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Naturschutz: Verbote stärken die Mafia

 
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davX
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Anmeldungsdatum: 08.06.2004
Beiträge: 8531
Wohnort: Schweiz

BeitragVerfasst am: 02.05.2014 03:34    Titel: Naturschutz: Verbote stärken die Mafia Antworten mit Zitat

Huhu,

eigentlich ist es eine offenischtliche Sache, wenn man sich erst mal etwas tiefer damit beschäftigt, wie schädlich Verbote in der Praxis sind. Gerade wenn es um Naturschutz angeht, ganz egal ob es jetzt Tiere betrifft oder Pflanzen. Selbst bei anderen Dingen, z.B. bei Drogen sollte es einem zu denken geben, welche riesige Mengen an Geld kriminelle Organisationen damit verdienen, dass durch Verbote ihnen eine konkurrenzlose und lukrative Marktlücke überhaupt erst geschaffen wird.

Nur um es klar zu stellen, es braucht gewisse Grenzen, Normen und in dem Sinne auch gewisse Formen von Verboten. Es ist nicht in Ordnung, dass alles erlaubt ist und gerade eine Gesellschaft hat darauf viel Einfluss was richtig ist und was nicht, sprich was geächtet wird. So ist es sicher naheliegend und verständlich, dass es Tempolimiten gibt und dass man z.B. in Gebieten, in denen sich Schulen und Kinder befinden, es nicht sinnvoll ist, wenn jeder mit 80 km/h durchfahren kann. Andererseits wird durch die Kriminalisierung weicher Drogen nicht nur die Selbstbestimmung mit Genuss- und Suchtmittel (der Übergang vom einen zum anderen hier ist oft schmal und individuell, auch legale Drogen wie Alkohol können sehr schädlich und gefährlich sein und ein generelles Verbot wie es in den USA einst eins gab, war auch nicht von Erfolg beschert, im Gegenteil war der Konsum da offenbar noch stärker) unterbunden, sondern auch gezielt eine Marktbedingung geschaffen, bei der ein (kriminelles) Monopol entsteht, das durch die Kriminalisierung bedingt sehr lukrativ ist und daher auch mit viel Macht verbunden ist. Auch Wilderer profitieren letztlich von diesem lukrativen Markt, mehr noch, sie profitieren davon, dass es keine legalen Alternativen gibt, weshalb sie nicht selten in die Wilderei getrieben werden und die Entwicklung wird oft noch durch eine kaputte Gesellschaft unterstützt, die kaum Werte kennt, da Armut, Ungerechtigkeit, Ausbeutung und fehlende Perspektiven den Alltag prägen und da selbst illegale Geschäfte noch besser zu sein scheinen als die Aussichtslosigkeit und gerade auch der wirtschaftliche Anreiz die negativen Auswirkungen übersteigen vermag. Da ist es eine faule Doppelmoral mit dem Finger auf die Leute zu zeigen, die man selbst erst in diese missliche Lage gebracht hat. Freie Marktwirtschaft und billig subventionierte Agrargüter aus Europa, welche den heimischen Markt überschwemmen und kaputt machen, sind da sicher auch keine Hilfe.

Es gibt aber auch Beispiele, dass es anders geht. Beispiel Madagaskar. Und nein, es sind nicht die grossen Schlagzeilen, denen wir am meisten Aufmerksamkeit beimessen sollten. Viel eher genau zuhören was es trotz grossen Schlagzeilen sonst noch so alles gibt, das lohnt sich.

Es geht um die Pflanzenwelt Madagaskars, die so wunderbar ist, dass sie eine ideale Reklame für das Land und dessen Tourismus ist - das Land hat kulturell nämlich nicht gerade viel zu bieten, aber eben die Natur ist umso beeindruckender. Da liegt es nahe, dass man könnte versuchen die Ausbeutung der Natur zu stoppen, indem man die Ausfuhr von Pflanzen strikt verbieten würde, doch ist das sinnvoll? Weit gefehlt, es gab da eine weit geschicktere Lösung, welche genutzt wurde...

Es geht um die Geschichte von Walter Röösli, einem Pflanzenforscher, der in Madagaskar zusammen mit Alfred Razafindratsira (welcher die guten Kontakte zu den nötigen Stellen in Madagaskar hatte) ein Konzept erarbeitete, wie man die wertvolle Pflanzenwelt des Landes schützen und als Werbung für den Tourismus geschickt nutzen kann:
Zitat:

Gemeinsam [...] entwickelten sie die Idee, die exotischen Gewächse als "Botschafter Madagaskars" zu verwenden. "Wir wollten Werbung für die Insel machen. Weil sie kulturell nicht viel zu bieten hat, liegt ihr grosstes Gut in dieser gewaltigen Natur. Uns war klar, dass wir viele Touristen ins Land bringen könnten, wenn wir die Pflanzen richtig in Szene setzen."
Gleichzeitig galt es zu verhindern, dass die kostbaren Pflanzen unkontrolliert aus dem Land geschafft und vermarktet werden. Denn je nach Gattung kann sich ein Jungtrieb zu einem 5000 Franken teuren Exemplar auswachsen. "Also haben wir mit staatlicher Sondererlaubnis damit begonnen, die Pflanzen kontrolliert zu sammeln, zu vermehren und sie in Topqualität gratis zu verschicken. So konnten wir der Mafia den Teppich unter den Füssen wegziehen."

Quelle: Fassbind, Tina: "Jäger des tropischen Schatzes. Walter Röösli ist auf Madagaskar in Gebiete vorgedrungen, in denen vor ihm noch kein Mensch war - immer auf der Suche nach unbekannten Pflanzen. Seine Passion kommt nun der Stadt Zürich zuute." Tages Anzeiger vom Mittwoch 30. April 2014, S. 17.


Natürlich, wenn es um Verbote geht, wie jetzt auch wieder bei der ganzen Exotendiskussion, da bedient man sich gerne einfachen Vorwänden. Man will etwas verbieten, meist aus ideologischen Gründen. Moral spielt eine Rolle, usw. Da lockt die Verbotsfalle, doch wie das Beispiel oben zeigt, es geht oft besser ohne, dafür mit geschicktem Austricksen derjenigen, welche letztlich von den Verboten profitieren würden. Man merke: wer für solche Verbote ist, der ist letztlich für die Stärkung der kriminellen Organisationen und deren Machenschaften. Und so gesehen fungieren viele selbsternannte Tierschutzorganisationen letztlich als verlängerter Arm der Kriminalität. Ob ihnen das auch bewusst ist und sie das wollen? Nun ich denke, die meisten wollen es wohl gar nicht wahrhaben und verschliessen lieber die Augen vor der Realität. Es ist aber ein gefährliches Spiel mit dem Feuer, das sie da treiben und solange man sie in den Medien abfeiert und ihre oberflächliche Argumentation feiert statt hinterfragt, machen sich auch die Medien mitschuldig für die Lobbyarbeit und Stärkung der Kriminalität. Verantwortung heisst letztlich, Augen auf machen, kritisch bleiben und nicht einfach leichtgläubig oberflächliche Parolen nachbeten nur weil alle es tun.
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