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Weniger Arbeit, mehr Freizeit

 
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davX
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Anmeldungsdatum: 08.06.2004
Beiträge: 8573
Wohnort: Schweiz

BeitragVerfasst am: 19.12.2013 00:51    Titel: Weniger Arbeit, mehr Freizeit Antworten mit Zitat

Huhu,

Ich bin wieder einmal in den Ferien und hier liegt so allerlei Lesematerial herum, das ich sonst nie lese, namentlich Fokus und Spiegel. In letzterem bin ich jetzt doch auf ein interessantes Thema gestossen, obwohl der Themenmix allgemein nicht so meinen Geschmack trifft (selbes gilt für Fokus).

Es ist ein Thema das man sich wohl stellen sollte, nämlich geht es um die liebe Arbeit. Es gibt zwar schon auch den Traumberuf und dass man etwas findet, das auch Beruf und Privatleben in Balance hält, doch oftmals ist das nicht so ausgeglichen. Selbst oder gerade wenn man nicht schlecht verdient, fällt es zudem nicht einfach bei der Arbeit etwas zurückzustecken zugunsten eigener Interessen und dass man das Leben auch geniessen kann. Die Hauptfrage lautet also welches sind meine Prioritäten, was ist wichtig? Muss ich gewissen Idealen dieser Gesellschaft entsprechen und diese erfüllen, muss ich mich mit meinem Umfeld messen und mit ihm mithalten können, was zum Beispiel beruflicher Erfolg, Statussymbole etc angeht? Oder liegt die Freiheit und Lebensqualität nicht gerade darin, dass ich mir nicht zu sehr solche Normen und Zwänge mein Leben bestimmen lasse und mehr bei meinen Entscheidungen auch auf mich selbst und meine Bedürfnisse höre?

Zugegeben, das Thema ist für mich nicht neu, aber da es im Beitrag des Spiegels auch um konkrete Bücher geht, dachte ich mir, das wäre eine Erwähnung wert.

Nun wo fange ich an?
Buch 1:

Cederström, C. Fleming, P. (2013): Dead Man Working. Die schöne neue Welt der totalen Arbeit. Edition Tiamat. 128 S.

Das Buch wird nur kurz abgehandelt. Es beschreibt offenbar "die faulen Tricks" mit welchen Arbeitsgeber versuchen "Leben in die Todeszone der Arbeit zu injizieren". Dazu gehörten Fitnesszenter, Kickertische, Firmenfeste, Teambildungsübungen usw. Das Paradoxe, viele Arbeitsnehmer haben die Anweisungen des Chefs so verinnerlicht, dass der Beruf in ihre Freizeit, ihr Leben eindringt: immer erreichbar, fehlende Abgrenzungen.

Buch 2:

Förster, A. Kreuz, P. (2013): Hört auf zu arbeiten! Eine Anstiftung, das zu tun, was wirklich zählt. Pantheon. 240 S.

Der Titel beschreibt die Stossrichtung des Buches schon ziemlich gut, sich überlegen, ob man wirklich das tut, was man tun will. Ihre Aussage, auch gut bezahlte Arbeit macht oft arm, arm an Lebensfreude, da wir nicht soviel arbeiten, wie wir nötig haben, sondern meist deutlich mehr, wegen dem Image im sozialen Umfeld, Macht etc sprich es sind äussere Motive, die uns bestimmen und so machen wir uns zum Produkt. Man solle die Arbeit, die man tue hinterfragen, miese Arbeit zurückdrängen und durch sinnstiftende ersetzen... Geht es jedoch um schlecht bezahlte Jobs, wo das nicht so einfach möglich wäre, bleibt das Buch theoretisch: Stumpfe Industriejobs seien in Westeuropa ein Auslaufsmodell, gefragt im Wettbewerb sei jedoch heute schöpferische Arbeit. Hier gilt es allerdings anzumerken, ich mach hier jetzt diesen Link (davon steht nix im Beitrag), dass in letzter Zeit sogenannte "Bullshit-Jobs" stark im Kommen sind: Security, Überwachungsjobs von Maschinenprozessen und Schutz von Objekten etc Ein Mangel an sinnstiftender, bezahlter Arbeit öffnet diesem Trend Tür und Tor.

Buch 3:

Robert und Edward Skidelsky (2013): Wie viel ist genug? Vom Wachstumswahn zu einer Ökonomie des guten Lebens. Kunstmann. 280 S.

Das Buch beurteilt der Rezensent als das interessanteste und bedeutendste der drei und das erscheint auch mir so nach dem Lesen des Beitrags, es ist der eigentliche Grund, dass mir das Thema hier eine Notiz wert ist. Die Autoren sind Vater und Sohn, der Vater Biograf des Ökonomen John Maynard Keynes. Und auf dessen Ökonomieverständnis fusst auch ihr gemeinsames Buch.
Keynes These war, dass mit der Produktionssteigerung, die sich in den letzten Jahrzehnten stetig vollzog, wir bis 2030 nur noch 15 Stunden pro Woche arbeiten müssten. Das Buch erörtert, wieso das nicht eingetroffen ist und was man ändern müsste. Dazu geben sie drei politische Appelle:

"1. Eine progressive Ausgabensteuer soll die progressive Einkommenssteuer ersetzen, um den Statuskonsum zu vermindern. 2. Unternehmen sollen Werbung nicht mehr von der Steuer absetzen können, damit weniger Status-Begierden künstlich geweckt werden. 3. Jeder Bürger Soll ein bedingungsloses Grundeinkommen erhalten, als einmaligen Betrag im Alter von 30 Jahren, um den Arbeitsanreiz zu vermindern und die Musse attraktiver zu machen."

Mit Grundeinkommen ist hier ein einmaliger Betrag, ähnlich einem Erbe gemeint. Die Argumentation, dieses führe wie ein Erbe nicht dazu, dass man plötzlich nicht mehr arbeitet, sondern es befreie etwas von der Diktatur des Lohnerwerbs, ähnlich wie das heute schon bei einem Erbe der Fall sei.
Der Gewinn davon wäre, dass Arbeit nicht mehr primär dazu da wäre Geld zu machen, sondern in erster Linie um wieder etwas herzustellen: Autos, Schuhe, Zeitschriften. Ferner machen sie noch einen Vergleich: wer fett sei, müsse lernen, mit dem Essen aufzuhören, wenn er satt sei und seine Ernährung umzustellen auf mehr Vollwertkost. Bei der Arbeit und dem Konsum sei das ähnlich.

Quelle:
Becker T. (2013): Schluss. Aus. Feierabend. Ein Plädoyer gegen die Diktatur der Lohnarbeit. kulturSpiegel 3/2013: 10-15.

Noch eine Randnotiz, der Artikel geht eingangs auf viele Literatur ein, welche das Problem bei dieser Sache beim Chef sucht oder einer fehlenden Work-Life-Balance... welche eben nicht zielführend sei, da man selbst der Depp sei, der sich das freiwillig antue. Ein Titel fand ich dabei witzig, den hier noch kurz zu erwähnen:
Chefs - Aufzucht, Haltung und Pflege.
_________________
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