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Komplementärmedizin für Nutztiere statt AB

 
   Degupedia-Forum » Kultur: Mensch, Tier, Natur » Komplementärmedizin für Nutztiere statt AB Alle Zeiten sind GMT + 2 Stunden
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davX
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Anmeldungsdatum: 08.06.2004
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BeitragVerfasst am: 18.12.2014 03:44    Titel: Komplementärmedizin für Nutztiere statt AB Antworten mit Zitat

Huhu,

gelegentlich findet man in den Medien auch interessante Beiträge. Kürzlich war etwas drin über die Schweiz, dass Nutztiere künftig mit alternativer Medizin statt mit Antibiotika behandelt werden sollen. Die Überlegung dazu, die Gefahr von zunehmenden Antibiotika-Resistenzen zu bannen.

Der Artikel erwähnt, dass im vergangenen Jahr in der Schweiz 53 384 kg Antibiotika für Tiere verkauft wurden. Zum die Relationen etwas zu verdeutlichen, in der Schweiz werden recht viele Nutztiere gehalten/gemästet und das in einem relativ kleinen Land mit 8 Mio Einwohnern (Deutschland hat mit 80 Mio zehn mal so viel) - dennoch zum Vergleich zu den Niederlanden dürfte wohl die Tierzahl deutlich niedriger sein (mein Eindruck, mag vielleicht subjektiv sein), ganz so extrem mit grossen Tierfabriken, ist es bei uns noch nicht, wobei es auch viele Massentierhaltungen gibt.

Dieser hohe Verbraucht rief jüngst die Politik auf den Plan:

"Deshalb fordert der FDP-Nationalrat und Landwirt Walter Müller den Bundesrat* in einem Vorstoss dazu auf, die Komplementärmedizin in der Landwirtschaft zu fördern. [...] Er habe in der Familie und auf dem Hof sehr gute Erfahrungen mit homöopathischen Mitteln gemacht.
Auf Globuli schwört auch Werner Ammann, Leiter des Pilotprojekts Kometian (komplementärmedizinisches Tierheilangebot), das Deutschschweizer Bauern über eine Hotline berät. Das Angebot beinhaltet Homöopathie, Akupunktur, Pflanzenheilmittel und anthroposophische Medizin."
Amman erinnert sich an eine Muttersau, die am "lebensbedrohlichen Rotlauf erkrankt war":
"Sie hatte über 42 Grad Fieber, war heiss wie eine Herplatte und hat sich nicht mehr bewegt"
Nach der Gabe von Bella-Donna-Globuli sie sie "innert einer Stunde" aufgestanden.

Wie immer bei solchen Themen sind auch die Kritiker laut, wenn es darum geht eine Meinung zu haben:
"Immunologe Beda Stadler aber warnt: «Die Wirksamkeit von Homöopathie ist pure Einbildung. Wenn man diesen Humbug auf die Tiere anwendet, ist das reinste Tierquälerei!»"

Quelle: "Säuli: Akupunktur statt Antibiotika" 20. Minuten, Mo. 15. Dez. 2014, S. 8
_____
* Bei uns ist der Bundesrat das, was in Deutschland die Bundeskanzlerin/Bundesregierung ist, statt einer/m Kanzlerin haben wir ein siebenköpfiges Gremium aus verschiedenen Parteien.
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Anmeldungsdatum: 08.06.2004
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BeitragVerfasst am: 21.12.2014 02:47    Titel: Re: Komplementärmedizin für Nutztiere statt AB Antworten mit Zitat

Nach mehrmaligem Durchgehen der Beiträge, habe ich mich dazu entschlossen, alles radikal abzutrennen, da die Diskussion (trotz ein paar wenigen Ausnahmen) engverknüpft ist und die Gefahr besteht, dass plötzlich Beiträge auseinandergerissen werden. Ich habe daher das Wichtigste zum Thema hier mal als Zitate noch zusammengetragen, und die Homöopathiediskussion bis auf den Anfang bewusst abgetrennt, die ist nun hier zu finden:
http://www.degupedia.de/forum/viewtopic.php?t=3408
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Anmeldungsdatum: 08.06.2004
Beiträge: 8531
Wohnort: Schweiz

BeitragVerfasst am: 21.12.2014 02:49    Titel: Re: Komplementärmedizin für Nutztiere statt AB Antworten mit Zitat

Hier sind noch die versprochenen Zitate aus der bisherigen Diskussion:

fred hat Folgendes geschrieben:

davX hat Folgendes geschrieben:
Wie immer bei solchen Themen sind auch die Kritiker laut, wenn es darum geht eine Meinung zu haben:
"Immunologe Beda Stadler aber warnt: «Die Wirksamkeit von Homöopathie ist pure Einbildung. Wenn man diesen Humbug auf die Tiere anwendet, ist das reinste Tierquälerei!»"


Dem kann ich nur uneingeschänkt beipflichten.


atropa belladonna hat Folgendes geschrieben:

Mal davon ab, dass es mehr Polemiker zum Thema Böse Homöopathie geben dürfte als Einwohner der Schweiz und Deutschland zusammen: das Therapieren solcher Mengen an Tieren auf die im Artikel empfohlene Art hat mit klassischer Homöopathie so viel zu tun wie ein Trabi mit einem Porsche.

Daher finde ich die Grundidee "weg vom AB" zwar gut, aber der Weg ist hier leider der falsche, u.a. da das Problem bekanntlich ganz woanders liegt (nämlich in der Massentierhaltung). Daher denke ich, dass alternative Heilkunde bestenfalls begleitend sinnvoll ist (wie beispielsweise auf Demeter-Höfen), aber nicht als Bekämpfung des Hauptproblems. Auch gescheite Akupunktur muß gelernt sein, aber das muß ich nicht nochmal extra erwähnen, glaub ich *g


Lilith-Louhi hat Folgendes geschrieben:
Zitat:
das Therapieren solcher Mengen an Tieren auf die im Artikel empfohlene Art hat mit klassischer Homöopathie so viel zu tun wie ein Trabi mit einem Porsche.


Da kann ich nur zustimmen. Jemand der sich in diesem Zusammenhang für Homöopathie einsetzt kann kein entsprechendes Hintergrundwissen haben denn dann würde bereits beim Aufkommen der Idee auffallen das eine Behandlung mit klassischer Homöopathie (inkl. ausführlicher Anamnese) in der Massentierhaltung schlicht unmöglich ist.

Einfach irgendwas nach Symptomverzeichnis zu verabreichen halte ich auch für gefährlich und definitiv nicht für eine Verbesserung der Situation.

Aber dennoch ist der Ansatz z.B. eher zu pflanzlichen Präparaten zu greifen ein Schritt in die richtige Richtung.
Die Firma Plantavet zum Beispiel beitet bereits eine breite Pallete an sehr guten Produkten. Ich arbeitete zuletzt in einer großen Fahrpraxis mit Großtierschwerpunkt und dort machten diese bereits ca. 20% der verkauften Produkte aus.
Das Problem an dieser Sache ist das die Landwirte oft nicht den Mut und die Geduld haben es auf alternativem Wege zu versuchen. Die sehen ihre prämierte 20 000 Liter Kuh und wollen eine schnelle und am besten 100% erfolgreiche Lösung. Und das kann man in der Regel nur über ein passendes Antibiotikum (nach Resistogramm). Man hat einfach das Gefühl wenn das Tier unter einer AB Therapie dennoch verstirbt hat man ja alles versucht, wohingegen der "doofe Kräuterkram" ja eh nix bringt.

Ich denke für diese Tierhaltungssysteme macht Homöopathie keinen Sinn, das müsste auch jeder Verfechter dieser Heilmethode einsehen und bestätigen. Dann eher Phytotherapie.


Murx Pickwick hat Folgendes geschrieben:

Es geht hier im Fred allerdings um Nutztiere ... und hier kann ich meinen Vorrednern nur Recht geben - die beste Behandlung bringt nix, solange nicht die Ursachen für die Krankheiten abgestellt werden und die sind in der Nutztierhaltung nur allzuoft haltungs- und fütterungsbedingt ...
Allerdings wird da auch Homöopathie nix nutzen, egal, ob sie nur über den Placebo-Effekt wirkt oder doch wirkungsvoller ist, wie man ihr zutraut und diverse Studien einem glauben lassen.
Auch die Phytotherapie ist da sehr schnell ausgereizt ... denn auch sie kann keine haltungs- und fütterungsbedingten Ursachen abstellen. Es bleibt also bei der Symptombehandlung.


Noraja hat Folgendes geschrieben:
Hallo zusammen,

53 384 kg Antibiotika für Tiere in einem Jahr ist enorm viel für ein 8 Millionen Einwohner Land. Ich finde es sehr begrüssenswert, wenn man Wege sucht, den übermässigen Antibiotikagebrauch zu verringern.

Das muss ja nicht via Homöopathie sein, es gibt viele Ansatzpunkte ausserhalb der Schulmedizin, bei der wir uns nicht über die Wirkung streiten müssen.

Ich glaube, wir sind uns einig, dass es helfen würde, Antibiotika zu sparen, wenn Nutztiere nicht knapp genügend und möglichst günstig, sondern gut ernährt würden, wenn die Haltungsbedingungen so gestaltet werden, dass sich die Tiere wohl fühlen, wenn statt den Tiere, die auschliesslich auf Leistung gezüchtet sind, Tiere gehalten werden, bei denen auch Robustheit ein Zuchtkriterium war, ect.

Und wenn die Tiere doch mal krank werden, lohnt es sich durchaus zu überlegen, ob die Krankheit nun Antibiotika braucht oder ob sie nicht möglicherweise besser anders therapiert wird.

Ich beistze z.B. ein Kaninchen, das seit einiger Zeit anders hoppelt, in ab und zu geht, statt hoppelt und immer wieder bewegt sich das Kaninchen etwas schräg. Seine Muskeln sind völlig verspannt. Sprich es hat offensichtlich eine Erkrankung des Bewegungsapparates.
In der klassischen Tiermedizin bekommt er - nach dem per Bluttest E.cuniculi und Nieren und Leberprobleme ausgeschlossen wurde - einfach nur entzündungshemmendes Schmerzmittel.
Dass nur Symptome unterdrückt werden, ohne dass überhaupt versucht wird, der Ursache auf den Grund zu gehen, ist aus meiner Sicht auch alles andere als Optimal. "unterlassene Hilfeleistung" würd ich es nicht nennen, aber es entspricht auch nicht meinem Verständis vom "einem kranken Tier sinnvoll helfen".

Daher beabsichtige ich, das Tier demnächst einem chiropraktisch ausgebildeten Tierarzt vorzustellen und ich bin guter Hoffnung, dass das etwas bringen könnte. Eine Bekannte hat beste Erfahrung mit der Chiropraktik bei mit ihrem Spondylose-Kanichen. Das Tier war nach den Behandlungen jeweils wie ausgetauscht und wieder bewegungsfreudig.


Und da gibt es auch noch die Phytomedizin, mit der sich auch einiges erreichen lässt., manchmal durchaus mehr als mit Antibiotika. So hat z.B. Alexandra (?) kürzlich in einem anderen Forum berichtet, dass sie Schnupfensymptomatik ihrer Kaninchen, bei der die Antibiotikagabe nichts brachte, mit Schwarzkümmelöl rasch und gut in den Griff bekam. Analoge Heilerfoge sind bestimmt auch in der Nutztierhaltung möglich.

Liebe Grüsse
Lina


Murx Pickwick hat Folgendes geschrieben:
Gut, wenn hier moderiert werden soll, dann bitte ich euch zum Thema zurückzukommen ...

Zur Erinnerung, das Thema heißt weder, hilft Homöopathie oder hilft sie nicht noch heißt das Thema, wie kann ich am besten meine eigene eingefahrene Meinung in Totschlageargumente packen, um etwas, was meiner Meinung nach unwirksam ist, zu verunglimpfen!
Das Thema in diesem Thread heißt: Komplementärmedizin für Nutztiere statt AB!

Ich hoffe, in einem sind wir uns alle einig ... die extremen Gesundheitsprobleme in der Nutztierhaltung sind haltungs- und fütterungsbedingt.
Ich hoffe, wir sind auch auf dem Stand, daß erst die Ursache abgestellt werden muß, bevor ein Tier gesunden kann ...
... das heißt also, daß weder AB, noch Homöopathie, noch Chemtrails oder das Beten zu irgendwelchen Göttern irgendetwas an dem Zustand kranker Tiere in der Nutztierhaltung ändert, da die Ursache der Krankheiten selbst nicht abgestellt werden, also nix an der Haltung und Fütterung verändert wird! Es ist hier also nicht die Frage zur Wirksamkeit irgendwelcher Therapien zu beantworten, sondern es ist die Unschädlichkeit von Therapien zu beantworten!

Wenn ich nun eine unwirksame Methode, die rein gar nix bewirkt, einer Heilmethode gegenüberstelle, welche zwar eine hohe Wirkung zeigt, aber großen volkswirtschaftlichen Schaden anrichtet und zu massig unbehandelbaren Menschen führt und das bei einer Tierhaltung, wo die Ursachen für die auftretenden Probleme und Krankheiten nicht abgestellt werden, ist ja wohl immer noch die unwirksame Methode der Methode mit volkswirtschaftlichen Schaden vorzuziehen, zumal Beides den Tieren nicht helfen wird.
Der massive Einsatz von AB in der Nutztierhaltung hat weltweit dazu massiv beigetragen, daß multiresistente Keime entstehen und sich verbreiten konnten, die nicht mehr bekämpft werden können.
Nach vorsichtigen Schätzungen sterben deutschlandweit mehr als 10.000 Menschen an in Krankenhäusern übertragenen Infektionskrankheiten - ein Zehntel davon mit multiresistenten Keimen, zu denen der intensive Einsatz von AB in der Nutztierhaltung beigetragen hat.
Das sind immer noch 1000 Tote alleine in Deutschland, die ganzen 400 Toten weltweit durch Homöopathie entgegengestellt werden müssen und die nicht mal dadurch entstehen, weil Nutztiere mit kleinen weißen Kügelchen abgefüllt werden!
Mal ganz davon abgesehen, daß es mich wundert, wie etwas, was eh keine Wirkung hat, töten kann ... also scheint da ja doch ne Wirkung zu sein, oder wie?

Dazu kommt ein immenser volkswirtschaftliche Schaden, da Patienten mit multiresistenten Keimen deutlich länger im Krankenhaus verbleiben müssen und zudem auch noch die besonderen Vorkehrungen, die nötig sind, um multiresistente Keime nicht unnötig über die Krankenhäuser an die Weltbevölkerung weiter zu verteilen.

sry, mir wird Homöopathie in der Nutztierhaltung immer sympathischer!

Auf die Schnelle nur mal ein Zeitungsartikel, ich hoffe, ich finde die ALERTS-Studie noch wieder, hab aber mom nicht die Zeit, sie zu suchen ...
[url= http://www.gesundheitsstadt-berlin.de/immer-mehr-patienten-infizieren-sich-mit-multiresistenten-krankenhauskeimen-1600/]Gesundheitsstadt Berlin:Immer mehr Patienten infizieren sich mit multiresistenten Krankenhauskeimen[/url]


Insbesondere Lina und Murx haben zuletzt ein paar sehr gute Anregungen noch beigetragen zum Thema.
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Anmeldungsdatum: 08.06.2004
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BeitragVerfasst am: 21.12.2014 03:43    Titel: Re: Komplementärmedizin für Nutztiere statt AB Antworten mit Zitat

Zitat:

53 384 kg Antibiotika für Tiere in einem Jahr ist enorm viel für ein 8 Millionen Einwohner Land. Ich finde es sehr begrüssenswert, wenn man Wege sucht, den übermässigen Antibiotikagebrauch zu verringern.

Man muss vielleicht noch relativieren, das ist die verkaufte Menge, das heisst nicht, dass das alles auch verbraucht wird. Ein Teil wird sicher auch auf Vorrat gekauft und läuft dann wahrscheinlich irgendwann mal ab, aber dennoch, dann muss es entsorgt werden und wer garantiert, dass es dann nicht auch irgendwie dann wieder in der Umwelt und letztlich in unserem Essen landet? Z.B. über die Kläranlagen in unseren Gewässern und von da auf unsere Äcker?
In der Humanmedizin gibt es übrigens auch schon Ansätze, dass man Antibiotika nur noch gezielt verabreichen soll, wenn die Notwendigkeit nachgewiesen wurde, sprich es müssen zuerst Erreger identifiziert werden, die auf ein gewisses Antibiotika ansprechen, bzw. das Antibiotika muss gezielt nach den Erregern gewählt werden. Ich vermute aber, dass das wahrscheinlich zu umständlich und (noch) zu teuer ist und wahrscheinlich nicht mehr als eine vage Idee.

Zitat:

Ich glaube, wir sind uns einig, dass es helfen würde, Antibiotika zu sparen, wenn Nutztiere nicht knapp genügend und möglichst günstig, sondern gut ernährt würden, wenn die Haltungsbedingungen so gestaltet werden, dass sich die Tiere wohl fühlen, wenn statt den Tiere, die auschliesslich auf Leistung gezüchtet sind, Tiere gehalten werden, bei denen auch Robustheit ein Zuchtkriterium war, ect.

Die Rasse macht viel aus und die Haltung. Extensive Tierhaltung, robuste Sorten, rauf auf die Alp, dafür sorgen, dass genug hochwertige Wiese und Laubfutter vorhanden ist. Das Schnaiteln hat in der Alpregion von Süddeutschland, Österreich und der Schweiz eine lange Tradition, geriet aber in letzter Zeit mehr und mehr in Vergessenheit.
Was die Rasse angeht, sind die hochmodernen Turbokühe viel zu schwer für die Weiden, sie zerstören die Vegetation und den Boden mit ihrem Gewicht, sie sind nicht beweglich genug wenn das Gelände nicht topfeben ist, sondern eben eine Alp mit ordentlicher Neigung ist... und sie haben einen schnellen Verschleiss, nach wenigen Jahren bringen sie nicht mehr ihre hohe Milchleistung und müssen ausgemustert werden. Robuste und weniger leistungsorientierte Rassen dagegen sind deutlich nachhaltiger auch beim Ertrag, da sie deutlich länger Milch liefern können. Dank Prospecierara, der Slow Food Bewegung und anderen Organisationen, die sich dem Erhalt von alten Nutztierrassen verschrieben haben, gibt es heute immer noch einen gewissen Bestand an Tieren, die der Modernisierung und eindimensionalen Wachstumsbestrebungen widerstehen konnten.

Zitat:

Das muss ja nicht via Homöopathie sein, es gibt viele Ansatzpunkte ausserhalb der Schulmedizin, bei der wir uns nicht über die Wirkung streiten müssen

Eben ja. Fängt aber schon bei der Zeitung an... Homöopathie, guter Aufhänger und den Kritiker dazu haben wir auch schon. Also bauschen wir das noch ein bisschen auf... Augenrollen

Zitat:

Und da gibt es auch noch die Phytomedizin, mit der sich auch einiges erreichen lässt., manchmal durchaus mehr als mit Antibiotika. So hat z.B. Alexandra (?) kürzlich in einem anderen Forum berichtet, dass sie Schnupfensymptomatik ihrer Kaninchen, bei der die Antibiotikagabe nichts brachte, mit Schwarzkümmelöl rasch und gut in den Griff bekam. Analoge Heilerfoge sind bestimmt auch in der Nutztierhaltung möglich.

Nun, irgendwie scheint das zu wenig attraktiv zu sein, schade, weil es wär wirklich ein interessantes und wichtiges Thema. Aber Glaubensfragen scheinen offensichtlich das interessantere Diskussionsthema darzustellen.

Zitat:

Nach vorsichtigen Schätzungen sterben deutschlandweit mehr als 10.000 Menschen an in Krankenhäusern übertragenen Infektionskrankheiten - ein Zehntel davon mit multiresistenten Keimen, zu denen der intensive Einsatz von AB in der Nutztierhaltung beigetragen hat.
Das sind immer noch 1000 Tote alleine in Deutschland, die ganzen 400 Toten weltweit durch Homöopathie entgegengestellt werden müssen und die nicht mal dadurch entstehen, weil Nutztiere mit kleinen weißen Kügelchen abgefüllt werden!

Genau das ist auch die Kosten-Nutzenrechnung, die ich mir stelle und je länger ich darüber nachdenke, desto zynischer kommt es mir vor.

Zitat:

Mal ganz davon abgesehen, daß es mich wundert, wie etwas, was eh keine Wirkung hat, töten kann ... also scheint da ja doch ne Wirkung zu sein, oder wie?

Das Thema hatten wir doch vor Jahren schon mal im Chinforum... Blasius brachte das doch damals Wink.
Ein bisschen päppeln, ein bisschen Selbstmedikation ... hat keine Wirkung ... doch ist hochwirksam q.e.d. Twisted Evil
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Noraja
Freak


Anmeldungsdatum: 25.04.2010
Beiträge: 665
Wohnort: Schweiz

BeitragVerfasst am: 21.12.2014 16:45    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

es gibt ein Pilotprojekt mit Alternativmedizinischer Behandlung der Nutztiere.

Kometian heisst es, was für Komplementärmedizinisches Tierheilangebot steht. Bauern, die sich diesem Projekt anschliessen, können sich durch Fachpersonen beraten lassen.
http://www.kometian.ch/pages/kometian/DCber-uns/was-ist-kometian.php


Die Gruppe wendet im Moment vorwiegend Homöopathie an, ist jedoch bestrebt auch andere alternativmedizinische Angebote auszubauen.

Interessant ist z.B. die zusammenfassende Auswertung der Fälle. Natürlich sieht man nicht, wie es den Tieren ohne Behandlung ergangen wäre und wahrscheinlich sind die schulmedizinisch behandelten Fälle die besonders schwerten Krankheitsfällen, was man aber sieht ist die Einsparung an schulmedizinischen Medikamenten, die die 157 resp. 241 Tiere, denen es nach der Komplementärmedizinischen Behandlung wieder gut ging ohne das Projekt wohl bekommen hätten.
http://www.kometian.ch/media/Dokumente/News_und_Nachrichten/2014/kometian_Qualitaetsueberpruefung_bis_30_4_14.pdf

Potential zum Verringern des Medikamenteneinsatzs hat die Anwednung der Komplementärmedizin auf alle Fälle.
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Murx Pickwick
Quoten-Kobold


Anmeldungsdatum: 23.07.2005
Beiträge: 4618
Wohnort: Runkel

BeitragVerfasst am: 22.12.2014 12:15    Titel: Re: Komplementärmedizin für Nutztiere statt AB Antworten mit Zitat

Im gesamten deutschsprachigen Raum ist die Herausgabe von AB an Tierhalter zu Vorratszwecken verboten, was herausgegeben wird, wird auch genutzt.
Wenn im Nutztierbereich immer noch AB herausgegeben wird und nicht vom TA höchstdaselbst verabreicht wird, dann mit der Begründung, Tiere schnell behandeln zu können, so ein TA kann ja schließlich nicht rund um die Uhr für Nutztiere da sein, der will auch mal nen freien Tag oder ein paar Nächte im Jahr zum Pennen - aber der wahre Grund dürfte eher ein ganz anderer sein, denn AB lassen sich prima als Masthilfe einsetzen - und sobald der TA die AB aus der Hand gibt, ist nicht mehr kontrollierbar, wie die AB eingesetzt werden.
Auf die paar zusätzlichen Kilos Fleisch durch AB als Masthilfe wird nur ungern von gewissen besonders großen Mastbetrieben verzichtet ... immerhin sind da enorme Verluste auszugleichen.
Dies sind jedoch leider nicht die Landwirte, welche aufgeschlossen sind für die Komplementärmedizin.

Allerdings kommt genau aus diesen Reihen die größte Kritik an der Komplementärmedizin - denn, wenn nachgewiesen wird, daß es auch ohne AB und Co geht, und damit genauso viel Fleisch abgeliefert werden kann wie in tierquälerischen Riesenmastanlagen, ist der Schritt, diese Riesenmastanlagen komplett zu verbieten, samt des inflationären Medikamenteneinsatzes gleich welcher Art, nicht mehr sehr groß ... und damit würden mal auf der Seite der Agrarwirtschaft Arbeitskräfte freigesetzt werden, wo momentan durch staatliche Transferleistungen die größten Gewinne zu erwirtschaften sind.
Übrigens hätte der massive Einsatz von Komplementärmedizin insofern einen sehr guten Langzeiteffekt - es gibt noch immer deutlich weniger dieser Riesenbetriebe, wie es kleinere, ressourcenschonendere Betriebe gibt ... es werden also aus dem Agrarsektor deutlich weniger Leute auf den freien Arbeitsmarkt entlassen, wie momentan, wo ein Klein- und Kleinstbetrieb nach dem andern hops geht - aufgrund der Machenschaften der ganz Großen, denn das ein kleiner 10ha Bioweideschweinbetrieb nicht neben einem Mastschweinebetrieb mit 2000 Muttersauen existieren kann, liegt auf der Hand, die 10ha sind innerhalb kürzester Zeit mit im Biobereich verbotenen Substanzen verseucht, die dann bei den obligatorischen Kontrollen im Biobereich sofort auffallen und damit kann dieser Kleinbetrieb seine Produkte nicht mehr als Bio verkaufen. Dazu kommt, daß Manager, die das notwendige kriminelle Element haben, einen Riesenmaststall mit allem, was dazugehört, aufzubauen, nur selten als Hartz IV die dem Staat auf der Tasche liegen, sondern vielmehr sich was Besseres suchen, womit man noch hohe Gewinne erwirtschaften kann. Heißt also, der Staat spart viel Geld ein: Transferleistungen, die aufgrund hoher Verluste der Riesenmastställe notwendig sind, Arbeitslosengeld und Sozialhilfe im weitesten Sinne ...

Leider läßt sich das tatsächliche Ausmaß von AB als Mastmittel nicht mal im Ansatz abschätzen, da dies unter der Hand läuft. Es ist nur eines sicher, es findet sich innerhalb der über 50 Tonnen AB für Tiere ... wäre also nur begrüßenswert, wenn die Vorraussetzungen geschaffen werden könnten, AB nur noch mit Sondergenehmigung an Nutztiere verabreichen zu dürfen.
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Murx ist die Praxis!

Ich habe es endlich amtlich (Mitgliedsausweis der Piratenpartei):
"Der Besitzer dieses Dokumentes ist berechtigt, sich seines Verstandes zu bedienen, Informationen zu produzieren, replizieren und konsumieren, sich frei und ohne Kontrolle zu entfalten in Privatsphäre und Öffentlichkeit.

Behinderung dieser Rechte wird geahndet durch die Piratenpartei Deutschland"
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BeitragVerfasst am: 23.12.2014 04:53    Titel: Re: Komplementärmedizin für Nutztiere statt AB Antworten mit Zitat

Zitat:

Im gesamten deutschsprachigen Raum ist die Herausgabe von AB an Tierhalter zu Vorratszwecken verboten, was herausgegeben wird, wird auch genutzt.
Wenn im Nutztierbereich immer noch AB herausgegeben wird und nicht vom TA höchstdaselbst verabreicht wird, dann mit der Begründung, Tiere schnell behandeln zu können, so ein TA kann ja schließlich nicht rund um die Uhr für Nutztiere da sein, der will auch mal nen freien Tag oder ein paar Nächte im Jahr zum Pennen - aber der wahre Grund dürfte eher ein ganz anderer sein, denn AB lassen sich prima als Masthilfe einsetzen - und sobald der TA die AB aus der Hand gibt, ist nicht mehr kontrollierbar, wie die AB eingesetzt werden.
Auf die paar zusätzlichen Kilos Fleisch durch AB als Masthilfe wird nur ungern von gewissen besonders großen Mastbetrieben verzichtet ... immerhin sind da enorme Verluste auszugleichen.

Richtig, das sind Aspekte, die ich auch im Kopf hatte. Was das AB bei Heimtieren angeht, da war ja auch schon öfters mal Thema in Foren, wie man da rankäme, da einige ABs in gewissen Ländern nicht via TA erhältlich ist... ich meinte es war Baytrill (und das galt mal eine Zeit lang als Nonplusultra in den Halterkreisen gewisser Kleinsäugerarten Augenrollen ).

Zitat:

Dies sind jedoch leider nicht die Landwirte, welche aufgeschlossen sind für die Komplementärmedizin.

Ja so siehts aus. Wobei die überwiegende Mehrheit ist wohl eher noch vom Typ konventionelle Landwirtschaft, es gibt wohl aber auch ein gewisser Anteil, der halt auch mal ausprobiert, ergänzend so nach dem Motto hilfts nicht so schadets nicht.

Zitat:

Übrigens hätte der massive Einsatz von Komplementärmedizin insofern einen sehr guten Langzeiteffekt - es gibt noch immer deutlich weniger dieser Riesenbetriebe, wie es kleinere, ressourcenschonendere Betriebe gibt ... es werden also aus dem Agrarsektor deutlich weniger Leute auf den freien Arbeitsmarkt entlassen, wie momentan, wo ein Klein- und Kleinstbetrieb nach dem andern hops geht - aufgrund der Machenschaften der ganz Großen, denn das ein kleiner 10ha Bioweideschweinbetrieb nicht neben einem Mastschweinebetrieb mit 2000 Muttersauen existieren kann, liegt auf der Hand, die 10ha sind innerhalb kürzester Zeit mit im Biobereich verbotenen Substanzen verseucht, die dann bei den obligatorischen Kontrollen im Biobereich sofort auffallen und damit kann dieser Kleinbetrieb seine Produkte nicht mehr als Bio verkaufen.

Die Idee ist wirklich bestechend, wobei ich könnte mir auch gut vorstellen, dass sie sich instrumentalisieren lässt, sofern die Akzeptanz hoch genug ist, denn letztlich würde es dann heissen, um effizienter zu werden müsse man die Sache verwässern, denn letztlich bestünde wohl wenig Interesse bei der Lobby, dass man die Grossbetriebe mit ihrer industriellen Massenhaltung nicht gegen die kleinen Betriebe schützt und ihnen bessere Bedingungen schafft. Müssten diese nämlich nach dem Verursacherprinzip für ihre Schäden, die sie anrichten, bezahlen, hätte eine solche Industrie gar nie erst entstehen können, denn sie hätte sich finanziell einfach nicht gelohnt. Erst durch eine Reihe von Begünstigungen wurde dies möglich, dazu zählt nicht nur die Mechanisierung und das billige Öl, auch gesetzliche Bestimmungen, Subventionen (die es erst ab einer gewissen Grösse gibt) und vieles mehr, tragen alle auch ihren Teil dazu bei.

Zitat:

Leider läßt sich das tatsächliche Ausmaß von AB als Mastmittel nicht mal im Ansatz abschätzen, da dies unter der Hand läuft. Es ist nur eines sicher, es findet sich innerhalb der über 50 Tonnen AB für Tiere ... wäre also nur begrüßenswert, wenn die Vorraussetzungen geschaffen werden könnten, AB nur noch mit Sondergenehmigung an Nutztiere verabreichen zu dürfen.

Ist AB im Tierfutter als Leistungsförderer eigentlich in Deutschland verboten oder nicht? In der Schweiz ist es seit einiger Zeit nicht mehr erlaubt.
Eine strenge Regelung würde natürlich dazu zwingen, sich intensiver mit dem Problem auseinanderzusetzen. Eine solche Not macht bekanntlich erfinderisch. Das kann sowohl heissen, dass nach Mittel gesucht würde, das zu umgehen oder aber, dass clevere Alternativen gefunden werden oder eben auch, dass das Problem letztlich an der Wurzel gepackt wird. Das ist letztlich auch das Schwierige an gesetzlichen Regulierungen: bei Einschränkungen und Verboten kann natürlich die Motivation stark steigen, dass man versucht diese zu umgehen oder wenn die Durchsetzung schwach ist, sie zu brechen.
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Lilith-Louhi
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Anmeldungsdatum: 15.01.2014
Beiträge: 225

BeitragVerfasst am: 23.12.2014 09:17    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Ist AB im Tierfutter als Leistungsförderer eigentlich in Deutschland verboten oder nicht? In der Schweiz ist es seit einiger Zeit nicht mehr erlaubt.


Keiner wird dranschreiben das es dafür verwendet wird. In der letzten Praxis (in der ich auch entschied das ich den Job nicht bis an mein Lebensende machen werde) hatte ich viel Kontakt zu großen Mast- und Zuchtbetrieben.
Der TA schließt mit solchen Betrieben einen Betreuungsvertrag ab und fährt hin wenn es unerlässlich ist. Also bei Notfällen und für Impfungen. Medikamente für Routinebehandlungen werden auf Bestellung der Betriebe Kistenweise gepackt und vorbeigefahren.
Es ist Pflicht dazu einen Abgabe/Anwendungsbeleg auszufüllen damit der Tierhalter nachweislich über den Einsatz aufgeklärt ist.
So schaut so ein Schein aus: http://www.landestieraerztekammer-mv.de/bpt-mv/Praxis-Service/A2_I_AuA_Beleg.pdf

Hier könnt ihr die Richtlinien nachlesen unter denen solche "Hausapotheken" zulässig sind. http://www.laves.niedersachsen.de/portal/live.php?navigation_id=20070&article_id=73940&_psmand=23

Der TA ist verantwortlich aber niemand beisst die Hand die einen füttert, der TA wird sich den Betrieb als guten Kunden nicht vergnatzen und der Halter wird einen entspannten TA, bei dem er selbst Hormone und AB verabreichen kann solange nur das richtige im Behandlungsbuch erfasst ist auch nicht ankreiden. Denn so profitieren beide Seiten, der TA verdient an der Bestandsbetreuung ohne ständig da zu sein und der Betrieb spart sich die teuren Allgemeinuntersuchungen und Anfahrtskosten.
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