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Pilsen: Fotos und Bericht
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Kerodon
Fellnase


Anmeldungsdatum: 02.06.2016
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BeitragVerfasst am: 03.06.2016 19:02    Titel: Pilsen: Fotos und Bericht Antworten mit Zitat

Obwohl der die Stadt Pilsen, gelegen in Südböhmen, nicht besonders groß ist verfügt sie über einen unter Kennern sehr beliebten Zoo. Der Zoo Pilsen wurde 1961 gegründet und besitzt aufgrund seiner Fläche und hohen Spezialisierung mit über 1300 Tierarten den größten Tierbestand Tschechiens. Wie in Prag ist der Zoo ebenfalls an einem Berg gelegen – was die Unterteilung der insgesamt sechs oder sieben biogeographische Regionen unterstreicht. Nachttierhäuser sind in Pilsen reichlich vorhanden. Neben der Zuchtanlage für verschiedene Kleinsäuger und Vögel beinhaltet ein von außen recht unscheinbar wirkendes Kleinsäugerhaus unweit des Eingangs eine Nachtabteilung. Bei meinem Besuch 2012 waren in der Schau insgesamt 8 Nagetierarten, 5 verschiedene Kleinraubtiere, 4 Fledermausarten und 2 Primatenarten zu sehen. Besonders eindrucksvoll sind die Rufe der männlichen Gambia-Epauletten-Flughunde (Epomophorus gambianus) die sich mit Blütenfledermäusen (Glossophaga soricia) eine Vitrine teilen. In 2016 wurde in diesem Gehege das letzte in Europa übrig gebliebene Rhynchocyon cirnei gezeigt. Kleine (J. jaculus) und Große Wüstenspringmaus (J. orientalis) können ebenfalls sehr aktiv beobachtet werden. Die letzte Art konnte mehrfach erfolgreich nachgezüchtet werden. In 2016 waren in dem Gehege der vormaligen Großen Wüstenspringmäuse Vierzehen-Pferdespringer (Allactaga tetradylacta) ausgestellt. Neben den 2012 noch im Bestand befindlichen Syrischer Tigeriltis (Vormela peregusna syriaca), Libysches Streifenwiesel (Ictonyx libycus libycus) und Schakalen sind auch Kleine Ginsterkatzen (Genetta thieri) zu sehen. Diese kleinste Art der Ginsterkatzen wurde 2005 das erste Mal außerhalb der Heimatländer nachgezüchtet und wird außerdem nur noch in einem kleineren Tierpark in der Nähe von Aue (Deutschland) gehalten. Von den Hausratten (Rattus rattus) waren 2012 zwei verschiedene Farbformen ausgestellt, einmal die bräunlich-weiße Form frugivorus und die schwarze Form rattus. Leider sieht man diese Rattenart heute trotz ihrer massigen Verbreitung kaum noch in Zoos. Ein weiteres sehr interessantes Haus ist das Madagaskar-Haus in dem verschiedene Lemurarten (u.a. zwei Arten von Mausmakis (Microcebus), Fettschwanzmakis (Cheirogaleus medius) und Halsbandmakis (Eulemur collaris)) gehalten werden werden. Ebenfalls gezeigt werden die seltenen Madagaskar-Carnivoren: Östlicher Ringelschwanzmungo (Galidia elegans elegans) und Nördlicher Schmalstreifenmungo (Mungotictis decemlineata decemlineata). Hinter den Kulissen werden verschiedene Rennmausformen (Gerbillinae), Sandgräber (Bathyergidae)), Coruros (Spalacopus), Stachelmäuse (Acomys) u.v.a. Gleich drei Borkenratten-Arten werden in Pilsen gehalten. Dabei ist die Panay-Borkenratte (Crateromys heaneyi) nur hinter den Kulissen. Sie wird seit einiger Zeit auch nachgezüchtet. Ein relativ neuer Trankt ist das Südamerika-Haus, was sich unterhalb des Dino-Parks befindet. Hier werden verschiedene Krallenaffen, darunter auch Rotschulter-Tamarine (S. f. lagonotus). Eine vollständige Auflistung der Kleinsäuger-Bestände des Zoo Pilsen ist in den im Internet zu findenden Jahrbüchern verzeichnet.


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Anmeldungsdatum: 23.07.2005
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BeitragVerfasst am: 04.06.2016 16:28    Titel: Re: Pilsen: Fotos und Bericht Antworten mit Zitat

Klingt ein wenig wie ein Zoo der Superlative, was die Kleintiere angeht ... wie sind dort die Haltungsbedingungen?

Darf dort im Nachttierhaus geplitzt werden, oder warst du da während einer Führung?
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"Der Besitzer dieses Dokumentes ist berechtigt, sich seines Verstandes zu bedienen, Informationen zu produzieren, replizieren und konsumieren, sich frei und ohne Kontrolle zu entfalten in Privatsphäre und Öffentlichkeit.

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davX
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Anmeldungsdatum: 08.06.2004
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BeitragVerfasst am: 06.06.2016 23:43    Titel: Re: Pilsen: Fotos und Bericht Antworten mit Zitat

Danke für den Bericht Smile. Pilsen ist natürlich schon toll.
Gibts die Rüsselhündchen noch im Zoo? Mir waren die letzten Herbst und jetzt an der Frühjahrestagung der BAG nicht aufgefallen.

Was ich etwas schade an Pilsen fand, dass die Tiere teilweise nicht so zur Geltung kommen in den Gehegen, bzw. zum Fotografieren ist es teilweise recht ungünstig. Gerade zum Beispiel die Agoutis bei den Vögeln in diesem tollen, grossen Gehege, ich fand es wirklich faszinierend, aber mit einer besseren Tierpräsentation wäre ich sicher länger an diesem Gehege verweilt. Da war ich echt schwer beeindruckt von der Marahaltung in Hamburg (Hagenbeck), die da einfach so frei rumlaufen. Aber auch diverse andere Zoos haben so ihre Highlights. Zum Beispiel Burger's Zoo ist mir da besonders noch in Erinnerung geblieben, wohl auch weil ich noch nie so viele Leute mit riesigen Objektiven und richtig teuren Kameras durch den Zoo spazieren sah, wie in Arnhem. Andererseits macht die beste Tierpräsentation auch nicht so viel Freude, wenn die gezeigten Arten eher langweilig sind. Bei Kleinsäugerinteressierten können daher auch kleine Zoos manchmal ordentlich was bieten. Ich als Meerschweinchenfan muss natürlich zwangsläufig an Schönebeck denken, aber auch von Bernburg war ich schwer beeindruckt, was die aus ihrer Grösse gemacht haben. Und der Zoo der Minis in Aue war auch faszinierend... das Thema Kleinzoos in Deutschland wäre wohl ein interessantes Thema für sich.
Und was halt bei Pilsen auch auffällt, dass sie relativ pragmatisch bauen, was ich jetzt nicht schlecht finde. Aber wer Zoos der Superlativen in Bezug auf Gehege und Tropenhallen à la Gondwanaland Leipzig oder Burger's Desert/Bush, Masoala Halle Zürich etc. gesehen hat, wird in Pilsen nur Ansätze davon finden: sie haben auch schön gestaltete Anlagen und tolle neue Gehege, aber es sind andere Dimensionen und während man zum Beispiel eine grosse Tropenhalle vergebens sucht, so findet man wieder andere tolle Dinge, zum Beispiel die Klippschlieferanlage im Giraffen- oder Elefantenhaus (?), mit ihren riesigen Steinen, einem interessanten Tierbesatz aus Kapborstehörnchen und grossen Landschildkröten waren das glaubs, wenn ich mich noch richtig erinnere. Oder auch das Nordamerikahaus ist schön gemacht, wer Neuweltaffen mag, der wird sicher seine helle Freude am Amazonia-Bereich haben mit den vielen Affenarten, Tamarine in verschiedenen Arten etc. die alle draussen in den Freilauf können (wenn auch meist nicht gleichzeitig) und bei einer Gruppe gibt es sogar ein begehbares Gehege - das war im Herbst geöffnet (leider im Frühling bei der BAG Tagung nicht). Oder das Mittelmeerhaus mit den zahlreichen Schildkrötenarten nebeneinander. Es ist noch die alte Mentalität der Tiersammlung, jedoch modern und frisch interpretiert: die Tiere werden meist in recht modernen und oft auch recht geräumigen Anlagen gezeigt, auch gibt es nicht selten Artenvergesellschaftungen, welche einerseits grössere Gehege ermöglichen, andererseits aber auch den modernen Ansprüchen der Tiergartenbiologie gerecht werden, dass der Besucher einfacher auch verschiedene Arten nebeneinander vergleichen kann, ggf. auch Interaktionsverhalten beobachten kann, und auch für die Tiere ist es teilweise interessanter im Sinne von Enrichment, wenn sie nicht artrein leben, sondern es auch noch andere Tierarten gibt, die durch ihre Präsenz unter Umständen eine gewisse Bereicherung bringen, und je nach dem kann sogar ein bisschen was von der Ökologie gezeigt werden, dass wie im Lebensraum in der Wildnis, verschiedene Arten zusammenleben und je nach dem eben doch wieder getrennt sind, weil sie unterschiedliche Nischen besetzen.

Zitat:

Klingt ein wenig wie ein Zoo der Superlative, was die Kleintiere angeht ... wie sind dort die Haltungsbedingungen?

Was die gezeigten (und die nicht gezeigten Arten hinter der Kulisse) angeht definitiv und auch was den Wert des Zoos für die Kleinsäugerhaltung, für die gezeigten Kleinsäuger in anderen Zoos und für einen Verein wie die BAG Kleinsäuger angeht. Die Haltungsbedingungen sind teilweise recht gut. Wirklich schlechte Haltungsbedingungen kann ich mich spontan an nichts errinnern, wobei auch in Pilsen sicher nicht alles optimal ist. Wobei ich denke eher in Bezug auf das Fotografieren denn für die Tiere selbst, sind viele Gehege verbesserungswürdig. Was auch noch schön an Pilsen ist, das sind die gezeigten Pflanzen. Im Frühling war jetzt davon natürlich nicht so viel zu sehen (die botanische Garten Saison beginnt etwa Ende Mai, anfangs Juni, nach den Eisheiligen). Wer auch von der Artenvielfalt bei den Pflanzen profitieren möchte, der sollte zumindest im Sommer oder eben so wie ich im Herbst den Zoo besuchen. Sie haben zum Beispiel auch viele südamerikanische Pflanzen im Südamerikateil.
Für den normalen Zoobesucher dürfte der Zoo vermutlich eher weniger spektakulär sein, weil die Tatsache, dass er zum Beispiel neben der häufigen Rennmausart XY die in gefühlten 50 anderen europäischen Zoos auch gezeigt wird, daneben noch die seltene Rennmausart YZ aus der selben Gattung zeigt, die sonst nur noch in Moskau vielleicht oder in 1-2 anderen europäischen Zoos gezeigt wird, das ist dann ein Kriterium, bei dem sich dann zeigt, wer Zoos gezielt besucht, wegen den gezeigten Arten oder wer sein Augenmerk eher so wie die Mehrzahl der Besucher auf den Gesamteindruck weckt, so nach dem Motto, Giraffe haben wir gesehen, Elefanten auch, Krokodile (Anmerkung: es könnten auch Gaviale, Kaimane etc. sein, das spielt den meisten Leuten keine grosse Rolle, hauptsache krokodilähnlich) etc. Dass es hier dann aber bei den einzelnen Tieren je nach dem verschiedene Unterarten oder gar verschiedene Arten gibt, die es zu unterscheiden gilt, das ist interessiert die meisten Leute dann höchstens noch am Rande. Und ich muss gestehen, dass bei Tierarten, mit denen ich mich nicht so sehr auseinandersetze, ich das ähnlich halte wie mit den Pflanzen, da interessiert mich dann die genaue Systematik auch nicht wirklich, ausser es gibt triftige Gründe dafür (bei Pflanzen zum Beispiel wenn es giftige Arten darunter gibt oder dergleichen, bei Tieren wenn ich mich zum Beispiel mit einer Region beschäftige, in der eine bestimmte Art oder Unterart vorkommt...). Bei Kleinsäugern sieht es dann natürlich wieder anders aus, und da fiel es mir wirklich auch am stärksten auf, denn da hatte man die verschiedenen Arten teilweise gleich nebeneinander in getrennten Gehegen. Ich vermute so ähnlich dürfte es früher mal im Tiergarten Beriln ausgesehen haben.

Zitat:

Darf dort im Nachttierhaus geplitzt werden, oder warst du da während einer Führung?

Nein darf man eigentlich nicht. Ich hatte allerdings an der BAG Frühjahrestagung dann auch ein paar Mal geblitzt, weil gewisse Tiere bekommt man selbst mit lichtstarker Optik schlecht auf das Bild. Da ich letzten Herbst auch dort war, kann ich sagen, es gibt einen Trick für das Nachttierhaus, um nicht zu blitzen müssen: frühzeitig anreisen, am besten vor der Türöffnung oder kurz danach. ich war glaubs so um die 8 Uhr dort, dann gleich sofort zum Afrikahaus mit den Nachttieren, das sich übrigens nahe des Eingangs befindet. Ich hatte dann für nicht ganz eine Stunde noch Licht und konnte prima fotografieren und etwas vor 9 Uhr wurde dann das Licht ausgemacht. Der Tipp ist natürlich ohne Gewähr, aber meines Erachtens sollte man es versuchen, wenn man die Gelegenheit hat, weil man hat mehr von den Tieren, da viele der gezeigten Arten nicht so ausgesprochen nachtaktiv sind (was mich ehrlich gesagt beim ersten Besuch selbst ziemlich überraschte).

Mein ganz persönlicher Eindruck von Pilsen ist durchaus positiv, ich würde ihn aber eher im vorderen Mittelfeld der Zoos, die ich bisher besucht habe, einordnen, jetzt basierend auf dem Erlebniswert (die gezeigten Arten sind für mich eher von sekundärer Bedeutung, da ich nicht gezielt Fotos von bestimmten Tierarten sammle, ganz im Gegensatz zu den Pflanzen *g*). Die Pflanzen waren denn auch für mich das grösste Highlight, denn Pilsen ist bisher der Zoo mit der grössten und auch spannensten Sammlung an südamerikanischen Pflanzen, die ich bisher gesehen habe und auch die Vielfalt bei der einheimischen Flora (also tschechische Pflanzenwelt), die gezeigt wurde, getrennt nach Lebensräumen, fand ich beeindruckend (selbst wenn ich Pilsen mit botanischen Gärten vergleiche, ist er bezüglich der gezeigten südamerikanischen Arten unter den besten, auch wenn vielleicht Barcelona oder Isla Brissago und natürlich der Jardin Mapulemu/Santiago noch mehr überzeugt haben, aber auch vom Gesamtkonzept her mischt er relativ weit vorne mit, was für einen Zoo was heissen will). Bei den Tieren fand ich natürlich das Afrika-Nachthaus toll. Angesichts des Rufs, der dem Zoo vorauseilt, hätte ich jedoch erwartet, dass das Haus etwa 3 mal so gross wäre und dementsprechend die dreifache Menge an Arten zeigen würde (beispielsweise auf mehreren Etagen verteilt, wobei man einen guten Teil jetzt nicht abgedunkelt in einem Nachthausteil zeigen müsste). Das wäre für mich denn auch die "ideale" Vorstellung (sofern es denn sowas geben dürfte) von dem Kleinsäuger-Mekka. Da ich jedoch wenige Zoos kenne, die überhaupt so etwas wie ein Kleinsäugerhaus haben, das in konzentrierter Weise verschiedene Kleinsäugerarten zeigt, und man bei den meisten Zoos ohnehin die Kleinsäuger irgendwo zwischen den Grosssäugern in deren Tierhäusern versteckt findet und oft auch verteilt auf viele verschiedene Standorte im Zoo, hielt sich da meine Enttäuschung in Grenzen. Es gab letztlich schon verschiedene Gehege, da konnte ich länger davor verweilen und es sind mir im Nachhinein viele gute Sachen in Erinnerung geblieben, die aber halt eher gute Details sind.
Es sind aber auch diese Details und die Tatsache, dass man merkt, wie dieser Zoo im Wandel ist, dass der Zoo bei mir vorne auf der Liste steht bei Zoos, die ich wieder besuchen würde und ich denke, ich würde wieder genug neue Dinge entdecken.
Wenn ich dann noch mit einbeziehe, dass alleine die Reise nach Tschechien ein kulturelles Erlebnis ist und dass eben für Jemand, der noch nie in Pilsen war, die dort gezeigte Artenvielfalt schon beeindruckend ist, so kann ich doch einen Besuch wärmstens empfehlen. Man sollte aber nicht zu hohe Erwartungen haben, sondern sich eher davon überraschen lassen, von den vielen Details und einer Liebe auf den zweiten Blick (zumindest bei mir war es so). Ach ja, und man sollte mehr als einen Tag einplanen, auch wenn man den Zoo in einem Tag besuchen kann, so ermöglicht zumindest eine Übernachtung einen etwas längeren Besuch und dass man auch noch ein bisschen was von der Stadt selbst sieht.
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Anmeldungsdatum: 23.07.2005
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BeitragVerfasst am: 07.06.2016 15:34    Titel: Re: Pilsen: Fotos und Bericht Antworten mit Zitat

Für die meisten guten Zoos braucht man einfach mehr wie einen Tag - spätestens dann, wenn man auch Tiere photografieren will.
Schließlich zeichnen sich Tiere genau dadurch aus, daß sie mal aktivere Tage haben und mal eher Schlafmützen sind - oder sich erst gar nicht zeigen wollen.
Selbst, wenn man nur die Fütterungszeiten mitnehmen würde, hätte man das Problem, daß die gefütterten Tiere mal extrem unphotogen sich ans Futter heranschleichen, am nächsten Tag aber wieder ein wirklich guter Schnappschuß nach dem Anderen möglich ist ... man kann es nicht vorhersagen.

Die Kombination von Botanik und Tiere tönt wahnsinnig interessant.
Kleinere weniger schöne Ecken hat man in jeder Tierhaltung!
Gibt keine Tierhaltung, welche keine Wünsche offen läßt - nur bei einigen Zoos (und Tierhaltungen) sind halt diese Dreckecken doch etwas zu sehr augenfällig, da hat ja selbst der Durchschnittsbesucher eher Mitleid mit den Tieren, wie daß er begeistert ist ... für einen modernen Zoo reicht die Tiersammlung möglichst vieler Tierarten lange nicht mehr aus, die Ansprüche der Zoobesucher sind halt doch sehr gestiegen - und irgendwie kommt das ja doch auch den Tieren zugute, weil diese mehr Platz bekommen, lustiges Beschäftigungsmaterial in ihren Ersatzlebensraum bekommen (was dann natürlich die Zuschauer wieder freut, weil das teilweise recht witzig ist, anzusehen Very Happy), einen strukturierteren Lebensraum bekommen, was wiederum Photografen anlockt etc.
Es ist also eine Win Win Situation.
Man sieht das momentan sehr schön am Tierpark Berlin - Herr Blaszkiewitz hatte einfach nur immer mehr Tierarten in den Tierpark Berlin gepackt und war sonst doch sehr konservativ, was die Tierhaltung angeht - kurzum, nackte, gekachelte, leicht zu reinigende Käfige mit eventuell kleinen vergitterten Außenausläufen davor reichte ihm absolut aus. Die Besucherzahlen waren unter seiner Herrschaft leicht rückgängig, der Tierpark machte rote Zahlen.
Herr Knieriem dagegen kündigte an, die Artenanzahl dieses Zoos zu verringern und ein stimmiges Konzept auzuarbeiten, um Tiere besser zeigen zu können - also so, daß man die Tiere auch ohne Gitter beispielsweise betrachten kann oder schlicht und einfach mehr Platz für die Tiere, Beschäftigungsmaterial, begehbare Volieren usw usf (ach ja - und ganz wichtig, ne Eisenbahn, damit der arme Besucher sich keine Blasen mehr laufen muß ... *hüstel*)
Die Folge sind deutlich ansteigende Besucherzahlen, inzwischen kommen doppelt so viele Besucher in den Tierpark, wie noch zu Zeiten des Herrn Blaszkiewitz. Jetzt muß man halt abwarten, ob das Konzept stimmt und der Tierpark irgendwann trotz der hohen Investitionskosten schwarze Zahlen schreibt.

Was Nachttierhäuser angeht - was mich dabei ein wenig wundert ist, warum hat noch niemand ausprobiert, ob es sich nicht einrichten läßt, einen Photografengang zu machen ... heißt also, im vorderen Bereich sind die ganz normalen Schaukäfige, die bei Nacht gezeigt werden, damit der Durchschnittsbesucher die Tiere bei Nacht beglubschen kann. In der Mitte sind die Versorgungsgänge und was man da halt so braucht - und nach hinten gibts nochmal Schaubilder, wo die Tiere aus den nächtlichen Schaubereichen über kleine Gänge nach hinten wackeln können und sich dort besondere Leckerbissen oder so suchen können, die es nur dort gibt - aber das alles voll ausgeleuchtet und mit gegenüberliegender schwarzer Wand mit abgedunkeltem Photografengang, der es der photoschußwütigen Gemeinde erlaubt, die Tiere bei vollem Licht zu schießen ...
Wenn ich solche Tiere, wie beispielsweise Mausohren, beobachte, wie sie unter Laternen oder selbst supergrellen Baulampen ihre Leckerbissen in Form von Nachtschmetterlingen wegfangen, ohne sich von diesem Dauerfeuerlicht davon abhalten zu lassen, müßte das theoretisch auch im Zoo im Nachttierhaus klappen. Diese Photografenschaubilder brauchen dann nicht mal sonderlich tief zu sein, wenn man für saubere Scheiben sorgt und nicht allzuviele Kleinkiddies mit vollgeschmadderten Fingerchen da drantatschen, sondern sie müssen nur interessant aufgebaut sein, so daß man die Tiere seiner Begierde in "natürlichem Habitat" sozusagen photografieren kann und nicht vor langweiliger Betonwand.
Ein Schild mit: "Nur für Photografen" sollte theoretisch die Scheiben vor den meisten Patschehändchen schützen, insbesondere, wenn dieser Gang separat ohne Verbindung zum Hauptgang geführt wird.
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BeitragVerfasst am: 09.06.2016 00:38    Titel: Re: Pilsen: Fotos und Bericht Antworten mit Zitat

Zitat:

Für die meisten guten Zoos braucht man einfach mehr wie einen Tag - spätestens dann, wenn man auch Tiere photografieren will.

Ja eigentlich schon, wobei was heisst da fotografieren? Nur schon, wenn man sie richtig intensiv beobachten will, kann man pro Tierart locker 1-2 Stunden in den Sand setzen... naja, in den Sand gesetzt ist es nicht, aber es ist halt schon ein Unterschied, ob man nur schnell durch den Zoo huscht oder man sich wirklich Zeit zum Beobachten nimmt.

Zitat:

Kleinere weniger schöne Ecken hat man in jeder Tierhaltung!

Ja das stimmt, wobei meistens immer etwas die selben Schwachpunkte sind: Greifvögel, Raubkatzen, Menschenaffen und oft auch die grossen Herbivoren (wobei viele Zoos da in den letzten Jahren zumindest bei diesen Grosssäuger viel getan haben und man manche auch gut in Gruppen in Grossanlagen halten kann, z.B. Zebras, Giraffen und Gazellen oder so).

Zitat:

für einen modernen Zoo reicht die Tiersammlung möglichst vieler Tierarten lange nicht mehr aus, die Ansprüche der Zoobesucher sind halt doch sehr gestiegen

Für meinen Geschmack hat das Pendel ehrlich gesagt ein bisschen zu stark in die Gegenrichtung umgeschlagen. Zwar finde ich es gut, dass die meisten Zoos von der Sammelhaltung, getrennt in winzigen Buchtenkäfigen oder winzigen Anlagen, weggekommen sind, aber dass nun meist nur ein paar wenige bekannte Arten/Kleinsäuger gehalten werden und dass viele Zoos sich da dann gleichen, nimmt dem Zoo die Möglichkeit, wieder auf die Artenvielfalt und die Systematik aufmerksam zu machen, und dass es bei vielen Tierarten nicht nur eine Art gibt, sondern dass man die Taxa auch gleich nebeneinander im Vergleich sehen kann. Das Sammungskonzept dürfte meines Erachtens wiederum stärker aufgegriffen werden, auch wenn man das jetzt nicht über den gesamten Zoo durchziehen sollte.
Wenn ich in den meisten Zoos Schwarzschwanzpräriehunde, Erdmännchen, Meerschweine und Kaninchen sehe, dann ist das ziemlich langweilig, bzw. was dann wirklich noch interessant ist, wenn diese Arten dann speziell gehalten werden. Gerade die Präriehunde können sehr ansprechend gehalten werden. Erdmännchen wiederum sind Monster und der Todfeind einer schönen Gehegeeinrichtung, gerade wenn es denn Pflanzenbewuchs sein soll, der wird im Nu ausgebuddelt...
Bei Meerschweine und Kaninchen kann ich zwar noch verstehen, dass die in den Streichelzoo müssen und daher für die meisten Zoos recht unentbehr.
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BeitragVerfasst am: 09.06.2016 11:09    Titel: Re: Pilsen: Fotos und Bericht Antworten mit Zitat

Ich denke, das ist weniger ein Problem der Tiersammlung, sondern mehr ein Problem, daß viele Zoos sich nicht von anderen Zoos unterscheiden wollen, weil es einfach ganz bestimmte Tiere gibt, die jeder Zoo "braucht":
- Elefanten
- Nashörner
- Eisbären
- Nilpferde
- Giraffen
- Menschenaffen

Tja ... und genau damit haben wir sehr anspruchsvolle Tierarten beisammen, die teils noch nicht mal artgerecht in einem Zoo gehalten werden können.
Dabei zeigen etliche Tierhaltungen, daß eine Spezialisierung auf bestimmte Themen und die gelungene Umsetzung dessen deutlich mehr Besucher anlockt - warum soll ich auch in den Zoo XY über lange Strecken fahren, wenn ich dasgleiche Angebot auch vor der Haustür hab?
Auch hier gibt es Zoos, die da mit gutem Beispiel vorangehen, beispielsweise Zoo Frankfurt, der schon lange mehr keine Elefanten hat, die Nilpferde hat aussterben lassen und sich dafür aber auf die Zucht seltener Katzenarten mehr und mehr spezialisiert. Wenn alles geklappt hätte, gäbe es im Zoo Frankfurt nicht mal mehr Nashörner ... ok, momentan gibts im Zoo Frankfurt einen langandauernden Stillstand, weil einfach die Planung der Weiterentwicklung des Zoos mal wieder an der wirtschaftlichen Realität scheitert.

Insofern finde ich die Beschreibung von Zoo Pilsen irrsinnig interessant - Botanischer Garten kombiniert mit Zoo ... das ist etwas, was seinesgleichen sucht, das gibt es nicht bei mir vor der Haustür!
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Kerodon
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Anmeldungsdatum: 02.06.2016
Beiträge: 13

BeitragVerfasst am: 09.06.2016 13:15    Titel: Antworten mit Zitat

Danke für die zahlreichen Antworten. Für mich persönlich ist der Zoo Pilsen einer der besten in Europa. Das liegt natürlich daran dass ich kleinsäugerisch geprägt bin, also hier auch meinen Fokus lege und man mich damit begeistern kann. Dabei schneiden dann so manche Großzoos mit weniger kleinen Arten eben schlechter ab. Der Fokus liegt in Pilsen eben auf dem Tier und nicht auf der Kulisse, so wie man es vielleicht in den Zoos Hannover oder Gelsenkirchen wiederfindet. Hinter den Kulissen gibt es eben auch Arten, die man sonst nie zu Gesicht bekommt. Als Sandgräber-Fan wäre da zum Beispiel der Silbergrauen Erdbohrer (Einzeltier). Einfach total irre mal ein solches sonst rein subterran lebendes Tier zu sehen.

Was die Artensammlerei angeht bin ich zwiegespalten. Drei Zebra-Arten nebeneinander wie im TP Berlin finde ich zum Beispiel sinnbefreit. Andererseitts ist es interessant die Unterschiede zu sehen. Aber das interessiert den standart-Besucher wohl kaum. Hier würde ein Schild mit den verschiedenen Zeichnungen vielleicht reichen.

Zum Blitzfotografieren: Ich persönlich habe selten Tiere erlebt die sich wirklich dadurch gestört gefühlt haben. Blitze meine Tiere zuhause auch, aber eben nicht jeden Tag. Eher selten. Deswegen finde ich es durchaus sinvoll in Nachttierhäusern das Blitzen zu verbieten. Natürlich habe ich vorher gefragt ob ich blitzen darf.

Ich finde man könnte viel mehr mit den kleinen unscheinbaren Arten arbeiten. Zum Beispiel fände ich einmal ein europäisches/eurasisches Nachttierhaus total interessant. Einmal vielleicht einheimische Fledermäuse (denke da an Tiere die nicht mehr wieder ausgewildert werden können), dann Bilche, Igel, Eurasische Gleithörnchen. Alles Arten denen man recht gut gerecht werden könnte. Dagegen finde ich so mache Großsäuger eben überhaupt gar nicht geeignet für Zoos. Es ist eben die Frage ob man so den Besuchern gerecht wird. Die wollen nunmal Elefant, Tiger und Co sehen...
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Kerodon
Fellnase


Anmeldungsdatum: 02.06.2016
Beiträge: 13

BeitragVerfasst am: 09.06.2016 13:18    Titel: Re: Pilsen: Fotos und Bericht Antworten mit Zitat

davX hat Folgendes geschrieben:

Gibts die Rüsselhündchen noch im Zoo? Mir waren die letzten Herbst und jetzt an der Frühjahrestagung der BAG nicht aufgefallen.


Ja, es ist aus dem TP Berlin nach Pilsen gekommen Wink.
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davX
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Anmeldungsdatum: 08.06.2004
Beiträge: 8408
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BeitragVerfasst am: 10.06.2016 00:56    Titel: Re: Pilsen: Fotos und Bericht Antworten mit Zitat

Zitat:


Ich denke, das ist weniger ein Problem der Tiersammlung, sondern mehr ein Problem, daß viele Zoos sich nicht von anderen Zoos unterscheiden wollen, weil es einfach ganz bestimmte Tiere gibt, die jeder Zoo "braucht":
- Elefanten
- Nashörner
- Eisbären
- Nilpferde
- Giraffen
- Menschenaffen

Tja ... und genau damit haben wir sehr anspruchsvolle Tierarten beisammen, die teils noch nicht mal artgerecht in einem Zoo gehalten werden können.

*g* ich glaube, da sind wir uns alle einig. Es gibt zwar schon massive Verbesserungen, wenn ich zum Beispiel daran denke, dass die Elefanten im Zoo Zürich neu eine Anlage mit 1 ha Fläche haben und selbst die Innenhalle ist verglichen mit anderen Zoos recht gross. Als ich dann hörte, dass Köln 2 ha haben soll, habe ich nicht schlecht gestaunt. Was die ganze Sache wieder etwas relativiert, wenn auf einer solchen Fläche mehrere Gruppen gehalten werden. Aber auch wenn die Fläche nur für eine Gruppe wäre, wenn man überlegt, ist wohl auch 1 ha nicht besonders viel, gerade wenn man bedenkt, welche Strecken die Elefanten so wandern in der Wildnis, dann relativiert sich das. Aber immerhin es ist schon deutlich mehr, als über viele Jahrzehnte als Standard betrachtet wurde. Eisbären sind im Prinzip das selbe in Grün, die legen in der Wildnis ja auch grosse Strecken zurück, kommt noch dazu, dass das Klima bei uns für sie nicht gerade so optimal ist.
Menschenaffen finde ich immer ein sehr heikler Punkt. Ich habe viele Haltungen gesehen und die meisten sind mehr schlecht denn recht. Eher positiv in Erinnerung diesbezüglich blieben mir nur wenige Zoos, unter anderem Lissabon (da haben sie grosse Freilandanlagen), dann Arnhem und ich glaube entweder Rotterdam oder Artis/Amsterdam hatten auch noch recht geräumige Aussenanlagen. Als Negativbeispiele sind mir die ehemaligen Affenanlagen in Zürich (wie es heute ist, da habe ich keine Ahnung) und Usti (Tschechien) in Erinnerung und in Wuppertal war sie auch nicht so toll, wobei ich anmerken muss, dass ich um die Menschenaffenanlagen meistens eher etwas einen Bogen mache, weil in der Regel gibt es dort keine Kleinsäuger, die interessant wären und die Haltung ist eben oftmals nicht so toll. Gerade aber Lissabon hatte mich da echt überrascht, die hatten eine attraktive Anlage, die auch für den Besucher was hergibt und mit Infotafeln über die Menschenaffenforschung (Louis Leakey's Schützlinge, Fossey, Goodall und Galdikas).

Zitat:

Insofern finde ich die Beschreibung von Zoo Pilsen irrsinnig interessant - Botanischer Garten kombiniert mit Zoo ... das ist etwas, was seinesgleichen sucht, das gibt es nicht bei mir vor der Haustür!

Vor der Haustür nicht, aber die Wilhema hat den Anspruch Zoo und botanischer Garten zu sein. Ist zwar auch schon wieder eine Weile her und ich muss sagen, so schlecht haben sie das nicht umgesetzt, aber im Vergleich zu Pilsen sind es, sofern ich mich noch auf meine eher vagen Erinnerungen stützen kann, doch Welten im Unterschied, weil in Pilsen sie meines Erachtens das Konzept des botanischen Gartens am konsequentesten und am überzeugesten umgesetzt haben. In spanischen Zoos beispielsweise gibt es oft Zoo und botanischer Garten, wobei man da "botanischer Garten" in Anführungszeichen setzen kann. Sie haben an Pflanzen in der Regel die heimische Flora und da auch gerade so die bekanntesten Arten und dann einige bekannte exotische Gewächse. Wenn es hoch kommt, gibt es vielleicht eine kleine Sammlung mit verschiedenen Kakteen oder so. Und viele zoologischbotanische Gärten ausserhalb der iberischen Halbinsel gehen auch weit über dieses Konzept hinaus. Pilsen ist da anders, sie gehen sogar soweit, dass es für Pflanzen extra kleine Treibhäuser gibt, das sieht dann aus wie eine Glasvoliere und die Leute suchen dann nach den Tieren drin, aber es gibt natürlich keine.
Sie haben, wie ich schon erwähnte, im Vergleich zu anderen Zoos mit Pflanzenbeigemüse, recht umfangreiche Sammlungen an eher exotischen Pflanzen, geobotanisch getrennt und auch ein Nutzpflanzengarten im Südamerikateil lässt sich durchaus vergleichen mit so manchem botanischen Garten (wobei letztere da meist noch etwas ausführlicher sind). Wo es mich aber wirklich fast umgehauen hat, wie umfangreich sie der einheimischen Flora und den verschiedenen Vegetationsgesellschaften und Pflanzenlebensräumen detailliert Raum spendeten und mit umfangreichen und auch gut bebilderten Infotafeln das Ganze abrundeten. Im Vergleich zu so manchem zoologischbotanischen Garten spürt man da wirklich die Wissenschaft dahinter, wie sie bis fast ins letze Detail das ganze Konzept durchdringt, eben so wie man es sonst fast nur von botanischen Gärten her kennt.
Natürlich, da das Meiste auf Tschechisch ist, versteht man dann nicht so viel, aber das ist dann wiederum eine andere Geschichte. Wobei ich sagen muss, dank schönen Grafiken, bekommt man trotzdem was mit über und je nach dem gibt es teilweise auch englischsprachige Infos, wobei auch da lässt mich mein Gehirn im Stich, wie es explizit bei den Pflanzen aussieht, bei den Tieren würde ich etwa schätzen, dass ungefähr 30% der Infotexte auch oder nur in Englisch sind, der Rest ist auf Tschechisch. Bei den Pflanzen vermute ich, ist es noch extremer, zumindest was die Pflanzennamen angeht, sind gute Kenntnisse der botanischen Namen sehr zu empfehlen. Und man muss auch damit rechnen, dass die eine oder andere Pflanze noch mit einem alten oder synonymen Namen beschriftet ist (wobei das gibts auch im botanischen Garten Zürich, der zum Beispiel die Walderdbeere seit vielen Jahren hartnäckig als Potentilla vesca, statt Fragaria bezeichnet und ich muss da noch ergänzen, dass er ansonsten wirklich recht fix ist mit den Namen).

Zitat:

Auch hier gibt es Zoos, die da mit gutem Beispiel vorangehen, beispielsweise Zoo Frankfurt, der schon lange mehr keine Elefanten hat, die Nilpferde hat aussterben lassen und sich dafür aber auf die Zucht seltener Katzenarten mehr und mehr spezialisiert. Wenn alles geklappt hätte, gäbe es im Zoo Frankfurt nicht mal mehr Nashörner ... ok, momentan gibts im Zoo Frankfurt einen langandauernden Stillstand, weil einfach die Planung der Weiterentwicklung des Zoos mal wieder an der wirtschaftlichen Realität scheitert.

Frankfurt gehört auch zu den Zoos, bei denen ich denke, dass ich einen zweiten Besuch abstatten sollte, da es einfach beim ersten Besuch nicht genug Zeit war. Wie wir damals durch das Tierhaus düsten, war eigentlich schon Frevel und zu allem Übel hatte ich kaum noch Akku. Normalerweise plane ich es in den Zoos ja so, dass das Kleinsäugerhaus oder die interessantesten Gehege zuerst kommen und dann am Schluss komme ich oft nochmals zurück.
Apropos wirtschaftliche Realität, was mich doch etwas erstaunt, dass sie nicht mehr Sponsoren an Land ziehen können für interessante Umbauprojekte. Frankfurt ist doch die Finanzmetropole, so wie in der Schweiz Zürich (oder Genf, aber letztere haben keinen Zoo) und da beherrscht man es wirklich gut, die Grosskonzerne für sich zu gewinnen, dass diese neben der Bevölkerung und reichen Leute, die dem Zoo gleich ein Legat vermachen, viel Geld zusammenbringen für üppige Anlagen, wobei es nicht nur teure Anlagen sind, sondern wie gerade die Masoala-Halle zeigt, gibt es auch Projekte, die sehr gut durchdacht sind und bei denen sie der Konkurrenz um Jahre voraus sind. Ich finde die Masoalahalle immer noch einmalig, obwohl Gondwanaland grösser ist und auch Arnhem bezüglich Kosten und Aufwand da in nichts nachsteht, ja sie gingen wohl als Pioniere voraus. Aber nirgendwo findet man den Ansatz so perfektioniert, dass man in ein Stück Regenwald eintauchen kann, in dem die Tiere (bis auf wenige Ausnahmen) frei sich bewegen können, und ich rede hier nicht nur von Vögeln oder Schmetterlinge, sondern vom ganzen Programm, neben Vögeln und Insekten eben auch Kleinsäuger (Mausmaki, sieht man zwar kaum, aber ich hatte bei einer Abendführung mal das Glück einen zu sehen), Lemuren (der Mausmaki ist zwar auch ein Lemur, hehe), Reptilien (Taggeckos)... und dann eben auch die Pflanzen sind überwiegend diejenigen, welche im Masoala-Regenwald in Madagaskar vorkommen. Auf Infotafeln wird verzichtet, dafür gibt es Bestimmungsbücher (Field Guide), sogar einen, den man im Zooshop kaufen kann. Was mich auch noch beeindruckt, dass der grösste Teil der Halle nicht zugänglich ist und den Tieren als Rückzugmöglichkeit dient. Seit einiger Zeit gibt es nun auch einen Baumwipfelpfad, welcher die Halle nochmals aufwertet, da man jetzt auch von der Perspektive von oben Naturbeobachtungen machen kann.

Zitat:

Ich finde man könnte viel mehr mit den kleinen unscheinbaren Arten arbeiten. Zum Beispiel fände ich einmal ein europäisches/eurasisches Nachttierhaus total interessant. Einmal vielleicht einheimische Fledermäuse (denke da an Tiere die nicht mehr wieder ausgewildert werden können), dann Bilche, Igel, Eurasische Gleithörnchen. Alles Arten denen man recht gut gerecht werden könnte. Dagegen finde ich so mache Großsäuger eben überhaupt gar nicht geeignet für Zoos.

Dem kann ich nur zustimmen. Ich würde zwar eher ein südamerikanisches Nachttierhaus bevorzugen oder ein afrikanisches wäre auch was, aber grundsätzlich wäre doch gerade die Idee, wenn die Zoos sich mehr darauf besinnen würden, dass nicht alle das Gleiche machen, dass sie verschiedene Schwerpunkte setzen und dann hätte der eine halt ein Europäisches oder Eurasisches, ein anderer ein Afrikanisches und wieder ein anderer vielleicht auch ein Nordamerikanisches Nachttierhaus.
Bei der Umsetzung sollte man allerdings auch bedenken, dass so manche nachtaktive Art durchaus sich auch an der Sonne zeigen kann. Gerade bei den Chinchillas fand ich das eindrücklich. Vielleicht hängt das dort auch noch mit dem Feinddruck zusammen, jedenfalls für mich war das so ein Punkt wo ich dachte, dass die Natur wieder mal nicht so schwarz-weiss ist, wie man es oft gerne haben möchte. Ist ja auch ähnlich mit den Pflanzenfressern. Manche Leute wollen denen oft gerne andichten, dass sie sich vegetarisch oder gar vegan (Peta-Sprech) ernähren. Wenn ich dann aber in Ernährungsstudien sehe, dass da unter anderem dann auch Insekten in kleineren Mengen auftauchen, teilweise deutlich über 1%, bei Degus soll es gar eine Studie geben, da ist von etwa 5% die Rede. Dann Beobachtungen von Tierhaltern, zum Beispiel, dass Chinchillas Weberknechte jagen oder bei Meerschweinchen hört man öfters mal, dass sie Schnecken fressen sollen und wir hatten an einer der BAG-Tagung auch das Thema, dass Meerschweinchenverwandten etwas tierisches Protein gut bekommt.

Zitat:

Was die Artensammlerei angeht bin ich zwiegespalten. Drei Zebra-Arten nebeneinander wie im TP Berlin finde ich zum Beispiel sinnbefreit. Andererseitts ist es interessant die Unterschiede zu sehen. Aber das interessiert den standart-Besucher wohl kaum. Hier würde ein Schild mit den verschiedenen Zeichnungen vielleicht reichen.

Wobei das haben sie, wenn ich mich da recht erinnere, doch auch. Das war etwas, das mir vom Tierpark noch geblieben ist, die vielen liebevollen Zeichnungen, die über Tierarten, Verhalten und andere Dinge informieren. Den Platz haben sie grundsätzlich auch, aber gerade bei Zebras kann man sich natürlich schon fragen, ob es da sinnvoll ist.

Zitat:

Für mich persönlich ist der Zoo Pilsen einer der besten in Europa. Das liegt natürlich daran dass ich kleinsäugerisch geprägt bin, also hier auch meinen Fokus lege und man mich damit begeistern kann. Dabei schneiden dann so manche Großzoos mit weniger kleinen Arten eben schlechter ab. Der Fokus liegt in Pilsen eben auf dem Tier und nicht auf der Kulisse, so wie man es vielleicht in den Zoos Hannover oder Gelsenkirchen wiederfindet. Hinter den Kulissen gibt es eben auch Arten, die man sonst nie zu Gesicht bekommt. Als Sandgräber-Fan wäre da zum Beispiel der Silbergrauen Erdbohrer (Einzeltier). Einfach total irre mal ein solches sonst rein subterran lebendes Tier zu sehen.

Meine persönliche Erfahrung ist, dass die Erfahrung und die Wahrnehmung eine grosse, subjektive Rolle spielt. Schönebeck gehört ehrlich gesagt zu meinen absoluten Highlights, weil ich hatte zwar schon recht hohe Erwartungen (so wie auch beim Tierpark Berlin oder Pilsen), musste dann feststellen, dass sie nicht mal eine richtige Kasse haben und noch kleiner sind, als ich vermutete, aber bei der gezeigten Arten war mit dem Fokus südamerikanische Nager, dann Ziesel, Zwergmäuse und andere interessante Arten genau mein Geschmack. Und dann erst die Tiere hinter der Kulisse, da noch was und dort noch eine Rarität, Tiere zur Abgabe, wilde Goldhamster... Es passte einfach alles. Pilsen hat zwar auch eine bemerkenswerte Anzahl an Arten hinter den Kulissen, aber ich müsste die wohl mal im kleineren Rahmen begutachten können.
Was die Kulisse der Zoos angeht, bin ich ehrlich gesagt zweigespalten. Einerseits finde ich gut umgesetzte Gehege toll, die auch versuchen ein Stück Lebensraum nachzuempfinden oder die zumindest die Haltung der Tiere aufwertet von den Strukturen her, so wie zum Beispiel bei der Kombianlage in Pilsen mit den Schliefern den Schildkröten und den Kaphörnchen. Gerade diese Anlage zeigt sehr schön, was ein guter Kompromiss ist für die Tiere, die Pfleger und die Besucher (welche die Tiere beobachten und fotografieren wollen). Wenn ich dann an die Gestaltung eines Wüstenhauses in Wien, Burger's Bush in Arnhem oder gar Gondwanaland in Leipzig denke, so sind die zwar alle sehr toll zum Ansehen, aber für meinen Geschmack kommen da die Tiere etwas zu kurz, weil sie letztlich genauso in kleinen Käfigen gehalten werden, die einfach besser für des Besuchers Auge getarnt sind. In Burger's Desert konnten, wenn ich mich richtig erinnere, zumindest die Vögel in der grossen Halle frei fliegen, was meinem Ideal einer attraktiven Haltung nicht nur für Besucher, sondern auch die Tiere deutlich näher kommt und auch schon in die Richtung geht, wie es in Zürich mit der Masoalahalle verwirklicht wurde. Da zeigt sich dann auch: solche kunstvollen Kunstwelten mit dem hundertsten Wasserfall und der hundersten Hängebrücke, über die die Besucher laufen können, wirkt schnell platt: nach ein paar Besuchen haben diese Dekorationen ihren Reiz verloren, aber ein Gehege, das nicht nur für die Menschen auf Hochglanz getrimmt wurde, sondern das vorallem auch für die Tiere gut gestaltet wurde, sei es nun, ob ein Stück Lebensraum versucht wurde sinnvoll nachzugestalten oder ob einfach für die Tiere geeignete Strukturen angeboten werden und das Gehege so attraktiv gestaltet ist, dass die Tiere ihr Verhaltensrepetoire besser ausleben können, dann ist ein Besuch dort auch noch nach dem 50sten Male spannend, denn wenn wir unsere Tiere beobachten, wird es uns auch nicht mit der Zeit langweilig.

Ich finde halt die ganze Ökologie spannend, dass Tiere ein Teil der Natur und eines grösseren Systems sind, dass eben die Natur das Verhalten der Tiere beeinflusst (Pflanzenwuchs, Klima etc.), aber auch dass umgekehrt die Tiere wiederum die Natur beeinflussen (Ecosystem engineering, aber auch simple Populationsdynamik, top-down/bottom-up Effekte: Herbivore, die durch ihre Populationen Feinddruck auf die Vegetation ausüben und diese beeinflussen, die aber wiederum durch Beutegreifer beeinflusst werden und wodurch indirekt ebenfalls wiederum der Pflanzenwuchs beeinflusst wird und zudem gibt es wiederum durch das Angebot an Beutetiere auch einen Einfluss auf die Population der Beutegreifer, deren Fortpflanzung und Überleben ebenso an ihr Nahrungsangebot gekoppelt ist). Und da kommen dann auch die Pflanzen ins Spiel als ein für Tiere äusserst wichtiger Faktor, selbst für Beutegreifer, die sich fast ausschliesslich tierisch ernähren, hat zum Beispiel die Form und Vielfalt der Pflanzen eine sehr wichtige Rolle. Manche nutzen gewisse Pflanzen als Verstecke, zum Beispiel gewisse Eulen nisten in Säulenkakteen, manche Greifvögel nutzen Bäume, Kakteen und Sträucher, um darauf zu sitzen und die Landschaft zu überwachen, und manche nutzen sie auch als Schattenspender, als Versteck, um nicht gesehen zu werden und manchmal sogar als Nahrung (die Früchte von manchen Obstbäumen werden teilweise auch von Füchsen gefressen). Und indirekt hat die Zusammensetzung der Vegetation wiederum einen Einfluss auf die Kleinsäugergesellschaften, die auf dem Speiseplan der Beutegreifer stehen.

Zitat:

Ja, es ist aus dem TP Berlin nach Pilsen gekommen Wink.

Jetzt bin ich doch neugierig, wo ist denn das Rüsselhündchen untergebracht?

Apropos noch eine ganz andere Frage, weisst du vielleicht, welche Wildmeerschweinchenart in Hamburg (Hagenbeck) zur Zeit gehalten wird? Laut Beschilderung soll es sich um das brasilianische/argentinische Flachlandwildmeerschweinchen Cavia aperea handeln, das gemäss Fachliteratur aber eher aggressiv ist und nur in Kleingruppen (Grössenordnung ca. 4-6 Tiere, davon ein Männchen, der Rest Weibchen und ggf. Nachwuchs) lebt und es soll auch nachtaktiv sein. Vor Jahren hatten sie in Zürich welche (ich glaube die sind mittlerweile hinter die Kulisse gewandert). Was ich aber im Frühling in Hamburg sah, war durchaus tagaktiv, überraschend gesellig (halt der charakteristische Mindestabstand, den Meerschweinchen zu Artgenossen halten, war deutlich zu sehen, aber es waren sicher gegen die 15-20 Tiere). Meine Vermutung wäre ja Cavia magna, da sie mittlerweile recht beliebt in den Zoos sind und auch eine gewisse Verbreitung gefunden haben und vorallem, weil sonst das was ich so gesehen habe, besser zu ihnen passen würde.
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BeitragVerfasst am: 10.06.2016 10:40    Titel: Re: Pilsen: Fotos und Bericht Antworten mit Zitat

Tierpark Hagenbeck hat diese Meerschweinchen als Cavia aparea gekauft - nach offizieller Zootierliste sind das auch immer noch Cavia aparea ... ohne Unterartenstatus.
Kann also alles mögliche sein ...

Cavia magna ist es allerdings mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht, denn die werden erst seit neuerer Zeit von der Universität Bielefeld aus kräftig in der Weltgeschichte verteilt.
Tja ... Cavia magna ist verträglich und vermehrt sich wie die Kanickel ... dazu kommt, daß es fast so wenig Ansprüche an die Unterbringung stellt, wie Hausmeerschweinchen. Also eigentlich die ideale Art für Zoos ...

Drei Zebraarten hätten in einem Zoo durchaus Sinn ... nämlich dann, wenn man auch die Lebensräume samt dem typischen Bewuchs mit darstellt. Dann hätten daneben auch die asiatischen Wildesel und das Przewalskipferd Sinn ...
Steppenzebras brauchen relativ weichen Grund, leben in fast baumlosen Steppen und, was man bei einem Landschaftspark mit Portionsweiden gut darstellen könnte, ist die Besonderheit, daß die Steppenzebras in der Lage sind, hohes Gras abzuweiden. Öffnet man eine Weide mit sehr hoch stehendem Gras, sind die Steppenzebras die Ersten, die man auf dem neuen Gelände findet ... erst, wenn das Gras auf ein sozialverträgliches Maß abgeweidet ist, folgen Gnus, Gazellen etc.

Bergzebras sind eigentlich anders, wie die Ausstellung in Zoos einem suggeriert, gar keine Steppentiere, sondern Bergtiere! Die könnten beispielsweise gut in einer künstlichen Berglandschaft mit hochgelegener Weide in der Mitte ausgestellt werden. Erst so sieht man, wie geschickt diese Zebras Bergpfade nutzen können und wie gut sie auch steile Hänge überwinden können.
Auf den Schautafeln könnte explizit darauf hingewiesen werden, daß die Bergzebras viel härtere Hufe haben, die nur auf solchen Felsenlandschaften genügend abgenutzt werden können - deshalb meiden sie ja den weicheren Steppenboden ...
Bergzebras könnten in einer Landschaft aus platter Wiese mit weichem Bodengrund und auf der anderen Seite auf felsigem Grund gut mit Steppenzebras vergesellschaftet werden - reicht die Fläche, wird man eine deutliche Aufteilung der beiden Arten sehen: die Steppenzebras halten sich die meiste Zeit auf dem weichen Untergrund mit viel Übersicht auf, die Bergzebras bevorzugen da eher die felsige Klettergegend.

Mit geschickter Artenauswahl, was neben den Zebras auf die Anlage könnte, könnte man diesen Effekt noch optisch verstärken - man sieht eine riesige Landschaft, geht am Zaun entlang und stellt fest, daß die bestimmte Tiere sich in dem einen Teil des Geheges knüppeln, die anderen aber lieber im anderen Teil rumfletzen ... und das, trotzdem doch eigentlich jede Tierart in jeden Bereich des Geheges könnten.

Die Grevys wiederum sind typische Bewohner offener Akazienbaumlandschaften ... sie nutzen sowohl weichen Bodengrund, als auch harten Bodengrund. Für sie ist allerdings eine buschigere Landschaft, wie für Berg- oder Steppenzebra, wichtig.
Leider wird man Grevys nicht unbedingt mit den anderen Zebraarten vergesellschaften können - sie reagieren doch recht aggressiv, vor allem bei beengtem Platz, wie es nunmal im Zoo der Fall ist. Aber schon die Gestaltung des Auslaufs mit Akazien und relativ viel Busch würde optisch klarmachen, daß Grevys gänzlich andere Lebensräume besiedeln, wie die Bergzebras ...

Das Przewalskipferd wäre dann der typische Vertreter der Wüstenlandschaften ... kaum Bewuchs, viel Sand ...

Konik oder Sorraia könnten als Nachfahren der Tarpane ausgestellt werden - in abwechslungsreicher Mosaiklandschaft ... um zu zeigen, daß sowohl die Koniks, als auch die Sorraias ein gänzlich anderes Verhalten zeigen, wie beispielsweise die von den Gebrüdern Heck nachgezüchteten Tarpan-Rückzüchtung, bräuchte es allerdings deutlich mehr Platz, wie selbst ein Landschaftszoo jemals aufbringen könnte - die Tarpan-Rückzüchtungen werden nämlich allesamt sehr schnell zahm, lassen sich streicheln etc, während Konik und Sorraia erstaunlich schnell verwildern und von sich aus einen deutlichen Abstand zum Menschen einhalten, sobald sie das vom Platzangebot her können.
Optisch sind sie nicht voneinander zu unterscheiden ...

So, wie mom Pferdeartige fast immer ausgestellt werden, ist es eigentlich egal, welchen Pferdevertreter man da reinstellt - kann auch der letzte Mix, aufgekauft vom Schlachthaus, sein. Will man Zebras haben, kann man da ja mal Streifen draufmalern, hat man auch Zebras ... mehrere Pferdeartige im Zoo machen nur dann Sinn, wenn man darstellt, wie verschieden diese Einhufer in Wirklichkeit leben, denn DAS ist das, was sie voneinander unterscheidet.
Hab ich so allerdings bislang noch in keinem Zoo gesehen ...

Kleintiere hätten natürlich den Riesenvorteil, daß man nicht gleich nen ganzen Hektar opfern muß, um solche Verhaltensunterschiede zu zeigen - oder das Einnischen verschiedener Arten in einem Lebensraum zu zeigen. In der Regel brauchen die viel weniger Platz, man kann viel mehr solcher Lebensraumtypen nebeneinanderstellen und verbinden und so zeigen, daß tatsächlich jedes Tier nach seiner Art auch den Lebensraum auswählt.
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BeitragVerfasst am: 10.06.2016 22:15    Titel: Re: Pilsen: Fotos und Bericht Antworten mit Zitat

Zitat:

Cavia magna ist es allerdings mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht, denn die werden erst seit neuerer Zeit von der Universität Bielefeld aus kräftig in der Weltgeschichte verteilt.
Tja ... Cavia magna ist verträglich und vermehrt sich wie die Kanickel ... dazu kommt, daß es fast so wenig Ansprüche an die Unterbringung stellt, wie Hausmeerschweinchen. Also eigentlich die ideale Art für Zoos ...

Da habe ich meine Zweifel. Die werden von verschiedenen Zoos gezüchtet, die Holländer haben welche, auch Schönebeck hat welche, mein Eindruck ist, sie werden häufiger gehalten als die Apereas, wohl auch, weil sie einfach auch attraktiver sind.
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BeitragVerfasst am: 10.06.2016 23:42    Titel: Re: Pilsen: Fotos und Bericht Antworten mit Zitat

Dann forsch mal nach, woher Schönebeck und Co die Magnas hat Wink

Sind alle ursprünglich aus Bielefeld ...

Noch vor ein paar Jahren waren es nur wenige Zoos, die Magnas hielten ... inzwischen scheint jeder Zoo sich die Magnas hat aufschwatzen lassen.
Und ja - inzwischen sind sie deutlich häufiger wie die Apareas!
Das ist eine Entwicklung von nur wenigen Jahren (najagut, inzwischen auch schon von etwas mehr wie einem Jahrzehnt)
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BeitragVerfasst am: 16.06.2016 05:53    Titel: Re: Pilsen: Fotos und Bericht Antworten mit Zitat

Wir drehen uns im Kreis, denn ich bezog mich ja ursprünglich auf diese Antwort von dir Wink:
Zitat:

Cavia magna ist es allerdings mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht, denn die werden erst seit neuerer Zeit von der Universität Bielefeld aus kräftig in der Weltgeschichte verteilt.
(Hervorhebungen von mir)

Ich bezog mich also nicht auf den Zweifel, dass diese aus Bielefeld kämen, sondern dass das erst seit kurzem so wäre, dass diese verteilt würden und darum es eben keine Magna sein könnten. Wink
Und du kommst ja auf eine ähnliche Einschätzung:
Zitat:

Noch vor ein paar Jahren waren es nur wenige Zoos, die Magnas hielten ... inzwischen scheint jeder Zoo sich die Magnas hat aufschwatzen lassen.
Und ja - inzwischen sind sie deutlich häufiger wie die Apareas!

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BeitragVerfasst am: 16.06.2016 12:47    Titel: Re: Pilsen: Fotos und Bericht Antworten mit Zitat

Dann reden wir aneinander vorbei ... mein Argument war, da diese Meerschweinchen schon so lange in Hagenbeck ausgestellt sind und lange vor dem Import der C. magna in Bielefeld schon nachgezüchtet wurden, nie aufgestockt wurden, nie verkauft wurden, daß es deshalb sehr unwahrscheinlich sei, daß es C. magna sind.
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BeitragVerfasst am: 17.06.2016 20:03    Titel: Re: Pilsen: Fotos und Bericht Antworten mit Zitat

Murx Pickwick hat Folgendes geschrieben:
Dann reden wir aneinander vorbei ... mein Argument war, da diese Meerschweinchen schon so lange in Hagenbeck ausgestellt sind und lange vor dem Import der C. magna in Bielefeld schon nachgezüchtet wurden, nie aufgestockt wurden, nie verkauft wurden, daß es deshalb sehr unwahrscheinlich sei, daß es C. magna sind.

Naja, soweit ich weiss, waren vor einigen Jahren dort in dem Gehege die Degus untergebracht. Ich kann mich zwar täuschen, aber vom Verhalten her finde ich es zumindest etwas seltsam, dass diese Apereas offenbar recht gesellig sind und relativ tagaktiv. Da liegt bei mir halt die Frage nahe, ob die Tiere wirklich korrekt bestimmt sind...
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