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Problematik: schwer vermittelbare Reptilien

 
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davX
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Anmeldungsdatum: 08.06.2004
Beiträge: 8494
Wohnort: Schweiz

BeitragVerfasst am: 06.10.2012 01:40    Titel: Problematik: schwer vermittelbare Reptilien Antworten mit Zitat

Huhu,

auf der Suche im Internet bin ich auf ein Thema gestossen, das zweifelsohne eine Schattenseite des aktuellen Booms in der Terraristik darstellt.

Allerdings, so scheint der aktuelle Trend hin auf eine Entspannung hinzudeuten, denn in Zeiten in denen aufwendige Tierhaltungen an Attraktivität verlieren und der Trend hin zu kleineren Tieren wie Wirbellose geht, wird es auch einfacher diese Tiere unterzubringen.

Doch zurück zum eigentlichen Thema. Wie das mit Moden und Trends so ist, hinken die Schattenseiten bzw. Auswirkungen von ihnen oft mit deutlicher Verzögerung hinterher. Das heisst, dass Tiere die vor Jahre angeschafft wurden und die nun nach Jahren der Haltung "plötzlich" nicht mehr zum aktuellen Lebensstil passen, die müssen abgegeben werden, wenn die Halter noch einigermassen pflichtbewusst sind, oder was leider auch öfters vorkommt, werden ausgesetzt oder beim Umzug in der alten Wohnung zurückgelassen und verwahrlost. Am Ende der Kette stehen dann die Auffangstationen, die immer öfters an ihre Grenzen stossen.

Ein Artikel in der Welt weist auf dieses Problem hin:
http://www.welt.de/newsticker/news3/article109147101/Muenchner-Auffangstation-fuer-Reptilien-vor-dem-Aus.html

Zitat:

Der Chef der Station, Rudolf Hoffmann, spricht von einer regelrechten Überschwemmung mit Reptilien. "Die Ursache ist, dass wir immer mehr problematische Tiere bekommen und solche, die nicht vermittelbar sind", erklärt er. Derzeit beherberge die Einrichtung fast 900 Reptilien auf ungefähr 300 Quadratmetern, darunter 20 gefährliche Schnapp- und Geierschildkröten, 40 Giftschlangen und 50 Riesenschlangen.

Die Unterbringung der Exoten verschlinge jährlich 500.000 Euro.

[...]

Quelle: Welt Online (Link siehe oben)


Interessant dabei ist, dass der Stationschef eine durchaus pragmatische Lösung für das Problem weiss, Verantwortung zu übernehmen, das sollte eigentlich beim Handel selbstverständlich sein. So gesehen wäre es sinnvoll, dass sie sich an den Unkosten beteiligen, die durch die nicht mehr gewollten Tiere entstehen:

Zitat:

Der Stationschef Hoffmann sieht vor allem den Handel in der Pflicht. Die Läden "verscherbelten" die Exoten in Massen und verdienten dabei kräftig. Daher fordert Hoffmann, dass mit Reptilien handelnde Geschäfte ihren Beitrag zur Rettung der Auffangstation leisten. "Ich muss auch den Verdienst mit entsprechender Verantwortung verbinden", sagt er zur Begründung.

Quelle: ebenda


Apropos ein sehr ähnliches Prinzip haben wir in der Elektro- und Unterhaltungselektronikbranche ja schon länger. Bei jedem verkauften Gerät, wird ein Beitrag für das Recycling erhoben und damit die Kosten für das Recycling gedeckt. Vom Prinzip her wäre diese Idee also nichts Neues und könnte durchaus funktionieren.

Interessant wird es aber, dass bei solchen Themen immer wieder gerne sogenannte Experten zitiert werden. Die Tierschutz-Prominenz hat zu diesem Zwecke eine ganz besondere Form von Vorzeigeexperten herangezüchtet, und so darf sich die Allzweckexpertin Sandra Altherr mit ein paar emotionalen, aber wenig sachkundigen Phrasen zum Thema auslassen. Egal ob Papageien, Wale, Affen, Reptilien oder was auch immer, handelt es sich um sogenannte "Exoten", so ist sich das Aushängeschild der Pro Wildlife nicht zu schade für ein paar emotional gefärbte Worte, die von den Medien sichtlich mit Wohlgefallen aufgenommen werden, denn Infotainmant statt seriöser Journalismus ist heutzutage angesagt.

Apropos die sogenannten Exotenhaltungsverbote, die in einigen Bundesländer Deutschlands gelten, haben dieses Problem auch noch verschärft, da nun seriöse Halter wegfallen, an die bisher beschlagnahmte Tiere abgegeben werden konnten und statt dessen selbst ihre teils umfangreichen Bestände abgeben müssen:
http://www.welt.de/wissenschaft/article1361732/Gefaehrliche-Exoten-im-Wohnzimmer-verboten.html
Und auch in diesem Beitrag darf die Stimmungsmache von Frau Altherr nicht fehlen, ohne sachdienliche Lösungen zum Problem zu liefern. Mit einem Verbot alleine ist es eben nicht getan, denn das betrifft in erster Linie die seriösen und pflichtbewussten Halter und Züchter, wodurch erst weitere falsche Anreize gesetzt werden. Die Lage in Norwegen zeigt ferner, dass mit einem Verbot zwar das Thema unter den Teppich gekehrt werden kann, es dadurch aber nicht an Brisanz verliert.
Allerdings in einem Punkt ist der Beitrag oben irreführend. Tiere die zuvor schon gehalten wurden, dürfen noch weiter gepflegt (sofern sie rechtzeitig gemeldet werden), aber nicht mehr vermehrt oder abgegeben werden:
http://blogs.taz.de/reptilienfonds/2007/12/02/artenschutzverein-pro-wildlife-erfindet-horror-statistik/

...ich glaube ich schweife wieder mal ab: Pro Wildlife und schwupp sind alle seriösen Gedanken und Ideen zerstreut und abgetaucht in einem Meer von emotionalen Vorurteilen und Schwarz-Weisslösungen... Augenrollen

Denn eigentlich fragte ich mich, als ich das Thema durchlas, was macht man mit einem verhaltensauffälligen Waran oder einer aggressiv gewordenen Riesenschlange? Put to sleep? Oder vermitteln? An wen und wie schwierig ist die Haltung solcher Tiere? Wieviel zusätzlichen Aufwand benötigen sie im Handling? So gesehen machen dann mühsam einzuholende, aber für entsprechend qualifizierte und hartnäckige Halter durchaus machbare Bewilligungen durchaus Sinn, da sie die Hürde für unüberlegte Haltungen minimieren können. Wobei man so sicher auch einen gewissen Teil an kompetenten zukünftigen Haltern abschrecken dürfte, was wiederum ein Nachteil wäre, aber es ist letztlich wieder einmal ein Abwiegen von Vor- und Nachteile.
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Galea
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Anmeldungsdatum: 03.07.2009
Beiträge: 42

BeitragVerfasst am: 27.10.2012 11:16    Titel: Antworten mit Zitat

Ja, das ist ja schon lange ein Problem :-/. Diese Tiere werden in Zoohandlungen angepriesen, wie bunte Bonbons. Wirkliche Beratungen oder Wissen über die Haltung fehlt dagegen fast völlig.
Wenn man hier aber ein Haltungsverbot ausspräche, würde man auch seriösen Züchtern die Haltung und Züchtung verbieten und es kämen immer mehr Wildfänge in den ilegalen Handel. So geht es ja schon seit langem in der Aquaristik (selbst wenn der Handel legal ist, greifen die Händler auf Wildfänge zurück, weil Züchter fehlen).
Ich stimme mit dir da völlig überein, dass man eher eine Haltungserlaubnis erlangen sollte, in dem man nachweisen müsste, dass man auch das Wissen hat, solch ein Tier artgerecht zu pflegen.
Neben den Pflichten, die man dann hat, hätte man dann aber auch eventuell Stellen, bei denen man sich Infos holen könnte. Auch hat man dann nicht das Problem mit den "Vermehrern", wo man sich für viel Geld ein krankes Tier holt, dass dann vielleicht auch noch Parasiten hat und andere Tiere gefährdet.
Die große Nachfrage würde dann auch abebben und Wildfänge hätten kaum noch eine Chance. Ich sehe darin viele Vorteile für Mensch und Tier.
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