einem zu kleinen Erwerbseinkommen ausbezahlt.


Im Dorf, in dem ich aufwuchs, waren es aber eher selten Sozialhilfefälle, sondern oft die Eltern und Angehörigen, die den meist jungen Erwachsenen die keine Arbeit fanden oder finden wollten, das Leben finanzierten. Das die Gesellschaft Schuld ist, wenn Menschen sich entscheiden, auf Kosten des Sozialstaats zu leben, würde ich nicht behaupten. Dass Staat und Gesellschaft mit optimalem Handeln die Anzahl solcher Fälle reduzieren kann, glaube ich jedoch auch.

In meinem Aufwachsdorf waren das sehr, sehr oft die Kindern von Eltern, die beide Vollzeit oder noch mehr gearbeitet haben um das Wunscheinkommen zu erzielen und bei denen die Kinder in der Zeit schon in jungen Jahren nicht angemessen betreut, sondern sich selbst überlassen wurden und dann aus schlechtem Gewissen und weil man das Kind so besser dazu bringt, kooperativ zu sein, auch noch materiell verwöhnt wurden.

Dass gar nicht gearbeitet wird, obwohl man es könnte, ist allerdings nicht die Regel, sondern ein Randphänomen. Es wird gerne für politische Zwecke aufgebauscht, aber ein derart grosses, gesellschafltiches Problem, an dem die Gesellschaft oder das Sozialsystem demnächst zerbricht, wie es einem die linken und rechten Parteien weissmachen wollen, ist es ziemlich sicher nicht.

Wie es in Deutschland ist, weiss ich nicht, aber es würd mich wundern, wenn dieses Problem bei euch nicht auch von links und rechts instrumentalisiert und dadurch in der öffentlichen Wahrnehmung verzerrt wird.


Zitat:
"Am Jahresende 2012 hatten insgesamt 19.458 Rastatter Einwohner einen Migrationshintergrund. Das entspricht 41,02 % der Gesamtbevölkerung von 47.437. Nur über eine ausländische Staatsbürgerschaft (Ausländer) verfügten 6.332 Personen (13,3 % aller Einwohner).

St.Margrethen, das Dorf, in dem ich aufgewachsen und zur Schule gagangen bin, hat mit einem Anteil von ca. 44 % einen um Faktor 3.3 höheren Anteil an reinen Ausländer wie Rastatt und die Personen mit Migrationshindergrund machen schon seit Jahrzenten den Hauptteil der Bevölkerung aus. Das Dorf funktioniert trotzdem.
Wir sind auch weder verarmt, noch verwahrlost, noch haben wir besondere Gewaltprobleme oder ein Schulsystem, das nun besonders unter der Zuwanderung leidet.

Wenn ich vergleiche, wie viele Probleme anderswo auf der Welt mit viel geringeren Ausländeranteilen entstehen, darf der hiesigen Politik und Gesellschaft anerkennend ein Kranz gebunden werden.
Leistungen für Bildung und Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben in der Gemeinschaft, scheinen gut investiertes Geld zu sein.


Ein hoher Ausländeranteil muss nicht zwingend mit allerlei Problemen einhergehen. (nicht wegen den Ausländern, sondern damit mein Mann einen zumutbaren Weg zu seiner Uni hat) klappte es mit den vielen Kosovoalbanern und -Serben sehr gut, die allermeisten sind sehr unauffällige, bescheidene, arbeitsamme, nette Leute und wollen keinem zur Last fallen. Tun sie in der Regel auch nicht.

Die Sozialhilfe wurde z.B. in meinem Aufwachsdorf nicht trotz, sondern wohl wegen dem hohen Ausländeranteil von um die 44 % (Doppelbürger zählen zu den 56% Schweizern) und der stärkren Familiensolidarität unter den Kosovoalbanern und Serben, vergleichsweise wenig bezogen.

Mitterweile hat es etwas umgeschlagen: Im Zeitraum 2008 - 2014 gabs plötzlich einen Anstieg bei den Sozialhilfeanträgen ohne dass sich die Bevölkerung grossartig geändert hätte.
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Zuletzt bearbeitet von Noraja am 03.05.2015 21:26, insgesamt einmal bearbeitet
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Andreas
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BeitragVerfasst am: 03.05.2015 19:29    Titel: Antworten mit Zitat

Noraja hat Folgendes geschrieben:
Dass gar nicht gearbeitet wird, obwohl man es könnte, ist allerdings nicht die Regel, sondern ein Randphänomen. Es wird gerne für politische Zwecke aufgebauscht, aber ein derart grosses, gesellschafltiches Problem, an dem die Gesellschaft oder das Sozialsystem demnächst zerbricht, wie es einem die linken und rechten Parteien weissmachen wollen, ist es ziemlich sicher nicht.

Naja, in Rastatt sind, 70% derer, die Sozialgeld erhalten, erwerbsfähig. Ein Randphänomen ist für mich was anderes. Selbst wenn man jetzt großzügig 20% wegnimmt, weil die gerade nicht das finden, von dem sie meinen, es wäre gut genug für sie, würden wir immer noch von der Hälfte reden. Zuviel für ein Randphänomen.

freundliche Grüße,
Andreas
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Noraja
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BeitragVerfasst am: 03.05.2015 21:21    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Andreas

ich bezog mich auf mein Dorf, da ist das mit den Leuten, die nicht arbeiten wollen, wirklich ein Randphänomen.

In Rastatt sind die Zahlen viel extremer anders als hier.
Wobei natürlich interessant wäre, wie viele der erwerbsfähigen 4.76% (70% der 6,8 % ) , die ihren Lebensunterhalt ganz oder teilweise Sozialleistungen des Staates decken, gar nicht arbeiten und warum nicht. Vorallem ist es interessant, dass der Anteil in Rastatt gegenüber dem Landkreis soviel höher liegt, was drauf hindeutet, dass es nicht ein generelles Problem ist.

Was ist in Rastatt los? Meinst du, das liegt wirklich am Ausländeranteil, auch wenn der Ausländeranteil von 13,3 % ja eigentlich überblickbar wenig ist?

So ein kleiner Ausländeranteil gibt es in der Schweiz nur in 2 von 23 Kantonen (Halbkanton Appenzell Innerroden, Halbkanton Nidwalden und Kanton Uri).
hier schln dargestellt:
http://www.atlas.bfs.admin.ch/maps/13/de/9693_90_89_70/17083.html

Oder werden bei euch völlig nicht integrierte Ausländer eingebürgert?
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Andreas
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BeitragVerfasst am: 03.05.2015 21:55    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Lina,

schwer zu sagen, was die wirkliche Ursache ist. Ich beschäftige mich auch zu wenig im Detail damit. In Rastatt und nahem Umland konzentriert sich viel Industrie, Daimler baut hier z. B. die A-Klasse, in Gaggenau wurde früher der Unimog gebaut, heute sind es Getriebe für Mercedes-Benz-Nutzfahrzeuge. Viele Aussiedler/Ausländer/Migranten/Flüchtlinge usw. werden in Rastatt untergebracht, weil das die Infrastruktur noch hergibt. Deshalb konzentriert sich hier auch die Masse. Der Rest ist eher ländlich. Langsam wird es aber eng. Die Nähe von Baden-Baden lockt viele Russen an, weil die Stadt historisch schon immer beliebt bei Russen war. In manchen Geschäften hängen hier Stellenanzeigen, die kann ein Deutscher gar nicht lesen, weil kyrillisch geschrieben (ich kann es nur deshalb, weil ich es mal gelernt habe Smile )

Ansonsten ist das Leben recht beschaulich, fast wie Dolce Vita in Spanien oder Zürich Smile

Ich selbst pendle die 20 km nach Rastatt: 10 Jahre mit den Öffentlichen, seit kurzem mit Auto.
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BeitragVerfasst am: 03.05.2015 22:17    Titel: Re: Piratenpartei und Tierschutz Antworten mit Zitat

Zitat:

Geld gibt es ja trotzdem. Viele wollen da bleiben, wo Oma, Opa und Eltern wohnen, wo die Stadtbahn quasi vor der Haustür hält und Aldi und Co. gleich um die Ecke liegen. Theater und Kino natürlich, ist ein absolutes Muss wegen der Teilhabe und so. Das ist alles ganz, ganz wichtig. Zwar gäbe es 100 km weiter Arbeit, aber sich dort hinbewegen? Das wäre Veränderung und um den Preis der Verlustes des Gewohnten völlig ausgeschlossen. Geld gibt es ja trotzdem.

Ich kann da nur für die Schweiz sprechen, mich würde es aber interessieren, wie das in Deutschland so ist. Bei uns ist es ja eher so, dass man in den Städten Arbeit findet. Wer aufs Land zieht muss in der Regel längere Arbeitswege in Kauf nehmen, wohnt dafür schöner und billiger, aber hat weitere Wege für Arbeit, Einkauf, Ausgang/Kino usw.
Daher würde Aldi, Theater und Kino gleich um die Ecke heissen, kürzerer Arbeitsweg.
Bei uns ist es übrigens zu, dass für einen Arbeitssuchenden ein Arbeitsweg von bis zu 1,5 Stunden pro Weg zumutbar ist be ider Stellensuche. Anders gesagt 3 Stunden Arbeitsweg pro Tag ist kein Grund einen Job abzulehnen.

Noraja hat Folgendes geschrieben:

Die Sozialhilfe wurde z.B. in meinem Aufwachsdorf nicht trotz, sondern wohl wegen dem hohen Ausländeranteil von um die 44 % (Doppelbürger zählen zu den 56% Schweizern) und der stärkren Familiensolidarität unter den Kosovoalbanern und Serben, vergleichsweise wenig bezogen.

Stimmt. Der Zusammenhalt ist da sehr stark und nicht selten auch der finanzielle Ehrgeiz: Da wird das Geld zusammengelegt und alle in der Familie und die Familien der Bründer/Schwester legen ihr Geld zusammen und sparen teilweise eisern um sich dann ein paar Einfamilienhäuser zu bauen. Wenn jemand in der Klemme steckt, dann bekommt er Hilfe und auch verbreitet ist, dass Geld nachhause geschickt wird. Wobei letzteres nicht unbedingt positiv sein muss, gerade wenn sich daraus eine Erwartungshaltung ergibt, dass die reichen "Schweizer" (die in der Schwez arbeitenden Kosovaren, Albaner, etc. werden in ihrer Heimat als Schweizer wahrgenommen) dazu verpflichtet wären, Geld nachhause zu schicken.
Zudem gibt es von der Mentalität einen Unterschied zwischen Serben und (Kosovo)Albaner. Albaner sind Muslime, Serben sind orthodox Katholisch. Und auch die Kroaten und Serben sind nicht gut aufeinander zu sprechen, obwohl sie sich recht ähnlich sind und die Serben die Kroaten als die ihren betrachten, so wehren sich die Kroaten dagegen. Ich meinte sogar, sie haben unterschiedliche christliche Konfessionen, denn die Kroaten sind römisch Katholisch und wer Orthodox ist, der gilt sofort als Serbe... das wird oft auch recht vereinfacht, und wer zum Beispiel Muslim ist in Kroatien, der gilt als Bosnier. Entsprechend reagiere viele auch mit Unverständnis, wenn man das als Aussenstehender durcheinander bringt und meint das wäre ja alles das Gleiche und überhaupt war das doch alles mal Yugoslawien.

Noraja hat Folgendes geschrieben:

Andreas hat Folgendes geschrieben:
Mmmh. Und wer bezahlt bei Euch den Verruchten dieses Dolce Vita? Die Zigaretten, den Alkohol?

Das ist ganz verschieden.
Die Invalidenrente hat David ja schon erwähnt, dann gibts natülich auch Arbeitslosengeld, wer arbeitet und seine Stelle verliert, bekommt eine Zeitlang 80% des Lohns ausgezahlt.

Wer aus egal welchem Grund nicht genug Geld einnimmt um das Existenzminium zu erreichen, hat in der Schweiz Anrecht auf Sozialhilfe.
Hungern muss man mit Sozialhilfe nicht, man muss aber schon sehr sparsam leben um mit diesen Beiträgen über die Runden zu kommen. Der Ansatz der Sozialhilfe orientiert sich am Lebensstandard der einkommensschwächsten zehn Prozent der Bevölkerung. Man kann leben, braucht nicht zu hungern und könnte auch selten mal in ein Cafe. Aber Dolce Vita ist anders. Sollte es ja auch sein, das erklärte Ziel ist das jene, die arbeiten, mehr Geld zum Leben haben als die Sozialhilfebezüger.

Richtig, die Sozialhilfe ist recht knapp bemessen, zudem wenn man zu Geld kommt, dann ist man verpflichtet diese wieder zurückzuzahlen.
Was die "Verruchten" angeht, ein Teil ist wie erwähnt deutlich behindert, kann nicht mehr laufen und bekommt eine Invalidenrente.
Was den Rest angeht, da kann ich nur raten. Ich denke aber, dass viele, welche Sozialhilfe beziehen und ein guter Teil wohl einer sehr schlecht bezahlten Arbeit zusätzlich nachgeht und die treiben sich nicht auf der Strasse rum. Und die, die sich auf der Strasse rumtreiben, da würde ich zumindest einem Teil zutraugen, dass er sich zu stolz wäre für Sozialhilfe und sich entweder durch Gelegenheitsjobs, Schwarzarbeit und so durchschlägt oder Verwandten und Bekannten halt auf der Tasche liegt.

Zitat:

Ja, sicher - darüber sind wir uns einig. Es liegt dann an einem selbst. Man muss nicht auf den Staat warten, der einen an die Hand nimmt. Perspektivlosigkeit bedeutet aber, dass es gottgegegeben ist, dass man nichts tun kann (oder halt staatgegeben).

Da genügt doch ein geringes Selbstwertgefühl und schon haben wir genau das: Wenn jemand denkt, ich bin ein ewiger Versager, alle anderen sind besser als ich, ich kann nichts, ausser dem Staat auf der Tasche zu liegen... das wird wahrscheinlich eher die Ausnahme sein, aber gerade bei Leuten, die durchs Raster fallen, sagen wir ein Arbeiter, der Jahrzehnte seinem Arbeitsgeber treu war, bis er vielleicht zehn Jahre vor Rente gekündigt wird. Dann sollte er einen Job suchen, merkt, dass er mit diesem Computer nicht zurecht kommt, dass sich die Arbeitswelt stark geändert hat und vieles ihm fremd ist. Er fühlt sich überfordert, tut sich mit Umschulungen schwer und bekommt noch eine Absage nach der anderen. Aufbauend ist sowas nicht.
Natürlich gibt es auch andere Fälle, solche die über den Staat schimpfen und das Geld vom Staat als das Selbstverständlichste erachten. Hier fehlt jedoch Einsicht, einerseits dass sie selbst für ihre Situation mitverantwortlich sind, andererseits um zu erkennen, dass es Wege gäbe, etwas zu verändern. Aber bei jeder Veränderung ist letztlich ein wichtiger Faktor, wer sich an eine Situation gewöhnt hat, nie gross gereist ist und über Jahrzehnte sich ein soziales Umfeld aufgebaut hat, der tut sich entsprechend schwer mit umziehen, gerade wenn es in der Region weit und breit keine Jobs gibt und ein weiterer Umzug nötig wäre, als nur in der näheren Umgebung umzuziehen: ob man innerhalb BaWü (auch wenn das Bundesland recht gross ist, so ist der Mentalitätsunterschied nicht so gross) umzieht oder ob man vom Norden in den Süden oder vom Nordosten in den mittleren Westen zieht. Und es spielt da auch das Alter eine Rolle, mit 20 oder 30 zieht man leichter um, wer früher schon umgezogen ist oder viel gereist ist, der tut sich auch im höheren Alter mit einem grösseren Umzug nicht so schwer. Und das wäre eigentlich nicht nur Negativ, denn in einer funktionierenden Gesellschaft, in der das soziale Netz noch funktioniert, bedeutet ein grosser Umzug das Risiko, dass man sein soziales Netz verlässt und sich erst mühsam am neuen Ort ein neues aufbauen muss, was viel Energie und Zeit kostet. Wer bleibt, wo er aufgewachsen ist, der hätte in diesem Idealfall ein Netz, das ihn im schlimmsten Falle auffangen würde und das ein staatliches Sozialsystem mehr oder weniger überflüssig machen würde. Doch heute haben sich die Situationen etwas geändert. Ein funktionierendesSozialsystem ist einerseits eine bequeme Sache und macht die Leute weniger abhängig von ihrer Familie und ihrem persönlichen Beziehungsnetz, auf der anderen Seite ist es auch annonymer und während man von einem Bekannten oder Freund, der einem auf der Tasche liegt durchaus immatrielle Gegenleistungen verlangen kann, ist das offenbar für den Staat schwieriger einzufordern, obwohl grundsätzlich auch da denkbar wäre, dass der Staat da etwas verlangen dürfte.
Und so gesehen müsste man auch schauen, wo die Ursache liegt, ist es eine Blockade oder ist jemand ganz entmutigt oder einfach nur zu bequem? Jemand der blockiert ist, für den ist ein Fusstritt in den Arsch sicher das Falsche, denn das fördert das Selbstvertrauen und den Mut was Neues anzufangen nicht, auch wenn die betreffende Person innerlich das möchte. Hingegen jemand, der sich ein bequemes Leben macht und die fehlende Kontrolle ausnutzt, dem schadet es sicher nicht, wenn er den Druck zu spüren bekommt, damit er sich anstrengt.

Zitat:

In Deutschland kriegt ja noch der letzte Depp ein öffentliches Podium, aber an Ponader war so schön, dass er das, was die Linken in Deutschland immer abstreiten, mal so ganz nebenbei in schönster Vollendung offen gelegt hat. Nix da mit bildungsfern und benachteiligt, sondern einfach nur faul und überheblich. Aber die Welt verändern wollen. Während der sich noch früh im Bett wälzt, stehen andere schon zwei Stunden am Band. Von deren Steuern ließ sich Ponader sein schönes Leben finanzieren. Auch schön war zu sehen, dass er das völlig normal fand. Der war ja ehrlich überrascht von den Reaktionen, der kleine Einser-Abi-Held und Künstler Smile

Er ist nicht der Einzige, der in seiner Traumwelt lebt. Es gibt auch CEOs, die meinen, dass sie einen Lohn und Bonis von mehreren Millionen tatsächlich verdient hätten und können es nicht verstehen, wenn die breite Bevölkerung das anders sieht. Aber auch sie leben eben umgeben von ihresgleichen, keine Künstler-"Elite", sondern eine finanzielle Elite, die da unter sich ist. Auch das ist ein Zeichen von mangelnder Integration und es gibt da sicher noch zahlreiche weitere Facetten davon, die veilleicht auch weniger stark die typischen Klischees bedienen.

Zitat:

In Deutschland kriegt ja noch der letzte Depp ein öffentliches Podium, aber an Ponader war so schön, dass er das, was die Linken in Deutschland immer abstreiten, mal so ganz nebenbei in schönster Vollendung offen gelegt hat.

Die Medien leben halt auch ein bisschen in ihrer eigenen Blase. Die lieben halt alles, was irgendwie provoziert und was ihnen gute Schlagzeilen gibt. Mit den normalen Menschen will man sich in der Regel nicht gross abgeben, zu gewöhnlich sind ihre Probleme und scheinbar zu wenig spektakulär. Lieber umgibt man sich mit den Reichen, den B- und C-Promis und den Wichtigtuer und schreibt über deren Probleme... ich habe in der letzten Zeit vermehrt festgestellt, dass der Begriff "News" von Zeitungen manchmal sehr weit gefasst wird. Man merkt dabei auch, wie sehr die Qualität teilweise darunter gelitten hat. Und dass man dann einem Ponader eine solche Plattform bietet, passt da geradezu wunderbar in dieses Konzept. Mein Ding ist es nicht, aber es ist der Weg, den die Medien heute gehen und sich danach fragen, wieso immer mehr Leser ihnen abspringen, bei ihren immer oberflächlicher und seichter werdenden Themen. Man berichtet ja lieber über den Goldfisch von Jenifer Lopez oder den Bauch von Heidi Klum, statt über die Hintergründe der Weltpolitik.

Apropos ein Thema haben wir bei der ganzen Diskussion bislang aussen vorgelassen, die Situation mit den Expats, den sehr gut ausgebildeten Ausländer. In der Schweiz sind die in den letzten Jahren stark am Wachsen. Auch wenn sie zu denen gehören, die sich recht schnell anpassen können und nicht einfach jemandem auf der Tasche liegen, so gibt es auch da Probleme: einerseits ist da Neid vorhanden und Angst, dass sie dem Rest der Bevölkerung die Arbeit wegnehmen, gerade an Unis und bei den Ärzten ist das Phänomen besonders ausgeprägt und interessanterweise sind es gerade die Deutschen und nicht irgendwelche Portuiesen, Italiener, Araber, Inder etc. Das Problem beruht aber auch auf einer gewissen Gegenseitigkeit: viele Deutsche nehmen das mit der Integration auf die leichte Schulter und denken, die Schweizer die sprechen ja auch Deutsch, man versteht sich, anpassen muss man sich ja nicht gross, das geht schon, aber letztlich ist da schon ziemlich ein Kulturunterschied, gerade wenn es nicht jemand aus dem Süddeutschen (alemannischen) Raum ist. Es gibt viele Fettnäpfchen, in die man treten kann und es braucht in der Schweiz auch mehr Geduld, um gute Freundschaften zu knüpfen, auch das wird gerne unterschätzt und letztlich ist es für Deutsche eben auch mit einer Umgewöhnung verbunden, dass sie lernen müssen, den schwierigen Dialekt zu verstehen und auch wenn es hier kontrovers diskutiert wird, behaupte ich, wer sich gut integrieren will, sollte lernen den Dialekt anzunehmen, sich zumindest Mühe geben etwas Helvetismen zu übernehmen und sich etwas anzupassen. Es gibt zwar viele, die meinen dass man nicht versuchen solle Schweizerdeutsch mit starkem Hochdeutschem Akzent zu sprechen, weil das grauenvoll tönt. Die Realität ist aber, und das konnte ich immer wieder beobachten, dass jemand, der lange hier ist und sich angepasst hat, einen Teil des Dialekts annimmt, die einen mehr, die anderen auf den ersten Blick vielleicht weniger, aber wenn man genau hinhört, merkt man es dann doch oft ein bisschen. Und was vielleicht fast noch wichtiger ist, das ist auch der Umgang mit der Art und Weise, die wir hier in der Schweiz haben, dass man zum Beispiel auch lernt sich zurückzuhalten, wenn man merkt, dass es angebracht ist. Die direkte deutsche Art ist in manchen Situationen erfrischend und sehr hilfreich, manchmal aber auch unangemessen und da ist es manchmal halt klüger, wenn man kurz auf die Lippen beisst.
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