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Platzbedarf von Kleinsäuger

 
   Degupedia-Forum » Tierhaltung artgerecht » Platzbedarf von Kleinsäuger Alle Zeiten sind GMT + 2 Stunden
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davX
Team


Anmeldungsdatum: 08.06.2004
Beiträge: 8511
Wohnort: Schweiz

BeitragVerfasst am: 11.11.2013 04:29    Titel: Platzbedarf von Kleinsäuger Antworten mit Zitat

Huhu,

mit dem folgenden Beitrag will ich einen tiergerechteren Platzbedarf bei einer Reihe von Kleinsäuger aufzeigen.

Die erste Frage, die wir uns stellen müssen, ist sehr einfach:
Wie wissen wir wieviel Platz die Tiere brauchen? Nach welchen Kriterien richten wir uns? Die Antwort auf diese Frage ist dagegen alles andere als trivial. Ich will hier mal einen kleinen Überblick schaffen und Ansatzpunkte liefern.

Allgemeine Kriterien zur Beurteilung:
- Das Auftreten von ernsthaften Verhaltensstörungen wie starkem Gitternagen
- Gehegegrössen, die das Bewegungsverhalten stark und sichtbar einschränken (z.B. Sprungverhalten, Rennverhalten, im weiteren Sinne auch das Grabeverhalten, etc.)
Beide Kriterien erachte ich als Indikatoren zur Ermittlung der Mindestgrösse

1. Pflanzenfresser
Ein weiteres Kriterium, das mir zumindest für einige Arten recht sinnvoll erscheint, das ist der... ich nenne es mal Pflanzen-Kohabitationsindex, sprich die Grösse, ab der Futterpflanze und Pflanzenfresser nebeneinander leben können, ohne dass alle Pflanzen kahlgefressen und gekillt werden. Die daraus sich ergebende Grösse will ich zur Abgrenzung der oben genannten Mindestgrösse-Indikatoren als Komfortgrösse bezeichnen.

Chinchilla
Die Mindestgrösse liegt schätzungsweise etwa bei 1,5 x 0,5 qm auf 1,5 m Höhe, damit die Tiere nur einigermassen ihr Sprungverhalten ausüben können.
Die Komfortgrösse ist schwer einzuschätzen, dürfte vermutlich etwa zwischen Faktor 2 und 3 jener der Degus liegen, diese Angabe ist jedoch ohne Gewähr und eine ziemliche theoretische Schätzung, welche mit Erfahrungswerte überprüft werden sollte (Aussenhaltungsprojekte sind mittlerweile spärlich in Vorbereitung).

Degu
Aus eigener Erfahrung liegt die Mindestgrösse bei Degus etwa bei 0,5 qm Grundfläche und etwa 1 m Höhe für 2 Degus, bzw. ein bisschen mehr für eine etwas grössere Gruppe. Wird insbesondere die Grundfläche unterschritten, wenn auch nur gering, aber auch die Höhe eingeschränkt, kann es zu massiven Verhaltensstörungen (Gitternagen, Eckscharren) kommen.
Die Komfortgrösse liegt bei Aussenhaltung schätzungsweise etwa bei 0,75-1,5 qm pro Degu, sprich 1,5-3 qm aufwärts für eine Gruppe ab 2 Tiere, sprich etwa 4-5 qm für eine Gruppe von 3-5 Tiere. Da sollte es möglich sein, dass die Pflanzen neben den Degus existieren können.

Kaninchen
Ich denke hier sind unsere Kaninchenhalter kompetenter beim Einschätzen und lasse diesen Punkt mal offen (bzw. er kann im Nachhinein hier noch ergänzt und editiert werden).
Was die Komfortgrösse angeht, hatten wir zumindest im ferneren Sinne mal Vorschläge von mehreren 100 qm Wiese (von 150-500 qm war meines Wissens die Rede), die eingezäunt wird. Das ist sehr wahrscheinlich mehr, als die von mir definierte Grösse, bei der ein Zusammenleben von Pflanze und Tier möglich ist. Gegebenenfalls müsste man auch noch andere Kriterien zur Beurteilung der Grösse für Kaninchen einführen (und je nach dem könnte man sie ggf. auch auf andere Tierarten überprüfen und übertragen).

Meerschweinchen
Die absolute Mindestgrösse sollte aus meiner Sicht 2 m Länge x 0,5 m Breite sein für kleinere Gruppen, für grössere Gruppen (3 Tiere und mehr) sollte der Käfig mehr Breite haben, damit sich die Tiere einigermassen ausweichen bzw. aus dem Weg gehen können und dass sie dennoch aneinander vorbei kommen.
Die Komfortgrösse in Aussenhaltung lag bei uns für eine Gruppe von 3-4 Tiere bei circa 10 qm, wobei die Grundfläche mindestens eine Breite von 1,5-2 m aufweisen sollte, damit das Gehege nicht zu schmal wird.

2. Wühler

Zwerghamster (Phodopus)
Eva Waiblinger empfahl für Zwerghamster 4-5 qm Fläche:
http://www.degupedia.de/forum/viewtopic.php?p=8148#8148
Angesichts des Umstandes, dass viele Zwerghamster deutlich kleiner gehalten werden und dass auch solche Gehege oft ziemlich interessant und vielseitig eingerichtet sind, erscheninen mir diese 4-5 qm eine Komfortgrösse zu sein, deren Kriterien zur Bestimmung mir jedoch nicht schlüssig zu sein scheinen. Anregungen wie man diese Grösse objektiv und sinnvoll bestimmen könnte, wären herzlich willkommen.

Goldhamster
Das Bundesamt für Veterinärwesen schreibt dazu "Für Goldhamster ist eine minimale Käfigfläche von 0,18 Quadratmeter (z.B. 30x60 cm) vorgeschrieben." Angesichts des Bewegungsbedürfnisses und der Grabeaktivitäten darf bezweifelt werden, dass dies selbst als Mindestgrösse ausreicht. Es gibt Untersuchungen von der ehemaligen Vetsuisse Fakultät zum Bedürnfnis der Tiefe der Einstreu, welche uns Anregungen zur Höhe des Käfigs, bzw. der mindestens nötigen Einstreutiefe geben. Diese sollte, wenn ich mich richtig erinnere 0,5 m oder mehr sein. Auch die Grundfläche sollte wahrscheinlich eheer 0,5 qm oder mehr sein angesichts des Bewegungsbedürfnisses dieser Tiree.
Zur Komfortgrösse fehlen mir ebenso wie bei den Zwerghamster vernünftige Ansätze. Rolf Gattermann und sein Team verwendeten jedoch bei der Untersuchung des natürlichen Verhaltens von Laborhamster unter halbnatürlichen Bedingungen ein knapp 8 qm grosses Gehege mit natürlichem Bodengrund (für 1 Tier wohl gemerkt, bzw. 2 Tiere konnten hier nicht zusammen leben). Ein möglicher objektiver Indikator wäre unter Umständen die Grösse, ab der zwei Hamster nebeneinander wohnen könnten - es ist aber anzunehmen, dass diese Fläche sehr gross sein dürfte und über die Komfortgrösse ausgeht, da sie für die gerade nicht mehr ökonomisch verteidigbare Grösse des Territoriums steht und nicht für die Grösse, bei der der Hamster genug Platz hat für seine Bedürfnisse und sein wesentliches Verhaltensrepetoire ohne nennenswerte Einschränkungen ausleben zu können.

Lemminge und Wühlmäuse
Hier fehlt es an wesentlichen Daten. Lemminge brauchen nicht viel Höhe, aber Grundfläche. Ähnliches gilt wohl für Wühlmäuse. Ich lasse diesen Punkt daher vorerst mal offen.

Monglische Rennmäuse
Eine weit verbreitete Ansicht ist das Herausbilden von Untergruppen, wenn ein Gehege zu gross wird, das soll angeblich schon etwa ab 0,5 qm passieren. Da mir keine umfangreicheren Untersuchungen mit alternativen Haltungsformen und Käfigen bekannt sind, bei der die Grenzen und Möglichkeiten in der Rennmaushaltung ausgelotet wurden, muss ich diesen Punkt offen lassen und setze auch vor die Sache mit der Untergruppenbildung ein grosses Fragezeichen - ich will es sicher nicht gänzlich ausschliessen, mir fehlt bisher eine Quelle, deren Erfahrungen mir glaubwürdig und plausibel erscheinen.

3. Mäuse und Ratten

Mäuse (Mus)
Mäuse haben den Ruf relativ geringe Ansprüche an die Gehegegrundfläche zu haben. Dennoch sollte man auch die Bedürfnisse von Zwergen grundsätzlich nicht unterschätzen. So dürfte vermutlich dennoch eine Grundfläche von etwa 0,3 bis 0,5 qm als Mindestgrösse angenommen werden, zumal 0,5 qm bei grösseren Nagern schon die untere Grenze ist und kleinere Nager oftmals nicht viel weniger Platz bedürfen. In unserem Forum war dieses Thema der Mäusehaltung bisher jedoch kaum ein Thema und ich habe auch keine speziellen Erfahrungswerte, auf die ich mich beziehen könnte. Insofern bleibt das Thema hier mehr als vage und meine Überlegungen sollten lediglich als Diskussionsgrundlage beachtet werden.

Stachelmäuse
Sie sollen vom Platzbedarf den Degus ähnlich sein. Ob das auch auf die Ansprüche der Komfortgrösse gilt, das scheint mir schwierig zu beurteilen. Mehr Erfahrungswerte zur Haltung dieser Tierarten wäre sicher sinnvoll, ggf. gibt es auch artspezifische Unterschiede.

Ratten
Auch sie haben wahrscheinlich in etwa ein ähnliches Platzbedürfnis wie Degus. Was die genaueren Platzansprüche der Ratten angeht, lasse ich hier mal offen. Da Ratten gerne in grösseren Gruppen leben, scheinen grössere Gehegeformen wie begehbare Volieren oder Zimmerhaltung ihnen entgegenzukommen. Vanessa hatte vor einigen Jahren hier ihre Erfahrungen mit einer begehbaren Voliere für Ratten erwähnt und es scheint, dass eine Grundfläche von mehreren Quadratmetern und genügend Raum und Struktur in der Höhe den Ratten zugute kommt.


Platz sparen und optimieren?
Auf den ersten Moment tönt es vielleicht abwegig an Optimierung und Platz sparen zu denken, wenn es zuerst darum geht, den Tieren viel Platz zugestehen bzw. Möglichkeiten zur möglichst objetiven Beurteilung des Platzbedarfs der Tiere nachzudenken. Die Sparsamkeit und der Wunsch zu optimieren dürfte jedoch den wenigsten Tierhalter fremd sein und ist auch bei Zoos ein wichtiger Aspekt. Das muss nämlich nicht zwingend auf die Kosten der Tiere gehen, solange die Optimierungen innerhalb eines gewissen Rahmens bewegen. Das geht natürlich nur, wenn die Optimierungen clever sind und nicht auf ein plumpes Verkleinern des Käfigs hinauslaufen. Es gibt dabei mehrere Ansätze, die erfolgsversprechend sind:
* Arten vergesellschaften: verschiedene Arten bewohnen unterschiedliche Nischen; gerade bei einzelgängerischen Arten ist oftmals die zwischenartliche Toleranz grösser als die innerartliche Toleranz; Tiere welche unterschiedliche Lebensräume bewohnen (z.B. Boden - Luft), können einander einfacher aus dem Weg gehen.
* Tote Winkel nutzen, Höhe nutzen: das ist ein Klassiker, der mehr oder weniger von Tierhaltern beherrscht wird. Gerade die mehrstöckigen Käfige mit jeweils Volletagen für Bodenbewohner sind bei vielen Tierarten beliebt. Sie sind aber nicht bei allen Arten gleich geeignet und ersetzen keine zu kleine zusammenhängende Grundfläche. Das Sparpotenzial dieser "Käfigwolkenkratzer" ist wegen der Bekanntheit dieser Variante und der meist stark beschränkten Höhe (die meisten Wohnungen sind nicht höher als 2,5 m) ist jedoch stark beschränkt. Es gibt aber noch eine interessantere Sparlösung: oberhalb von Türen, Bett, Sofa etc. wird oftmals der Platz schlecht gebraucht, gerade der halbe Meter zwischen Decke und Anfang der Tür oder Schränke ist oft ungenutzt. Bei vielen Tierarten lässt sich schon viel machen mit einem halben Meter Höhe. Ein Käfig, der also direkt unter die Decke gebaut wird und ggf. oberhalb von Tür und Schränke verläuft, kann unter Umstände viele Meter lang werden und nutzt ansonsten toter Platz sehr geschickt. In Kombination mit einem Käfigwolkenkratzer, kann man das Gehege dann noch um einen Kletterteil ergänzen.
* Verbindungsrohre als platzsparende Käfigverlängerung: ein weiteres Platzspar-Ass sind Verbindungsrohre, die über viele Meter verlegt werden können und auseinanderliegende Käfige so verbinden. Der Trumpf der Verbindungsrohre ist der Umstand, dass sie selbst relativ lange Laufflächen ermöglichen, die weit über die Möglichkeiten kleinerer Käfige hinausgehen können.

Fazit
Objektive Kriterien zur Bestimmung der Gehegegrösse von Kleinsäugern, welche gewissen nachvollziehbaren Kriterien gerecht werden, sind schwer zu bestimmen. Bei den Pflanzenfressern scheint der Platzbedarf für das Zusammenleben von Pflanzen und Pflanzenfresser ein sinnvolles Kriterium zu sein, das zumindest bei einigen Arten wie Degus oder Meerschweinchen einen interessanten Ansatz bietet.
Bei den Mäuseverwandten fehlt zum jetztigen Zeitpunkt noch weitgehend eine solide Erfahrungsgrundlage und ebenso sinnvolle Kriterien. Anregungen und Erfahrungen wären daher ebenso willkommen, wie auch kritische Untersuchungen, der von mir hier bei den meisten Arten mehr vage denn solide aufgestellten Überlegungen zur Gösse ihrer Gehege.
_________________
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Tiger
Lästermaul


Anmeldungsdatum: 09.12.2008
Beiträge: 118

BeitragVerfasst am: 06.12.2013 12:24    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo David,

ich finde es sehr schwierig sich auf genaue Maße festzulegen.

Wie groß ein Gehege mindestens sein soll ist meiner Meinung nach mitunter davon abhängig, ob die Tiere Auslauf (der natürlich auch entsprechend lange und entsprechend beschaffen sein muss) bekommen oder nicht. Natürliche Bewegungsaufläufe dürfen meiner Meinung nach nicht dauerhaft eingeschränkt werden bzw. es muss täglich ausreichend die Möglichkeit bestehen diese auszuleben.
Eine vernünftige Strukturierung des Geheges muss natürlich möglich sein und ist auch nötig. So nutzen Beispielsweise unsere Meerschweinchen Gehegeteile bei denen die Strukturierung nicht ihrem Geschmack entspricht (z.B. zu offen) gar nicht. Bei Gruppenhaltung muss ein vernünftiges und stressfreies miteinander gewährleistet sein. Letztendlich spielt auch das Individuum selbst eine wichtige Rolle. Erfahrungsgemäß brauchen manche Tiere einfach mehr Platz als andere.

Ernsthafte Verhaltensstörungen sind natürlich ein Punkt. Aber ab wann würdest du denn eine Verhaltensstörung als ernsthaft ansehen. Und was ist mit nicht ernsthaften Verhaltensstörungen?

Zitat:
Degu
Aus eigener Erfahrung liegt die Mindestgrösse bei Degus etwa bei 0,5 qm Grundfläche und etwa 1 m Höhe für 2 Degus, bzw. ein bisschen mehr für eine etwas grössere Gruppe.

Ich habe mich bislang nicht intensiv mit der Haltung von Degus beschäftigt. Allerdings war ich vor kurzem eine Kollegin besuchen, deren Mitbewohnerin zwei Degus hält. Die Tiere hatten eine Voliere mit ca. 0,6 m² Grundfläche und 1,50 m Höhe, mehrere Teiletagen und entsprechende Rampen.
Ich habe die Tiere eine Weile beobachtet und hatte den Eindruck dass sie sich sehr eingeschränkt ("abgehackt") bewegen. Die Degus die ich im Karlsruher Zoo beobachten konnte haben sich vornehmlich am Boden aufgehalten und lange Strecken geradeaus bewegt. Die Bewegung kamen mir sehr viel flüssiger vor. Das scheint mir in einer solchen Voliere eher schwer möglich. Allerdings sind die Tiere aus zweiter Hand, ich weiß nicht wie sie vorher gehalten wurden und in wieweit das Auswirkungen hat. Sie zeigten auch massives Gitternagen.
Aber reichen 0,5 m² wirklich für Bewegungsabläufe aus? Oder gelten diese Maße nur mit zusätzlichem Auslauf?


Zum Thema Goldhamster gibt es zur Untersuchungen von Katerina Fischer, aufgrund derer eine Mindestmaß von 1 m² empfohlen wird: Verhalten und Raumnutzung bei Goldhamstern (Mesocricetus auratus) bei unterschiedlicher Grundfläche


Zu Farbmäusen und Vielzitzenmäusen kann ich nur persönliche Erfahrung beisteuern: Meine Mäuse leben normalerweise in einer Voliere mit einer Grundfläche von 1 m² und drei Etagen. Allerdings ohne regelmäßig zusätzlichen Auslauf. Derzeit wird die Voliere umgebaut, weshalb sie in einem Ausweichgehege mit Grundfläche 0,6 m² auf zwei Etagen sitzen. Ich finde ihre Bewegung dort schon eingeschränkter als in der großen Voliere. Auch weil die Gestaltung viel weniger verschiedene Laufwege zulässt. Ich würde ihnen sogar gerne noch mehr Platz bieten als die größere Voliere, denn diese wird durchaus komplett genutzt.

Auf jeden Fall ein spannendes Thema Smile
_________________
Gruß
Tiger

„Sonderbar: Je mehr man herausfand, desto weniger wusste man.“
Aus: Die Schlacht der Nomen
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fred
Gast





BeitragVerfasst am: 06.12.2013 14:07    Titel: Antworten mit Zitat

Tiger hat Folgendes geschrieben:
Zitat:
Degu
Aus eigener Erfahrung liegt die Mindestgrösse bei Degus etwa bei 0,5 qm Grundfläche und etwa 1 m Höhe für 2 Degus, bzw. ein bisschen mehr für eine etwas grössere Gruppe.

Ich habe mich bislang nicht intensiv mit der Haltung von Degus beschäftigt. Allerdings war ich vor kurzem eine Kollegin besuchen, deren Mitbewohnerin zwei Degus hält. Die Tiere hatten eine Voliere mit ca. 0,6 m² Grundfläche und 1,50 m Höhe, mehrere Teiletagen und entsprechende Rampen.
Ich habe die Tiere eine Weile beobachtet und hatte den Eindruck dass sie sich sehr eingeschränkt ("abgehackt") bewegen. Die Degus die ich im Karlsruher Zoo beobachten konnte haben sich vornehmlich am Boden aufgehalten und lange Strecken geradeaus bewegt. Die Bewegung kamen mir sehr viel flüssiger vor. Das scheint mir in einer solchen Voliere eher schwer möglich. Allerdings sind die Tiere aus zweiter Hand, ich weiß nicht wie sie vorher gehalten wurden und in wieweit das Auswirkungen hat. Sie zeigten auch massives Gitternagen.
Aber reichen 0,5 m² wirklich für Bewegungsabläufe aus? Oder gelten diese Maße nur mit zusätzlichem Auslauf?


Ich denke es kommt bei Käfigen mit mehreren Volletagen sehr darauf an, dass die Degus gut von Etage zu Etage rennen können. Zu viele 'Rampen' sind mehr zum Klettern als zum Rennen geignet. Mein Käfig ist so strukturiert, dass sie über mehrere Etagen 6m ungehindert rennen können, und ich habe keinen Zweifel daran, dass ihre Bewegung flüssiger und natürlicher ist.

I unseren überarbeiteten Empfehlungen geben wir 1,8 m² Gesamtlauffläche für 2-3 Degus an, mit 0.4 m² für jeden zusätzlichen Degus. 0.5 m² Grundfläche sind ein absolutes Minimum, aber wir empfehlen, nicht unter 1,2 m Länge und 0,5 m Tiefe zu gehen.
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Maravilla
Süchtig


Anmeldungsdatum: 01.08.2011
Beiträge: 91

BeitragVerfasst am: 06.12.2013 15:50    Titel: Antworten mit Zitat

Tiger hat Folgendes geschrieben:
Aber reichen 0,5 m² wirklich für Bewegungsabläufe aus? Oder gelten diese Maße nur mit zusätzlichem Auslauf?

Wie Fred schon sagte, sollte die Grundfläche für 2-3 Tiere nicht unter 120x50 cm gehen. Dazu kommen noch mehrere VOLLetagen, um die Höhe auszunutzen. Ich persönlich würde nach Möglichkeit auch nicht mehr unter 2m Länge bauen.
Bei den Mindestmaßen spielt es keine Rolle, ob den Tieren Auslauf gegeben wird oder nicht. Zudem sehe ich 1h Auslauf am Tag als nettes Extra, nicht jedoch als Ersatz für einen tauglichen Käfig an.

Die Praxis sieht aber leider noch anders aus. In vielen alten Büchern und Internetseiten werden viel zu kleine Gehege mit Hüpfbrettchen und wirren Kletterkonstruktionen gezeigt. Der Handel stellt auch keine Gehege bereit, die einfach umzurüsten wären, da es entweder an der Grundfläche mangelt oder durch die Anordnung der oft auch viel zu kleinen Türen einfach unmöglich ist, mehrere Vollebenen einzuziehen. Nicht selten kommen beide Faktoren zusammen. Selber bauen trauen sich viele nicht zu und für fertige Gehege, selbst in Mindestgröße, verlangen professionelle Anbieter über 600 Euro.

Aus meiner Erfahrung in der Deguberatung und -vermittlung kann ich auch sagen, dass es oftmals schwer ist, die Interessenten oder Halter von der Notwendigkeit ausreichend großer Gehege (Mindestgröße) zu überzeugen. Erste Ansprechpartner sind häufig doch die Händler (Baumarkt oder Zoohandel) sowie die nicht überarbeiteten Bücher, oder man hat einen Käfig schon seit Jahren, wobei dann keinerlei weitere Informationen eingeholt wurden. So kommt es leider recht häufig vor, dass zwar Degus gehalten werden sollen, aber nicht einmal der Mindestplatz zur Verfügung gestellt werden kann. Oder in eine Voliere der Maße 60x60 cm mit Hüpfbrettchen sollen zu vorhandenen Tieren noch weitere hinzuvergesellschaftet werden. Erfolgt dann die Ablehnung, die sehr diplomatisch geschrieben und ausführlich begründet wird, wird entweder angekündigt, Tiere aus der Zoohandlung zu holen oder der Kontakt bricht direkt ab.

Ich würde mich sehr freuen, wenn die von Fred genannten Maße irgendwann Standard werden würden, halte dies aber für wenig realistisch. Auf der einen Seite gibt es zwar die engagierten Halter, die sich informieren und viel Platz zur Verfügung stellen, doch die Mehrheit sind eben doch die nicht oder falsch informierten Halter.
Und gerade wer Notfalltiere vermittelt, muss einen Kompromiss finden zwischen eigenem Wunsch und der Realität. Die Notfalldegus werden in Deutschland leider immer mehr und in vielen Gebieten ist der Markt übersättigt. Stellt man in Vermittlung Ansprüche, die über den geltenden Mindestmaßen liegen, drängt man die Leute erst recht in den Handel, der keine Fragen oder gar Forderungen stellt. Insofern freut man sich über jeden Halter, den man mit guten Argumenten davon überzeugen kann, dass es besser ist, mehr Platz zur Verfügung zu stellen, oder der von Anfang an selbst diesen Anspruch an sich hat.
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