Cururo
aus Degupedia, der freien Wissensdatenbank
Version vom 10:24, 14. Aug 2007 DavX (Diskussion | Beiträge) Literatur ← Go to previous diff |
Version vom 10:33, 14. Aug 2007 DavX (Diskussion | Beiträge) Lebensweise und Ökologie Go to next diff → |
||
Zeile 25: | Zeile 25: | ||
==Lebensweise und Ökologie== | ==Lebensweise und Ökologie== | ||
- | Die Landschaften, welche von Cururos bewohnt werden, reichen von alpinen Graslandschaften in den Anden, über Akazien-Savannen im Mittelland, bis hin zu sandigen Graslandschaften an der Küste (Torres-Mura & Contreras 1998). Dabei bevorzugen sie offene Landschaften mit niederigem Stauchbewuchs (Begall 1999). Sie legen in ihren Territorien umfassende Gangsysteme an, bestehend aus kurzen, aber tiefgründigen Tunnel, welche sie 40 bis 60 cm tief in den Boden graben und eine Vielzahl an oberflächlichen Futtertunnel, welche meist nur gerade mal 10 bis 12 cm unter der Oberfläche liegen. Die tiefgründigen Tunnel werden im Gegensatz zu den Futtertunnel für längere Zeit gebraucht und enthalten unter anderem auch Nestkammern (Torres-Mura & Contreras 1998). Zum Graben ihrer Gänge verwenden sie ihre Schneidezähne (Incisivi) (Bozinovic et al. 2005; Reig 1970). | + | Cururos sind sehr soziale Tiere und leben in grossen Gruppen, die 15 Tiere oder mehr umfassen können (Begall et al. 1999; Torres-Mura & Contreras 1998). Sie sind streng tagaktiv und leben vorwiegend unterirdisch (Urrejola et al. 2003). In Gefangenschaft dagegen zeigen Cururos oft nachtaktives Verhalten (Bozinovic et al. 2005), welches offenbar durch stressige Haltungsbedingungen und Einzelhaltung verstärkt wird (Urrejola et al. 2005). |
+ | |||
+ | Auf unbekannte Artgenossen reagieren in Gefangenschaft gehaltene Cururos oft aggressiv und reagieren mit Angriff, schnellem Schwanzwedeln, grollen (intensiver Tieftonlaut) oder Zähneknirschen. Ein Aufeinandertreffen von Kontrahenten führt schnell zu einem blutigen Kampf, der zu schweren Verletzungen und gar zum Tod führen kann, enn die Tiere nicht rasch getrennt werden. Dagegen reduziert sich die Aggressivität, wenn die Kontrahenten zuvor für mehrere Tage alleine gehalten werden (Begall et al. 1999). | ||
+ | |||
+ | Sie legen in ihren Territorien umfassende Gangsysteme an, bestehend aus kurzen, aber tiefgründigen Tunnel, welche sie 40 bis 60 cm tief in den Boden graben und eine Vielzahl an oberflächlichen Futtertunnel, welche meist nur gerade mal 10 bis 12 cm unter der Oberfläche liegen. Die tiefgründigen Tunnel werden im Gegensatz zu den Futtertunnel für längere Zeit gebraucht und enthalten unter anderem auch Nestkammern (Torres-Mura & Contreras 1998). Zum Graben ihrer Gänge verwenden sie ihre Schneidezähne (Incisivi) (Bozinovic et al. 2005; Reig 1970). | ||
==Ernährung== | ==Ernährung== |
Version vom 10:33, 14. Aug 2007
Der Cururo oder Coruro (Spalacopus cyanus) ist eine grabende, unterirdisch lebende Nagetier-Art aus der Familie der Trugratten. Sie gehört zu den südamerikanischen Stachelschweinverwandten (Hystricognatha).
Inhaltsverzeichnis |
Systematik
Synonyme
- Mus cyanus Molina 1782
- Spalacopus poeppigii Wagler 1832
- Poephagomys ater Cuvier 1834
- Psammomys noctivagus Poeppig 1835
- Spalacopus tabanus Thomas 1925
Unterarten
- Spalacopus cyanus cyanus
- Spalacopus cyanus poeppigi
- Spalacopus cyanus maulinus
Herkunft und Lebensraum
Cururos sind in Chile verbreitet und kommen entlang der Küste von Cldera (27°03'S) bis Quirihue (36°19'S), in den Anden bis in 3000 m Höhe von Alicahue (32°19'S) bis Los Cipreses (34°01'S) vor (Torres-Mura & Contreras 1998). Sie bewohnen diverse Landschaften, von alpinen Andengraslandschaften hin zu Akazien-Savannen im Mittelland bis hin zu sandigen Graslandschaften an der Küste (Torres-Mura & Contreras 1998). Dabei bevorzugen sie offene Landschaften mit niedrigem Strauchwuchs (Begall 1999).
Aussehen und Körperbau
Cururos haben eine Körperrumpflänge von 115-165 mm und eine Schwanzlänge von 40-57 mm (Novak 1999; Redford & Eisenberg 1992). Der Schwanz ist schuppig, zylindrisch und unbehaart. Morphologisch gesehen ähneln Cururos anderen unterirdisch lebenden Nagetierarten. Im Körperbau sind sie an die unterirdische Lebensweise angepasst durch kurze Ohren, einen kurzen Schwanz, kleine Augen, die aber für unterirdisch lebende Tiere doch relativ gross sind, grosse Vorderhände mit langen Krallen und kräftigen, hervorstehenden Schneidezähne (Bozinovic et al. 2005; Redford & Eisenberg 1992). Ihr Fell ist dicht, glatt und Weich, die Fellfarbe variiert zwischen braunschwarz und schwarz. Die Backenzähne (Molare) der Cururos weisen eine 8-förmige Kaufläge auf und sind unverwurzelt, d.h. sie wachsen ständig nach (Hutterer 1994; Reig 1970). Laut Redford und Eisenberg (1992) unterscheiden sich die Berg- von den Küstenpopulationen im Phänotyp als auch im Stoffwechsel (metabolic rate).
Lebensweise und Ökologie
Cururos sind sehr soziale Tiere und leben in grossen Gruppen, die 15 Tiere oder mehr umfassen können (Begall et al. 1999; Torres-Mura & Contreras 1998). Sie sind streng tagaktiv und leben vorwiegend unterirdisch (Urrejola et al. 2003). In Gefangenschaft dagegen zeigen Cururos oft nachtaktives Verhalten (Bozinovic et al. 2005), welches offenbar durch stressige Haltungsbedingungen und Einzelhaltung verstärkt wird (Urrejola et al. 2005).
Auf unbekannte Artgenossen reagieren in Gefangenschaft gehaltene Cururos oft aggressiv und reagieren mit Angriff, schnellem Schwanzwedeln, grollen (intensiver Tieftonlaut) oder Zähneknirschen. Ein Aufeinandertreffen von Kontrahenten führt schnell zu einem blutigen Kampf, der zu schweren Verletzungen und gar zum Tod führen kann, enn die Tiere nicht rasch getrennt werden. Dagegen reduziert sich die Aggressivität, wenn die Kontrahenten zuvor für mehrere Tage alleine gehalten werden (Begall et al. 1999).
Sie legen in ihren Territorien umfassende Gangsysteme an, bestehend aus kurzen, aber tiefgründigen Tunnel, welche sie 40 bis 60 cm tief in den Boden graben und eine Vielzahl an oberflächlichen Futtertunnel, welche meist nur gerade mal 10 bis 12 cm unter der Oberfläche liegen. Die tiefgründigen Tunnel werden im Gegensatz zu den Futtertunnel für längere Zeit gebraucht und enthalten unter anderem auch Nestkammern (Torres-Mura & Contreras 1998). Zum Graben ihrer Gänge verwenden sie ihre Schneidezähne (Incisivi) (Bozinovic et al. 2005; Reig 1970).
Ernährung
Laut Reig (1970) ernähren sich Cururos hauptsächlich von Zwiebeln und Stängeln der Lilie Leucoryne ixiodes.
Literatur
- Begall, S. (1999): Verhaltensökologische und genetische Analyse der Sozial- und Populationsstruktur von Coruros (Spalacopus cyanus, Octodontidae, Rodentia). Inauguraldissertation, Universität Essen.
- Begall, S. Burda, H. Galladrdo, M.H. (1999): Reproduction, postnatal development, and growth of social cururos, Spalacopus cyanus (Rodentia: Octodontidae), from Chile. Journal of Mammalogy 80: 210-217.
- Bozinovic, f. Carter, M.J. Ebensperger, L.A. (2005): A test of the thermal-stress and the cost-of-burowwing hypotheses among populations of the subterranean rodent Spalacopus cyanus. Comparative Biochemistry and Physiology A 140: 329-336.
- Novak, R.M. (1999): Walker's Mammals of the world. Johns Hopkins University Press, Baltimore.
- Redford, K.H. Eisenberg, J.F. (1992): Mammals of the Neotropics. The southern cone, Vol. 2. The University of Chicaco Press, Chicaco, London.
- Reig, O.A. (1970): Ecological notes on the fossorial octodont rodent Spalacopus Cyanus (Molina). Journal of Mammalogy 51: 592-601
- Torres-Mura, J.C. Contreras, L.C. (1998): Spalacopus cyanus. Mammalian Species 594: 1-5.
- Urrejola, D. Lacey, E.A. Wieczorek, J.R. Ebensperger, L.A. (2005): Daily activity patterns of free-living cururos (Spalacopus cyanus). Journal of Mammalogy 86: 302-308.