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Verhaltensbiologie: Mentale Fähigkeiten

 
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davX
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Anmeldungsdatum: 08.06.2004
Beiträge: 8573
Wohnort: Schweiz

BeitragVerfasst am: 11.07.2015 13:36    Titel: Verhaltensbiologie: Mentale Fähigkeiten Antworten mit Zitat

"Rechnende" Küken und Prägung

Hühnerküken können schon kaum nach dem Schlupf einfache Rechenaufgaben lösen. Sie sind ideal geeignet, um angeborenes Wissen zu testen denn sie sind als Nestflüchter für ihr Überleben nicht auf ihre Mutter angewiesen. Zudem haben sie kein angeborenes Erscheinungsbild ihrer Mutter und können so auf etwas anderes geprägt werden.

Die Arbeit mit der Prägung von Vögel wurde durch die Arbeit von Konrad Lorenz in der Öffentlichkeit bekannt:
Zitat:

Konrad Lorenz hat die Prägung von Küken in den 1930er-Jahre beschrieben. Bilder, auf denen der Biologe mit Graugans Martina zu sehen ist, gingen um die Welt.

Seine Martina war auf ihn geprägt. Der Wissenschaft und der breiten Öffentlichkeit hinterliess er zudem umfangreiche Beiträge und populärwissenschaftliche Bücher, in denen er seine Erfahrungen, Beobachtungen und Ideen/Theorien erläuterte.

Interessant ist aber auch die Arbeit eines anderen Verhaltensforschers, jene des italienischen Psychologen Giorgio Vallortigara von der Universität Trento (Trient):

Zitat:

[...] Vallortigara hat in seinem Versuch Hüher-Küken auf kleine gelbe Dosen geprägt, wie man sie aus Überraschungseiern kennt. Jedes Versuchsküken hatte viele "Mütter" und - wichtig für den Versuch - wollte auch jederzeit möglichst viele Dosen-Mütter um sich haben. Bei dem Versuch sassen die Küken in Glasboxen. Sie konnten zwar alles sehen, aber ihren Müttern nicht hinterhertrippeln. In Sichtweite der Küken befanden sich zwei Barrieren (eine links, eine rechts), hinter denen die Küken ihre Mütter verschwinden sahen. Zum Beispiel verschwanden zwei Dosen-Mütter hinter der linken Barriere und drei hinter der rechten. Nachdem die Mütter verschwunden waren, durften die Küken endlich ihre Box verlassen und zielstrebig hinter die rechte Barriere rennen, wo drei Mütter warteten. Damit hatte Vallortigara gezeigt, dass Küken zwischen den Zahlen 2 und 3 unterscheiden können.


Vallortigara trieb seine Experimente noch weiter und baute einfache Rechenaufgaben ein:

Und zwar wechselten einige Mütter vor den Augen der Küken ihren Platz, zum Beispiel verschwanden eingangs eine Mutter hinter der linken und vier hinter der rechten Barriere, dann wanderten zwei Mütter von rechts nach links. Das ergab dann für die linke Barriere die Rechnung 1+2=3 und für die rechte 4-2=2. Auch hier wieder entschieden sich die Küken richtig, sie rannten hinter die linke Barriere mit den drei Dosen-Müttern. In weiteren Versuchen zeigten sie, dass sie Additions- und Subtraktionsaufgaben im Zahlenraum von 0 bis 5 durchführen konnten.

Die Idee mit den Rechnungsaufgaben für Tiere ist übrigens nicht neu und beschäftigte die Verhaltensforscher schon seit Anfangs es 20. Jahrhunderts. Allerdings machte in den Anfängen eher eine unerfreuliche Entdeckung ihre Runde, der kluge Hans, der zwar nicht wirklich rechnen konnte, aber die subtilen Gesten seines Herrchens, welcher ihm die Rechenaufgaben stellte, gut lesen vermochte. Unter anderem erwähnt auch Temple Grandin in ihrem Buch "Animals in Translation" (Ich sehe die Welt wie ein frohes Tier) interessante Beispiele aus diesem Bereich der Wissenschaft.

Häher: Mentale Zeitreisen

Der Westliche Buschhäher (Aphelocoma californica) hat eine angeborene Veranlagung um Vorräte anzulegen und dabei gilt es einiges zu beachten und zu merken, zum Beispiel wann und wo das Futter versteckt werden muss, dass er es in Zukunft wieder findet. Dabei ist es auch wichtig, dass er beim Verstecken nicht beobachtet wird, zum Beispiel von einem Konkurrenten, der ihm danach seine Vorräte wegfressen könnte. Lässt es sich nicht vermeiden, dass er doch beobachtet wird, vesucht er zu einem späteren Zeitpunkt zurückzukehren und das Futter woanders zu verstecken.

Auch der Verderb von Futter spielt beim Verstecken eine Rolle. Die britische Verhaltensforscherin Nicola Clayton führte dazu ein Experiment durch:
Zitat:

In dem Versuch bekamen die Häher schnell verderbliche Würmer (ihre Lieblingsspeise) und lange haltbare Nüsse. Weil die Vögel satt waren, versteckten sie die Leckereien in mit Sand gefüllten Kästen. Zu einem späteren Zeitpunkt hatten die Vögel wieder Zugang zu den Kästen und konnten fressen. Es zeigte sich: Wurden die Vögel nach kurzer Zeit zu den Kästen gelassen, suchten sie nach den Würmern, die sie ja bevorzugten. Durften sie jedoch erst nach ein paar Tagen nach dem Futter suchen, suchten sie nach den weniger beliebten Nüssen. Offensichtlich hatten die Häher begriffen, dass Würmer nach einer so langen Zeit verdorben sind.

Quelle: "Mentale Zeitreisen" (Infokasten), in: Blick am Abend, Mi. 8. Juni 2015, S. 11.


Buch:
Bräuer, Juliane (2014): "Klüger als wir denken: Wozu Tiere fähig sind" Springer Spektrum, 312 S. Infos bei Amazon

Artikel
Rugani, R., Vallortigara, G., L.Regolin., "Numerical abstraction in young domestic chicks (Gallus galls)." in PLOS ONE, v. 8, n. 6 (2013), p. e65262. - DOI: 10.1371/journal.pone.0065262 (Volltext)

Weitere Artikel von Vallortigara: http://webapps.unitn.it/Ugcvp/it/Web/ProdottiAutore/PER0033020


Quelle:

Andrea Trueb (2015): Jöö, dieses Bibeli kann rechnen. 1, 2 oder 3 - klein flauschig und masslos unterschätzt: Die herzigen Hühner-Küken sind geborene Mathematiker. Hintergrund. Blick am Abend, Mi. 8. Juli 2015, S. 11.
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